wann auf die Felder hinausbegleitete und seiner harten Arbeit zusah . Während Hennig im Schweiße seines Angesichts den Verwaltern und Knechten seiner Mutter half und , hochrot vor Eifer , riesige Garben der heißen Augustsonne entgegen auf die Wagen schwang , lag Franz gewöhnlich unter einem Busch lang ausgestreckt neben dem Viktualienkober und rief nur von Zeit zu Zeit kauend hinüber : » Ich bewundere , aber ich begreife dich nicht , mein Sohn . Jetzt komm endlich her und erquicke dich ; denn siehe , es stehet geschrieben : Du sollst dem Ochsen , der da drischet , nicht das Maul verbinden ! « » Keine Zeit ! ... Nachher ! « ächzte der Junker dann wohl grimmig durch die Zähne , und Franz Buschmann drehte sich faul auf die andere Seite , seufzte : » Des Menschen Wille ist selbst bei einer solchen Hitze sein Himmelreich ! « , zog einen abgegriffenen Band der » Abenteuer des Chevalier Faublas « aus der Tasche und blickte aus der idyllischen Gegenwart wohlig über denselben hinweg in eine stille , friedliche , nahrhafte und gottselige Zukunft . Auch Antonie begleitete im leichten Sommerkleid und gelben Strohhut die Ernteleute des Lauenhofes häufig auf die Felder hinaus ; aber sie suchte sich nützlicher zu machen als der ekstatische Studiosus der Theologie , und sie gereichte jedenfalls den Knechten und Mägden sowie dem Junker zu größerem Trost und Vergnügen als der junge gefräßige Gottesgelehrte . Eine lächelnde freundliche Hebe , trug sie den Arbeitern die Krüge mit dem Erntebier zu und lächelte nur dann nicht , wenn sie notgedrungen den Busch des Pastorenfranz streifen mußte und es breitmäulig aus dem Schatten klang : » Mir auch einen Tropfen zur Labe , Fräu-lein Häußler ! « » Sei kein Flegel , Buschmann ! Ich meine , du kannst den Weg zur Tränke selber finden ! « rief dann wohl Hennig aus den Garben herüber . » Tonie , kümmere dich nicht um den Dickhäuter ; schon in Halberstadt haben wir gewußt , daß ihm eine ganze Seite in der Zoologie allein gehöre . Lustig , Tonie , du bist ein gutes Mädchen , du bist wahrhaftig ein gutes Mädchen , und , bei den lateinischen Göttern , was mich angeht , so fühle ich mich wie ein Gott in meinen Armen und Beinen . Hurra , es geht doch nichts über Krodebeck in den Erntetagen ! « Es war eine gute Zeit . Wenn die gnädige Frau auf die Felder hinauskam , segnete sie sich mit Fug und Recht über das fette Jahr und sang helle Jubellieder in der Tiefe ihrer Seele . Und wenn in der kühlern Abenddämmerung der Ritter von Glaubigern und das Fräulein von Saint-Trouin nachfolgten , so freuten auch sie sich und hatten gleichfalls allen Grund dazu . Sie konnten auch Jubelhymnen in der Tiefe ihrer Seele anstimmen , und zwar über ihre beiden Zöglinge . Sie wußten beide , was schön und gut sei , wenn auch auf verschiedene Weise , und sie standen oft beide still und stumm , während ihr Herz über die jungen Leute lachte . In diesen Augenblicken pflegte das Fräulein dem Chevalier die goldene Dose zu bieten : » Ein schöner Abend , Herr von Glaubigern ! « Und der Ritter , zierlich mit spitzen Fingern zugreifend , erwiderte : » Ein sehr schöner Abend ! Wahrlich , mein Fräulein , wir haben wohl beide häufig nicht gedacht , daß die Sonne uns so freundlich untergehen werde ! « » Mein lieber Herr von Glaubigern ! « sprach Adelaide , » wem hat man das zu danken ? Wie häufig und wie unverständig ist man mir unter den frivolsten Vorwänden in den Weg getreten ? Ja , und was würde sowohl aus dem Hennig wie aus dem Kinde geworden sein , wenn ich in allen Dingen meinem bessern Verständnis und meinen Gefühlen hätte folgen dürfen ? Nun , ich will nicht alte Wunden von neuem aufreißen , mein verehrter Herr Chevalier ; es ist in der Tat ein recht schöner Abend für uns , obgleich hoffentlich die Sonne doch noch nicht so tief steht , um auch diese ziemlich verständliche und recht ironische Bemerkung in betreff meiner Lebensjahre zu motivieren . « » Oh ! « seufzte der Ritter , und von jedem andern hätten wir sagen dürfen , er habe einen grunzenden Seufzer laut werden lassen , und zwar mit vollkommenster Berechtigung . Der Chevalier aber grunzte überhaupt nicht und also auch nicht in diesem Falle . Es war eine herrliche Zeit , eine Zeit der Erfüllung . Niemand , selbst der Ritter von Glaubigern nicht , hatte eine Ahnung davon , welches Gewölk hinter den Bergen brauete und welch hinkender , hämischer Schritt langsam und unaufhaltsam sich näherte . Nicht einem klang dieser metallische Schritt , der halb Hufschlag war , in den guten Stunden durch die Seele , selbst nicht durch die ängstliche Seele des Chevaliers und Leutnants Karl Eustach von Glaubigern . Es war eine sehr vergnügte Zeit ; allein vorüber mußte auch sie gehen . Allmählich verklang das Schärfen der Sensen , das Rufen und Singen der Arbeiter und Mägde auf den Feldern von Krodebeck . Die Felder wurden leer , und Wagen auf Wagen schwankte zum Dorfe hinab . Endlich kam der Abend , an welchem die letzten Garben auf den letzten Wagen geladen wurden und auch diese Ernte vollendet war . Der Morgen war sonnig und heiß wie gewöhnlich gewesen ; gegen Mittag hatte sich ein leichter Dunst über das Land gelegt , und als am Abend die bebänderte , mit Goldflittern und künstlichen und wirklichen Blumen geschmückte Erntekrone auf der höchsten Garbe des letzten Erntewagens aufgepflanzt wurde , änderte sich die Atmosphäre in eigentümlicher Weise . Über den Wald im Westen schob sich ganz plötzlich eine seltsame gelbliche Wand empor , in welche die Sonne , eine feurig rote Kugel , hinunterglitt . Mit ungemeiner Schnelligkeit wogte der Dunst heran ; der Höhenrauch verhüllte die Ferne und