paar Tage also , leben Sie wohl ! « Und dann ihr Gesicht dem meinigen nähernd und mir mit ihren Lippen einen Kuß schickend , heimlich und leise : » leb wohl , Geliebter ! « Ich stand draußen ; der Regen , der wieder zu fallen begonnen hatte , schlug mir in ' s glühende Gesicht ; ich fühlte es nicht ; Regen und Sturm , jagende Wolken und sausende Bäume , wie war das Alles so herrlich ! War es möglich , daß die Welt so schön war ! War es möglich , daß man so glücklich sein konnte ! War es möglich , daß sie mich liebte ! Auf meinem Zimmer angelangt , ließ ich mein wahnsinniges Entzücken in tausend tollen Streichen aus . Ich tanzte , ich sprang , ich warf mich in den Lehnstuhl und küßte inbrünstiglich den Handschuh , den ich einst am Weiher gefunden und wie ein Heiligthum bewahrt hatte ; und weinte und sprang wieder auf und lachte und tanzte wieder , und besann mich endlich , daß ich die Jagdtasche bereits mit Allem , was ich für ein paar Tage brauchte , vollgepackt hatte , und daß sie erwarten durfte , ich werde jetzt ihrem Befehle pünktlich Folge leisten . Ja , jetzt mußte ich fort ; jetzt wollte ich fort ! fort , fort ! Und ich warf mein Gewehr über die Schulter , rief meinem Caro , der schnarchend unter dem Tische lag und verließ das Zimmer und das Schloß . Vierzehntes Capitel . Auf dem Wege nach Trantowitz unter den zischelnden Weiden hinschreitend , war ich , in meiner Aufregung kaum sehend , wo ich ging , mehr als einmal in Gefahr , von dem schlüpferigen Pfade in den tiefen Graben zu gleiten , in welchem heute das Regenwasser gurgelte . Mehr als einmal blieb ich stehen , nach dem Hofe zurückzusehen , wo sie weilte . Caro , der verdrossen hinter mir hertrottete , blieb dann auch stehen und sah mich an . Ich erzählte ihm , daß sie mich liebe , daß wir glücklich werden würden , daß Alles gut werden würde , daß er , wenn ich erst ein großer Herr sei , auch ein herrliches Leben führen werde , daß ich ihn bis an sein Ende treulich pflegen wolle . Caro gab durch leises Schweifwedeln zu erkennen , wie er von meinen guten Absichten vollkommen überzeugt und bis zu einem gewissen Grade gerührt sei ; aber seine braunen Augen blickten sehr melancholisch , als könne er sich an einem so trüben Tage keine rechte Vorstellung von einer heitern Zukunft machen . - » Du bist ein dummes Thier , Caro « , sagte ich , » ein gutes dummes Thier , und weißt den Kukuk , was mir begegnet ist . « Caro machte eine verzweifelte Anstrengung , die Sache von ihrer heitersten Seite zu nehmen , indem er heftiger als zuvor mit dem Schweife wedelte und seine weißen Zähne zeigte , sprang dann aber plötzlich - zum Beweise , daß sein sonst so wohl dressirtes , nur auf die Jagd gerichtetes Gemüth heute vollständig haltlos war - mit wüthendem Gebell auf einen Mann zu , der eben um eine Weidenpflanzung , die sich links am Wege hinzog , auf mich zukam . Es war ein Mann , der halb wie ein Schiffer und halb wie ein städtischer Handwerker gekleidet war , und dessen harmloses breites Gesicht , als er mich erblickte , so freundlich lachte , daß Caro das Unpassende seines Benehmens sofort einsah und mit hängenden Ohren beschämt zu mir zurückkam , während ich , da ich den Mann mittlerweile auch erkannt hatte , mit ausgestreckter Hand auf ihn zuschritt . » Wie , zum Teufel , Klaus , kommst Du hierher ? « » Ja , das sagen Sie wohl « , erwiederte Klaus , indem er mit seiner breiten harten Hand kräftig einschlug und dabei , wie vorhin Caro , zwei Reihen Zähne zeigte , die an Weiße mit denen des Hundes wetteiferten . » Und Du wolltest zu mir ? « fragte ich weiter . » Ja , natürlich wollte ich zu Ihnen « , sagte Klaus , » ich bin vor einer Stunde auf dem Kutter gekommen ; Christel ist auch mit . Die alte Großmutter ist ja todt - wir haben sie gestern Morgen begraben . Gott hab ' sie selig ; sie war eine gute alte Frau , wenn sie auch zuletzt ein bischen stumpf geworden war und der armen Christel viel Mühe gemacht hat . Na , das ist nun auch vorbei und - ja , was ich sagen wollte - da ist denn der Vater so gut gewesen , mich heute selbst herzufahren , und Christel ist auch mit , mir in Zanowitz Abschied nehmen zu helfen von Tante Julchen , wissen Sie , Vaters Schwester . Mein Vater ist ja auch aus Zanowitz . « » Ja , ja « , sagte ich . » Sie sind schon ein paar mal dagewesen « , fuhr Klaus fort , » Tante Julchen hat Sie immer gesehen , aber Sie haben nie hingeblickt ; nun , Sie werden ja sich auch der Frau nicht mehr erinnern ; sie war früher wohl manchmal drüben bei dem Vater . Und dann sind Sie ja nun auch ein so großer Herr geworden ! « Und Klaus ließ bewundernde Blicke über mein Jagdzeug , über meine hohen Stiefeln und über Caro schweifen , der sich den Anschein gab , auf dieses Gespräch nicht zu hören und mit gehobenen Ohren in den Graben starrte , als habe er sein Lebtag nie eine Wassermaus in ihr Loch schlüpfen sehen . » Lassen wir das gut sein , Klaus « , sagte ich , den Riemen meines Gewehrs höher auf die Schultern rückend : » und Du willst Abschied nehmen ? Wo willst Du denn hin ? « » Ich habe einen Platz als Schlosser in der Maschinenbauanstalt des Herrn Commerzienraths in