, was wohlfeil ist und was man alle Tage haben kann . Darum sind so schrecklich viele Leute so schrecklich unglücklich , dieweil sie so schrecklich dumm sind , daß sie meinen , sie müßten auch alles Schlechte haben , was viel kostet , und das Gute verachten , dieweil es wohlfeil ist . Da ist unser lieber Herrgott gescheuter , und es wäre gut , wenn all unsere dummen Leute ein Beispiel nehmen würden an ihm und so gescheut werden würden , wie er es ist . Er hat die Kartoffel so wohlfeil gemacht , das Brot nicht teuer , läßt Kraut wachsen , mehr als Manchem lieb ist , läßt die Kühe süße Milch geben , und Schlächter lernen das älteste Kuhfleisch als kräftiges Ochsenfleisch verkaufen , läßt den Ärmsten die kühnsten Zähne wachsen , das nahrhafteste Fleisch zu verarbeiten . Was meint man wohl , wenn unser Herrgott den Armen Austern , Schnecken , Frösche , Konfitüren , Bittersüßes samt chinesischen Vogelnestern und passabler Limonade wohlfeil gemacht und darauf sie angewiesen hätte ? Wäre man wohl da , bei , oder würde man schreien über schreckliche Ungerechtigkeit ? Was kriegten die Armen bei den wohlfeilen Fröschen und Schnecken , Limonaden und Polnisch Bittern für dünne Wangen und lasterhafte Zähne ! Wie würden sie doch wieder schreien nach den teuren Kartoffeln und dem unbezahlbaren Schwarzbrot ! Aber so ist halt die Welt , hat das ganze Paradies und will halt nichts als Äpfel vom schlechten Baume , an welchen man sterben muß . So hatten sie es auch in der Glunggen , gränneten über den waadtländischen Göttertrank und rühmten ihn doch über die Maßen und redeten ihr Lebtag davon , sie hätten Champagner gesehen und sogar davon getrunken . Vreneli allein sagte , es finde ihn nit e Tüfel nutz und man solle ihns ruhig lassen damit . Der Wirt tat sehr gekränkt . » Mußt eine wunderliche Zunge haben , « sagte er , » daneben will ich niemand zwingen , es wird schon jemand sein , der ihn nimmt , « und darin täuschte er sich wirklich nicht . » Mag sein , « sagte Vreneli , » daß ich nicht weiß , was gut ist , daneben bin ich froh darüber . Mich dünkt gut , was ich habe und was wir vermögen und Gottlob alle Tage , solange wir gesund sind . Dabei bin ich wohl und habe Ursache , Gott zu danken . Es dünkt mich , ich möchte es nicht anders , denn was hätte ich davon , wenn mich die Krankheit ankäme , nur das gut zu finden , was ich nicht hätte und nicht vermöchte , eine Gluste , die ihre Zunge in allem haben möchte , was man selbst nicht hat , aber Andere . Habe von dieser Krankheit schon gehört , aber bis dahin geglaubt , sie sei bloß eine vornehme Krankheit . Sollte sie aber auch unter das gemeine Volk kommen , wie es den Anschein hat , dann gnade Gott den armen Menschen , dann adieß Zufriedenheit , dann wird der Teufel Meister . « Endlich brachte es die Schmiedin doch zum Aufbruch , obgleich der Wirt sagte : So sei es in der Welt , wenn es am lustigsten gehe und es einem am besten gefalle , so müsse man aufprotzen und fort . Früher hätten sie bloß so Flausen getrieben wie etwa an andern Orten auch , jetzt aber wäre das Predigen angegangen , das wäre was Neues gewesen ; es hätte ihn wunder genommen , dies zu hören , es scheine ihm , die Frau Gevatterin könnte es noch besser als mancher halbsturme Pfaff . Er müsse sagen , mit dem , was sie da von der Kanzel runter pralatzgeten , könne er hell nichts machen , er verstehe nichts davon , und in diesen Zeiten , wo man nicht mehr so dumm sei , werde es den Meisten so gehen ; es nehme ihn wunder , ob er es nicht erlebe , daß das Zeug ganz aufhöre . Vreneli ward blaß , da sagte die Base , sie hätte auch schon gehört , daß solche Dinge geredet würden , selbst sei sie aber nicht dabeigewesen und habe es nicht glauben wollen ; jetzt wisse sie es , es wäre ihr aber lieber , sie erführe es nicht noch einmal . » Dir , Wirt , wird es auch noch anders kommen , entweder hier oder dort . Wie es dir dann sein wird , wenn du draußen stehst und klopfst und hören mußt : Ich kenne dich nicht , selb wirst dann erfahren , aber leider wird es zu spät sein . Aber eins will dir sagen : wenn im Winter Stein und Bein gefroren ist und so recht eisig der Wind durch die dicksten Kleider zieht bis ins Mark hinein , und es steht ein arm Bettlerkind im dünnen Kleidchen zitternd vor deiner Türe und bittet um Gottes willen , daß man ihns hineinlasse , nur einen Augenblick , um sich zu wärmen , es müsse sonst erfrieren , und man tut ihm die Türe nicht auf und von innen her , aus tönt eine Stimme : Packe dich fort ! Wir kennen dich nicht , denk , wie es dem armen , bebenden Kinde sein muß , denk , Wirt ! Und doch findet es nicht weit davon eine andere Türe und einen barmherzigeren Hausvater , sterben muß es noch nicht . Denk , wenn du aber einmal so vor der Türe dort stehst , zitternd , und klopfst und hörst : Ich kenne dich nicht , so ist keine Türe für dich , kein barmherziger Hausvater , es ist der Allerbarmer , der dich nicht kennen will ; denk , wie wird dir dann sein ? « » Ich sehe , die Glunggebäuerin kann das Predigen auch , und wenn unser Pfarrer abgeht , so brauchts keinen Pfarrer mehr , eine von euch oder abwechselnd könnt ihrs auch machen