Nixengesang , oder durch Ihre Kopie der Sibylla persica mit beiden Füßen in die Glückseligkeit nur so hinein springen können , so irren Sie sich heftig . Unsere Glückseligkeit hienieden hält gleichen Schritt mit unserer Opferseligkeit und beruht nicht darauf , was wir in irdischer Weise besitzen , sondern darauf , was wir uns mit allem , was unser ist , zu einem lebendigen Brandopfer machen , dessen Altar unser Herz ist und dessen Flamme unsere Liebe zu Gott ist . Der Liebe wird man nie überdrüßig . Warum nicht ? Weil eine übernatürliche Kraft , die Gnade , sie nährt ; und hat der Mensch sein Genügen in seiner Liebe , so ist er glückselig . « Es war nun einmal seine Art , zu allen Menschen zu sprechen , als wären sie eben so gläubige Christen als er . Er betrachtete sie immer als das , was sie ursprünglich sind : berufen zur Erkenntnis der Wahrheit , und behandelte sie als solche , denen nur momentan die Wahrheit verschleiert ist . Dadurch sind sie schon konfus genug , pflegte er mitleidig zu sagen ; ich meinesteils will wenigstens nicht ihre Konfusion vermehren , indem ich auf ihre Anschauungsweise eingehe , sondern will ihnen reinen Wein einschenken . » Kann der Mensch einen anderen Menschen so lieben , daß er sein Genügen in dieser Liebe finde ? « fragte Judith . » Nein , das ist ganz unmöglich , denn das wäre gegen seine Bestimmung . Gott hat ihn geschaffen zur ewigen Beseligung durch das höchste Gut , das Gott Selbst ist , also kann das Verlangen seiner Seele auch durch nichts Geringeres befriedigt werden . Hätte ich eine liebe Frau und ein halbes oder ganzes Dutzend liebe Kinder , meine Seele würde dennoch nach dem höchsten Gut schmachten , nur würde ich , in tausendfache Sorgen und Nöten verstrickt und durch tausend irdische Geschäfte in Anspruch genommen , vielleicht weniger dieser Sehnsucht Raum geben können und wollen ; was denn wahrlich weder ein Vorteil noch ein Trost für die arme Seele ist . Weil aber das Menschenherz die Beschaffenheit hat , daß es sich neigt zu seinesgleichen und die süße Lebensgemeinschaft , den innigen Zusammenhalt , die trauliche Tätigkeit für einen kleinen , besonderen , selbstgeschaffenen Kreis gar schwer entbehrt : so hat Gottes weise und zärtliche Vorsorge ihm eine Sphäre geöffnet , wo diese Neigung ihren Ruhepunkt findet , indem die freiwillig übernommenen Pflichten ihr zugleich Schranken und Würde geben und die Weihe des Sakramentes ihr den Gnadenbeistand zu Kraft , Beharrlichkeit und Selbstverläugnung bringt , deren sie so sehr bedarf . « » Wovon sprechen Sie denn eigentlich , Herr Ernest ? « fragte Judith gespannt . » Von der christlichen Ehe , Fräulein Judith . « » Von der Ehe ? - so ernsthaft feierlich ? - Sie haben doch immer Ihre ganz eigentümliche Art sich auszudrücken ! « » Von der christlichen Ehe , deren Bürde ohne die Gnade des Sakramentes für menschliche Schultern zu schwer ist - ja , von der spreche ich ! Die Welt spricht von ihr , wie sie ' s versteht ! Bald oberflächlich , bald schief . Für die jungen Damen ist die Ehe die Tür , durch welche sie ihren ersehnten Eintritt in die Gesellschaft machen , oder der Triumphbogen , durch den sie in das Königreich einer Liebe einziehen , welche der vielbesungenen Schönheit des Monats Mai darin ähnlich ist , daß sie nur in der Poesie existiert . Für die Mama ' s ist es eine Versorgungsanstalt der lieben Töchter . Für die jungen Herren ist sie ein Mittel , um Schulden zu bezahlen , um eine Karriere zu machen , um ein bequemes Leben zu führen , um sich anbeten zu lassen , und was dergleichen wichtige Gründe mehr sind , in welche denn allerdings auch etwas Neigung und die eigentümliche Entzündbarkeit des jugendlichen Herzens hineinspielen . « » Was Sie da sagen , ist ganz richtig und gar nicht übertrieben , « unterbrach ihn Judith . » Das habe ich schon mehrmals bei Anderen erlebt . « » Aber die Stellvertreterin Gottes hienieden , die heilige Kirche , betrachtet die Ehe anders « , fuhr Ernest fort , » nicht als eine Idylle , nicht als ein Fest der Herzen , sondern als eine heilige , unauflösliche Verbindung , bei der im Vorgrund die Übernahme strenger Verpflichtungen und schwerer Last , im Hintergrund das ernste und unter Tränen lächelnde Glück steht , welches durch herbe Kämpfe und vielfache Selbstverläugnung gegangen ist . Darum gibt sie der Ehe den Gnadenbeistand des Sakramentes , und unter diesem Schutz , mit dieser Weihe und dieser Hilfe ist es denn möglich , daß zwei Menschen sich mit dem Willen fortlieben , auch nachdem die Leidenschaft verrauscht und die Neigung verblüht ist . Ihr Genügen werden sie freilich nicht in dieser Liebe finden , aber sie werden lernen , sich zu begnügen , und da hiezu viel Resignation und Selbstüberwindung gehört , viel Opfermut und Hingebung an den göttlichen Willen : so können diese zwei Menschen in der Ehe ganz außerordentlich glücklich werden , weil sie , wie ich vorhin sagte , opferfreudig sind . Haben Sie mich verstanden , Fräulein Judith ? « » Ich habe verstanden , daß kein Mensch einen Menschen ganz glücklich machen kann . Aber ob Sie Recht haben , das weiß ich nicht . « » Wenn Sie mir nicht glauben wollen , Fräulein Judith , hätten Sie mich ja überhaupt nicht zu fragen brauchen ; « antwortete Ernest . » Ich sage das nicht meinetwegen , denn meine Überzeugungen werden dadurch nicht bestärkt oder geschwächt , daß Sie sie annehmen oder verwerfen . Allein Ihretwegen tut es mir leid , daß Sie kreuz und quer mit Fragen umherfahren , deren richtige Beantwortung Ihnen am Herzen liegt und überhaupt wichtig ist , und die Sie doch nicht einfach und kindlich annehmen . « » Haben Sie nie versucht , durch ein Menschenherz