Waffen , Tapfere von Skadar ! Nehmt die Brände , daß sie leuchten zu dem Fest , das wir Jenen bereiten wollen , auf daß man erzählen möge von Fatinitza ' s Rache , so lange die schwarzen Berge stehen . Bringt das Weib . « Fatinitza voran nahte sich der Zug der Kula , aus der vier Männer ihm bleich und finster entgegenstarrten . Etwa sechszig bis siebenzig Schritt von dem Thurm entfernt stand ein junger , weitästiger Kastanienbaum . Vor ihm befahl die Türkin die mitgebrachten Brände zusammen zu werfen , daß die Flammen hoch aufloderten und einen weiten Lichtschein umherwarfen , in welchem den Männern im Thurm keine Einzelnheit der furchtbaren Scene entgehen konnte . » Schnürt sie an den Baum , das Antlitz den Rebellen zu ! « Der Befehl ward vollzogen . » Reißt ihr die Kleider ab , - geschändet soll sie vor Euch stehen ! - Wie ich es vor Jenem stand ! « setzte die zuckende Lippe leise hinzu . » Barmherzigkeit , Du bist ein Weib ! « Es war die einzige Bitte , die dem Munde der unglücklichen Frau sich entwand . - Barmherzigkeit ? - Bei dem Löwen der Wüste , bei dem Tiger der Dschungeln suche Barmherzigkeit , nicht bei den Männern Albaniens . Gleich Bestien warfen sie sich auf die Czernagorzin und rissen und schnitten die Gewänder herunter , daß der keusche Leib unverhüllt vor den rohen höhnenden Blicken der Männer stand . Die Wölfin von Skadar trieb das Pferd bis dicht zu der entehrten unglücklichen Frau und schaute mit finsterem Blick auf sie nieder . Dann streckte sie drohend die Hand nach der Kula . Da blitzte und krachte ein Schuß aus dem dunklen Gemäuer . - - - In der Kula standen die Männer starren Auges , den Blick unverwandt auf den herankommenden Zug gerichtet , die Faust um die treue Flinte geklammert , als wollten die Finger sich in das Eisen krampfen . Nur das tiefe Stöhnen des unglücklichen Gatten unterbrach die unheimliche Stille . » Das Pulver ! das Pulver ! « murmelte der Greis vor sich hin . Man sah Stephana an den Baum schnüren ; die Flamme zu ihren Füßen ließ deutlich jeden ihrer Züge erkennen , fast den Strahl ihres Auges , wie er Hilfe suchte bei den nahen Freunden . Jetzt warfen die Arnauten sich auf ihr Opfer . » Sie morden sie - hinaus , ihr zu Hilfe ! « raste der Zagartschane , doch nochmals riß die Hand des Greises ihn zurück . » Noch nicht - sie schänden nur das Blut der Martinowitsch . « Seine Stimme war hohl , fast klanglos . Gabriel taumelte . » Verdammniß über den Teufel in Weibergestalt ! Fahre zur Hölle ! « Seine Flinte lag an der Wange , der Schuß knallte , - doch noch schneller als sein Finger am Drücker war die Hand des Griechen , die den Lauf in die Höhe schlug . » Halt ein ! Du tödtest sie ! « Die Kugel schrillte hoch durch die Luft . War es Stephana , war es Fatinitza , die Nicolas Grivas mit den Worten und der That meinte - nur Gott weiß es . » Fluch Dir und ihr Blut über Dich ! Zerrissen sei das Band des unseren ! « Gabriel warf die Flinte zu Boden und wandte sich mit einer erhabenen Geberde der Verachtung von dem bisherigen Freunde . - Nur ein Schuß noch blieb in der Hand der Verfolgten . Der alte Beg streckte die Rechte nach der Flinte aus , die Jowan hielt : » Gieb ! « - - - Die Arnauten waren auseinander gestoben bei dem Schuß der waffenlos Geglaubten . Nur Fatinitza hielt mit eherner Ruhe . » Seit wann haben die Tapferen von Skadar Furcht vor dem Blei der schwarzen Hunde ? - Hierher , Abdallah ! « Der Mohr , den sie gerufen , nahte dem Pferde . Er empfing ihre Befehle und fletschte in teuflischer Bosheit die thierischen Züge , indem er langsam das Messer aus seinem Gürtel zog und zu der Gefesselten trat , deren Auge zum Himmel erhoben war , deren Lippen ein Gebet zum Allmächtigen sprachen . » Dschidelim ! Eile Dich ! ... « Ein wilder Schmerzensschrei riß sich trotz der heldenmüthigen Entschlossenheit von den Lippen der Aermsten - - - - - » Vater ! - Sie martern mein Weib zu Tode ! « Der Alte schauerte - sein Auge starrte wie in einer Vision , die seinen Geist zu umnachten begann . » Die Engel im Himmel werden dem Blute Iwo ' s beistehen in seinem Märtyrerthum . Einer der Moskowiten , mit denen ich bei Ragusa focht , war im Lande gewesen , fern über der großen See , und erzählte , wie da die gefangenen Krieger gemartert werden von ihren Feinden und doch ihr Triumphlied singen unter den Schmerzen des Todes . Ist die Christenfrau aus Iwo ' s Stamm weniger muthig als die Heiden der Wälder über der Salzsee ? « » Es ist ein Weib - laß mich hinaus , Vater - « » Zurück , Knabe , und vernimm das Todtenlied der Martinowitsch ! « Und mit lauter eintöniger Stimme begann der Greis das Heldenlied : Sve Oslobod . - - - - - - » Giftige Nattern säugte der Busen des Czernagorzenweibes , so möge er weiter die Bestien der Wildniß nähren ! D ' rauf , Scheitan ! « Der schwarze Henker warf das blutrauchende Fleisch der abgeschnittenen Brust dem lechzenden Wolfe hin und senkte mit teuflischen Vergnügen das Messer zum zweiten Male in den Leib der Märtyrerin9 ! » Vater ! Gabriel ! - Um der ewigen Barmherzigkeit willen , den Tod ! « Und wieder krachte ein Schuß - der letzte der Czernagorzen ! - aber diesmal taumelte der schwarze Mörder zu Boden und das Haupt der Gemarterten fiel auf die Schulter nieder - im Tode brechend dankte ihr Auge noch