viele Jahre lang nicht gesehen , obschon er stets mit ihm in Verbindung geblieben ; eine Verbindung , die der Pater , ohne Gilbert in seine Zwecke einzuweihen , dazu benutzte , über den Aufenthalt und das Leben des Fürsten immer die genaueste Nachricht zu empfangen . - Er wird uns sterben , ehe er kommt - sagte leise der Pater zu Ines , als der Kranke wieder laut aufstöhnte . - Ich sage Euch , nein - erwiederte diese eben so leise . - Wüßte ich nur , wo mein armer Salvador ist . - Beruhigt Euch , Senora , dem Knaben wird Niemand ein Leid zufügen . Ines seufzte und schwieg . - Da ließ sich ein leises Klopfen an der Thüre hören . - Er ist ' s - sagte der Pater , indem er aufstand , um zu öffnen . Ines trat in den Schatten hinter den Vorhang des Bettes . Zwei Personen traten ein , beide bewaffnet und in weite Mäntel gehüllt . Es waren Alice und der Fürst Lichninski . - Fürwahr - sagte verwundert Alice , als sie den Pater erkannte - das hätte ich mir nicht vermuthet . Der Pater war offenbar durch das Eintreten zweier Personen überrascht ; eine gewisse Unruhe malte sich sogar auf seinen finstern Zügen . Als er Alice bemerkte , verwandelte sich seine Unruhe in Verlegenheit , die er jedoch unter einem wohlwollenden Lächeln zu verbergen bemüht war . - Des Höchsten Wege sind wunderbar , theure Baronin - erwiederte er mit salbungsvoller Zweideutigkeit , indem er des Fürsten Gruß durch eine stumme Verbeugung erwiederte . - Man hat mir gesagt , daß ein Sterbender nach mir verlange - nahm der Fürst das Wort . - So ist ' s , Durchlaucht . - Der Fürst trat an das Lager des Verwundeten . - Gilbert ! - fuhr er erschrocken zurück - im Sterben ? - Wer sagt , daß ich sterben werde ? - ächzte die hohle Stimme des Kranken . - Nein , ich will nicht sterben . Warum sterben ? Was hindert am Leben ? Sagen Sie es ihm , frommer Vater , daß er ein Lügner ist , wenn er sagt , daß ich sterbe . - Kennen Sie mich nicht , Gilbert ? - fragte der Fürst . - Ja , ich kenne Dich wohl - erwiederte der Verwundete , ihn aufmersam mit starren Blicken betrachtend . - Warst Du es nicht , der mich zum Verrathe trieb und goldne Berge versprach , wenn ich das » Schlangennest « aushöbe ? Es war aber ein Scorpion darin - fuhr er vertraulich flüsternd fort - und der hat mich gestochen - und sein Gift hat er mir in die Wunde geträufelt - ha , das brennt - brennt - brennt wie die Hölle . Der Pater hatte seinen Blick fest auf den Fürsten gerichtet gehalten , jetzt wandte er ihn nach Alicen , welche mit verhaltenem Athem den Phantasien des Kranken lauschte . - Wozu soll dies Schauspiel führen ? - fragte kalt der Fürst . - Und was soll meine Gegenwart dabei ? - Der Aermste verlangte dringend nach Ihnen , ich hielt es für meine Pflicht , den letzten Trost ihm nicht zu versagen - erwiederte der Pater . - So rufen Sie mich , wenn er wieder bei Sinnen ist , - schloß der Fürst und wandte sich zum Gehen . - Das soll gewiß geschehen - sagte jetzt Alice , an das Lager tretend . Sie ahnte die Verrätherei des Fürsten aus den Worten des Phantasirenden und wollte Gewißheit haben . - Was hast Du mit Lydia gemacht ? - flüsterte sie , sich an das Ohr des Kranken herabbeugend . - Ha , kommt Ihr , Rechenschaft zu fordern ? - fuhr schreiend der Kranke auf - es ist gut , Alice , daß Du da bist . - Ah , mein Fürst , endlich , endlich . - - - Sie sind wirklich gekommen . Ich danke Ihnen . - Ein schwaches Lächeln schwebte auf seinen farblosen Lippen . - Nicht wahr , Sie werden mich nicht verlassen ? - - Mein armer Kopf will nichts mehr denken . - Ha , verdammt , ich vermuthete nicht , welch tiefer Sinn in Ihren Worten lag : » Was Sie dort finden , Gilbert , bringen Sie mir lebendig . « - - - - Sie kannten den geheimen Schatz des Hauses ; aber das Schätzchen ist fort , fort mit ihrem Geliebten aus Straßburg . - - Wer rettete sie ? - fragte angstvoll Alice . - Wer ? Nun , der Prinz A. , der mir sie in Straßburg kaperte . Nicht so , Durchlaucht ? Es war eine verfehlte Geschichte . Der Fürst kreuzte die Arme und schwieg . Aber in seinem Innern tauchte eine Besorgniß auf , die er vergeblich zu verscheuchen suchte , die Besorgniß , man habe ihn aus andern Gründen an das Lager des Verwundeten gerufen , als um einen Verbrecher seinen letzten Athem aushauchen zu sehen . - Genug ! - tönte eine Stimme hinter dem Fürsten , die sein Blut gefrieren machte . - Wir alle haben uns überzeugt , daß er ein meineidiger Verräther ist , meineidig in der Liebe , Verräther an seiner Partei . Laßt also der Rache ihren Lauf ! - - - - Was soll dies Gaukelspiel ? - rief der Fürst , zur Seite springend . - Bin ich hier in eine Räuberhöhle gelockt , um hinterrücks ermordet zu werden ? - - Du bist unter Deinen Todfeinden ! - fuhr Ines mit eintöniger Stimme fort . - Treib keinen Spott mit mir , Weib ! - rief außer sich der Fürst , seinen Degen ziehend . - Spott ! - sagte voller Hohn die frühere Geliebte des Fürsten - dieser Spott wäre zu ertragen , dächte ich . Aber es gab einst eine Zeit - Ines trat einen Schritt vor - eine