der ihm einmal so Etwas gelungen war . Aber Amrei wußte , daß da kein Verlaß auf ihn war ; er konnte allerlei Albernheit vorbringen und den Scherz in sein Gegentheil verkehren . Sie sah schon , wie der Dami mehrmals die Hand auf und zu machend nach dem Uhrgehänge des Johannes griff und immer wieder , bevor er es gefaßt , zurückzog ; sie sagte daher streng , wie man einem tollenden Kinde wehrt : » Jetzt ist ' s genug : das hast du gut gemacht , jetzt laß es dabei ! « Dami entlarvte sich wieder und sagte nur noch zu Johannes : » So ist ' s recht ! Du hast eine stahlbeschlagene Frau und ich eine silberbeschlagene Pfeife . « Als Niemand lachte , setzte er hinzu : » Gelt , Schwager , das hättest du nicht geglaubt , daß du so einen gescheiten Schwager hast ? Ja , sie hat ' s nicht allein , wir sind in Einem Topf gekocht . Ja Schwager ! « Er schien als wollte er die Freude : Schwager ! sagen zu können , völlig auskosten . Man stieg endlich wieder auf , denn das Brautpaar wollte noch nach der Stadt und schon als sie ein Stück weg waren , schrie Dami in den Wald : » Schwager ! Vergiß meine ledernen Hosen nicht ! « Helles Lachen antwortete , und wiederum tönte Gesang und die Brautleute ritten fort und fort in die Mondnacht hinein . 17. Ueber Berg und Thal . Es läßt sich nicht so fortleben in gleichem Athem , es wechseln Nacht und Tag , lautlose Ruhe und wildes Rauschen und Brausen und die Jahreszeiten alle . So im Leben der Natur , so im Menschenherzen , und wohl dem Menschenherzen , das auch in aller Bewegung sich nicht aus seiner Bahn verirrt . Es war Tag geworden , als die beiden Liebenden vor der Stadt ankamen und schon eine weite Strecke vorher , als ihnen der erste Mensch begegnete , waren sie abgestiegen . Sie fühlten , daß ihre Auffahrt gar seltsam erscheinen mußte und der erste Mensch war ihnen wie ein Bote der Erinnerung , daß sie sich wieder einfinden müßten in die gewohnte Ordnung der Menschen und ihre Herkömmlichkeiten . Johannes führte das Pferd an der einen Hand , mit der andern hielt er Amrei , sie gingen lautlos dahin , und so oft sie einander ansahen , erglänzten ihre Gesichter wie die von Kindern , die aus dem Schlaf erwachen . So oft sie aber wieder vor sich niederschauten , waren sie gedankenvoll und bekümmert um das , was nun werden sollte . Als ob sie mit Johannes schon darüber gesprochen hätte , und in der unmitelbaren Zuversicht , daß er das Gleiche gedacht haben müsse , wie sie , sagte jetzt Amrei : » Freilich wohl wär ' s gescheiter gewesen , wir hätten die Sache ruhiger gemacht ; du wärst zuerst heim und ich war ' derweil wo geblieben , meinetwegen wenn nicht anders beim Kohlenmathes im Wald , und du hättest mich dann abgeholt mit deiner Mutter oder mir geschrieben und ich wäre nachgekommen mit meinem Dami Aber weißt du , was ich denk ' ? « » Just Alles weiß ich noch nicht . « » Ich denke , daß Reue das Dümmste ist , was man in sich aufkommen lassen kann . Wenn man sich den Kopf herunter reißt , man kann Gestern nicht mehr zu Heute machen . Was wir gethan haben , so mitten drin , in dem Jubel , das ist recht gewesen und muß recht bleiben . Da kann man jetzt , wenn man ein bischen nüchtern ist , nicht darüber schimpfen . Jetzt müssen wir nur daran denken , wie wir weiter Alles gut machen und du bist ja so ein gerader Mensch , du wirst sehen , kannst Alles mit mir überlegen , sag ' mir nur Alles frei heraus . Kannst mir sagen was du willst ; du thust mir nicht weh damit ; aber wenn du mir Etwas nicht sagst , da thust mir weh damit . Gelt du hast auch keine Reue ? « » Kannst du ein Räthsel lösen ? « fragte Johannes . » Ja , das habe ich als Kind gut können . « » Nun so sag ' mir : was ist das ? Es ist ein einfaches Wort , thut man den ersten Buchstaben vorn ' runter , da möcht ' man sich den Kopf ' runter reißen , und thut man ihn wieder auf , da ist alles fest . « » Das ist leicht , « sagte Barfüßele , » kinderleicht , das ist Reu ' und Treu ' . « Und wie die Lerchen über ihnen zu singen begannen , so sangen sie jetzt auch das Räthsellied und Johannes begann : » Ei Jungfrau , ich will dir was aufzurathen geben , Wann du es errathest so heirath ' ich dich : Was ist weißer als der Schnee ? Was ist grüner als der Klee ? Was ist schwärzer als die Kohl ' ? Willst du mein Weibchen sein . Errathen wirst du ' s wohl . « Amrei : » Die Kirschenblust ( Blüthe ) ist weißer als der Schnee Und wann sie verblühet hat grüner als der Klee , Und wann sie verreifet hat schwärzer als die Kohl ' , Weil ich dein Weiblein bin , errathen kann ich ' s wohl . « Johannes : » Was für ein König hat keinen Thron ? Was für ein Knecht hat keinen Lohn ? « Amrei : » Der König in dem Kartenspiel hat keinen Thron , Der Stiefelknecht hat keinen Lohn . « Johannes : » Welches Feuer hat keine Hitz ? Und welches Messer hat keine Spitz ? « Amrei : » Ein abgemaltes Feuer hat keine Hitz , Ein abgebrochenes Messer hat keine Spitz . « Plötzlich schnalzte Johannes mit den Fingern und sagte :