Creuz , welches mein Jesus mit seinem unschuldigen Leiden geheiliget , o liebes Creuz , welches von der Hand eines gnädigen Vaters mir auferleget wird , o seeliges Creuz , durch welches ich meinem Jesu gleich gemacht und zur ewigen Herrlichkeit und Seligkeit gefördert werde , was sollt ich dich nicht willig tragen du süßes Creuz meines Bräutigams und Bruders ! Kaum hatte Ehre Johannes uns darauf die Absolution und nachgehends das heilige Sacrament mit vielen Thränen gereichet , als wir auch schon einen großen Tumult auf der Dielen vernahmen und gleich darauf der dreuste Büttel zur Thüren hereinschauete , und fragende : ob wir fertig wären , alldieweil Ein ehrsam Gericht schon auf uns warte . Und als er solches vernommen , wollte mein Töchterlein erstlich von mir ihren Abschied nehmen , was ich ihr aber wehrete und sprach : nicht also , du weißt was du mir versprochen , wo du hingehest , da will ich auch hingehen , wo du bleibest , da bleibe ich auch , wo du stirbst , da sterbe ich auch2 , so anders der Herr , wie ich hoffe , die brünstigen Seufzer meiner armen Seelen erhöret . Darumb ließ sie mich fahren und umbhalsete nur die alte Magd und dankete ihr für alles Gute , so sie ihr von Jugend auf gethan , und bate , daß sie nicht mitgehen und ihr ihren Tod durch ihr Geschreie noch mehr verbittern wölle . Die alte treue Person kunnte lange nicht für ihren Thränen zu Worte kommen . Letzlich aber bat sie mein arm Töchterlein um Vergebung daß sie selbige auch unwissend angeklaget und sagte , daß sie ihr für ihr Lohn an die 5 Ließpfund Flachs gekaufet , damit sie bald von ihrem Leben käm . Solches hätte heute Morgen schon der Schäfer von Pudgla mit gen Coserow genommen und sölle sie es sich recht dicht umb ihren Leib legen , dieweil sie gesehen , daß die alte Schurnsche so in der Liepen gebrennet wäre , viele Qual ausgestanden von wegen dem naßen Holz ehebevor sie zu Tode kommen . Doch ehender ihr mein Töchterlein noch danken kunnte , begunnte das erschröckliche Blutgeschrei im Gerichtszimmer : denn eine Stimme schriee so laut sie konnte : » Zeter über die vermaledeyete Hexe Maria Schweidlerin , daß sie von dem lebendigen Gotte abgefallen ! « und alles Volk draußen schriee nach : Zeter über die vermaledeyete Hexen ! - Als ich solches höretefiel ich gegen die Wand aber mein süßes Kind strakete mir mit ihren süßen Händeleins meine Wangen und sprach : Vater , Vatergedenket doch , daß das Volk über den unschuldigen Jesum auch kreuzige , kreuzige ! geschrieen , sollten wir den Kelch nicht trinken , den uns unser himmlischer Vater gegeben hat ? - Nunmehro ging auch schon die Thüre auf , und trat der Büttel unter eim großen Tumult des Volks herein ein blankes scharfes Schwerdt in seinen Händen tragende , neigete es dreimal vor meinem Töchterlein und schriee : » Zeter über die vermaledeyete Hexe Maria Schweidlerin , daß sie von dem lebendigen Gotte abgefallen ! « und alles Volk auf der Dielen und draußen schriee ihm nach so laut es kunnte : » Zeter über die vermaledeiete Hexe ! « Hierauf sprach er Maria Schweidlerin komm für Ein hochnoth-peinliches Halsgericht , worauf sie ihme mit uns beiden elenden Männern folgete ( denn Pastor Benzensis war nicht weniger geschlagen als ich selbsten ) die alte Magd aber blieb für todt auf der Erden liegen . Und als wir uns mit Noth durch das viele Volk durchgedränget , blieb der Büttel vor dem offenen Gerichtszimmer stehen senkete abermahlen sein Schwert vor meim Töchterlein und schriee zum dritten Mal : » Zeter über die vermaledeyete Hexe Maria Schweidlerin daß sie von dem lebendigen Gotte abgefallen ! « und alles Volk wie die grausamen Richter selbsten schrieen nach , so laut sie kunnten : » Zeter über die vermaledeyete Hexe ! « Als wir nunmehro ins Zimmer traten , fragete Dn . Consul erstlich meinen Herrn Gevatter : ob die Hexe bei ihrem freiwilligen Bekänntnüß in der Beichte verblieben , worauf er nach kurzem Besinnen zur Antwort gab : man müge sie selbsten fragen , da stünde sie ja . Selbiger sprach also ein Papier in seiner Hand nehmend , so vor ihm auf dem Tische lag : Maria Schweidlerin , nachdem du deine Beichte gethan und das heilige hochwürdige Sakrament des Abendmahls empfangen , so gieb mir noch einmal Antwort auf jetzt folgende Fragen : 1 ) wahr , daß du von dem lebendigen Gott abgefallen und dich dem leidigen Satan ergeben . 2 ) wahr , daß du einen Geist gehabt , Disidaemonia genannt , der dich umgetaufet und mit welchem du dich unnatürlich vermischet . 3 ) wahr , daß du dem Vieh allerhand Uebles zugefüget . 4 ) wahr , daß dir Satanas auf dem Streckelberg als ein haarigter Riese erschienen ? - Als sie dieses Alles mit vielen Seufzern bejahete , stund er auf , nahm seinen Stab in eine Hand und ein zwotes Papier in die andere , setzte auch seine Brill auf die Nasen und sprach : so höre jetzunder dein Urtel : ( Dieses Urtel hab ich mir nachgehends abgeschrieben ; die anderen Acta wollte er mir aber nicht überlassen , sondern gab für , daß sie in Wolgast lägen und lautete selbiges wörtlich also : ) Wir zu Einem hoch-noth-peinlichen Halsgericht verordnete Amtshaubtmann und Schöppen : nachdem Maria Schweidlerin des Pastoren zu Coserow Abraham Schweidleri Tochter nach angestellter Inquisition wiederhohlentlich das gütliche Bekänntnüß abgeleget : daß sie einen Teufel habe Disidaemonia genennet , der sie in der Sehe umbgetaufet und mit dem sie sich fleischlich und unnatürlich vermischet , item daß sie durch selbigen dem Vieh Schaden zugefüget , er ihr auch auf dem Streckelberg als ein haarigter Riese erschienen : erkennen und sprechen für Recht : daß Rea ihr zur wohlverdienten Strafe und Andern zum Exempel billig mit vier glühnden Zangenrissen an