heitern Blick des gegenwärtigen Augenblicks ja für die kommende große Stunde festzuhalten , was Leonhard versprach , leider aber nicht hielt . Der Vasall und der Pascha , welche um diese Stunde einander besser kennen- und schätzengelernt hatten , tranken Brüderschaft , und gegen ein Uhr erschien der Leutnant Hugo von Bumsdorf zum zweitenmal in Hagebuchers Wohnung , wurde zärtlich in die väterlichen Arme gezogen und warf über die Schulter des ahnungslosen Alten einen gerührten und dankbaren Blick im Kreise der Anwesenden umher . » Die Laune wäre schon recht ! « flüsterte er dem Afrikaner zu . » Jetzt führ ich ihn ins Hotel de Prusse und nachher - - ah ! « Und sie gingen zum Hotel de Prusse , aber Leonhard ging nicht mit ihnen . Die lichte Stunde war nur allzu schnell vorübergeflogen , und mit dem vollen Bewußtsein seiner Lage stand der Redner vor den Flaschen und Tellern des Frühstückstisches und hob von neuem an zu memorieren . Täubrich-Pascha aß weiter und schien die Absicht zu haben , sich vollständig durch den Tag durchzufressen . » Es ist einzig und allein die Aufregung ! « seufzte er beschönigend und stellte dadurch sein treffliches Verdauungssystem doch ein wenig zu sehr in den Schatten . Was hilft es , die Sanduhr vor Ablauf der Stunde umzukehren , man hält die Zeit dadurch ebensowenig auf , als man sie dadurch beschleunigst , wenn man das Glas ungeduldig schüttelt . Gegen ein Uhr klopfte und bürstete Täubrich seinen eigenen Frack in seinem eigenen Gemache , und gegen vier Uhr klopfte es abermals an die Tür Leonhard Hagebuchers , und wiederum fuhr er zusammen wie unter der Peitsche von Abu Telfan . Diesmal trat der Major Wildberg herein , der einzige , auf welchen der Redner , infolge des Billetts der Frau von Glimmern , mit einiger Ungeduld gewartet hatte und welchen er freudig in der Voraussetzung begrüßte , daß er ihm etwas Förderliches mitzuteilen haben werde . So war es auch , aber doch nicht gerade so , wie der Mann aus dem Tumurkielande es sich vorgestellt hatte . Der Herr Major brachte die schönsten Grüße und besten Wünsche von seiner Frau Emma , allein er brachte sie mit einer sehr bedenklichen Miene , und nach einigen allgemeinen und gleichgültigen Redensarten kam er schnell zur Sache . Wir aber können uns begnügen , einen Auszug seines Vortrages mitzuteilen ; denn jeder verständige Mensch kann bei einigem Nachdenken sich selber sagen , was er zu sagen hatte . Es gab allerlei Stimmen und Stimmungen in der Residenz . Es gab eine Menge Leute , welche den Afrikaner bereits genug kannten , um ihm alles mögliche zuzutrauen , Leute , welche dem Abend nicht mit den günstigsten Gefühlen entgegensahen . Selbst in die höchsten Kreise war das Interesse an dem Herrn Hagebucher gedrungen ; aber auch hier schüttelte man den Kopf , fürchtete arge afrikanische Indiskretionen und besorgte die unangenehmsten Verwicklungen dadurch mit dem Kaiser von Abyssinien , dem Vizekönig von Ägypten und dem Sultan von Wadai . Der Major hielt es für seine Pflicht , den afrikanischen Redner zu bitten , sich und andere nicht zu sehr bloßzustellen , sich in seinen Ausdrücken , Scherzen und Gleichnissen tunlichst zu mäßigen , stets wo möglich die gemütliche Seite herauszukehren und , schon seines eigenen Vorteils wegen , sich stets mehr an das Herz als an die Vernunft der Leute zu wenden . Eine leise Andeutung , daß wohl bereits einige Intrigen betreffs Gestattung oder Verhinderung von derartigen öffentlichen Vorträgen angesponnen sein könnten , beschloß die gutgemeinte Warnung . Leonhard Hagebucher konnte auf alles dieses leider nur mit einem grimmigen Lächeln antworten , daß es durchaus nicht in seiner Absicht liege , irgendeinen andern als sich selber zum Narren zu halten . Diese Versicherung gewährte nur einen geringen Trost ; der Major schüttelte das Haupt , fast geradeso bedenklich wie die höchsten Kreise , drückte dem Freunde die Hand und zog ab mit einem tiefen Seufzer , der außer allem Mitgefühl ein ganz kleines Bruchteilchen von Neid auf den Afrikaner in sich schloß . Um sieben Uhr abends hatte Nikola von Glimmern mit ihrem Gemahl noch eine Unterredung , welche allmählich einen ziemlich bittern Charakter annahm , aber die schöne Exzellenz nicht an der Vollendung ihrer Toilette hinderte . Infolge dieses Wortwechsels fuhr der Baron jedoch noch einmal zu dem Polizeidirektor von Betzendorff und hatte mit diesem Herrn gleichfalls eine längere Unterredung , welche aber nicht mit einem Mißklang endete , sondern die vollständigste Übereinstimmung der beiden Mächte in mehr als einem Punkte herbeiführte . Ein letzter Blick in den dunkeln Abend zeigt uns im flackernden Licht der Gaslaterne eine Droschke in der Kesselstraße sowie den Professor Reihenschlager und den Vetter Wassertreter , welche den geknickten Hagebucher in das Fuhrwerk mehr heben als schieben . Sie steigen ihm nach , Täubrich-Pascha schlägt den Schlag zu , schwingt sich neben den Kutscher auf den Bock : La ilaha ilallah und Mohammed rassul Allah ! Der Herr von Bumsdorf und sein Stammhalter erreichten den Ort der Vorlesung auf verschiedenen Pfaden ; der biedere Alte hatte längst den innigen Wunsch ausgesprochen , der Junge möge ihm fürs erste nicht wieder vor die Augen kommen ! Achtzehntes Kapitel Dieses ist das achtzehnte Kapitel der Historie des Herrn Leonhard Hagebucher , welcher zwölf Jahre zu Abu Telfan im Tumurkielande in der Gefangenschaft zubrachte . Es bildet sowohl formell wie dem Inhalte nach den Mittelpunkt der wahrhaften und merkwürdigen Geschichte , die Spitze der Pyramide , auf welcher der afrikanische Redner sitzt , seine schöne Seele aufknöpft und mit dem besten Willen sein Erbauliches und Beschauliches der Residenz preisgibt . Täubrich-Pascha stand an der Pforte und nahm die Eintrittskarten ab ; ein ausgewähltes Publikum hatte sich auf den Stufen der Pyramide um den Redner Versammelt ; der Saal war zum Erdrücken voll , aber : das Volk , nie möcht ich es kündigen oder benennen , Wären mir auch zehn Kehlen zugleich , zehn redende Zungen , Wär