Zuthun ? Also auch Ihnen haben die Frauen weh gethan ! O das Leid , welches dies Geschlecht über die ganze herrliche Schöpfung verbreitet , ist namenlos , und der Mann verloren , der von einem Weibe Heil begehrt ! Und gerade , daß die engelhaften so dämonisch sind ! Die Menge ? o die schaut man an , ohne daß die Brust sich hebt , das Herz klopft , das Blut siedet , die Arme sich ausbreiten ! das Alles ist für Eine , die zwischen den Uebrigen sich ausnimmt wie ein Mährchen zwischen Tagesgeschichten .... sagen Sie mir , fallen Ihnen nicht immer Mährchen ein , wenn Sie - diese Frau sehen , z.B. das von der Prinzessin , von deren Lippen Rosen fallen , wenn sie lächelt , und von deren Wimpern Perlen , wenn sie weint . Diese Frau hat Augen ! - « » Alle Frauen haben Augen ! « unterbrach Feldern , etwas überdrüssig der Rhapsodie - und es ist gut , daß man sich dessen zuweilen erinnert , um nicht in Monomanie zu verfallen , denn die Frau , die kein Auge für uns hat , sollte für uns auch keine Augen haben . « » Sehr richtig ! sehr philosophisch ! O wie bedaure ich , auf der Universität das Studium der Philosophie so gänzlich verabsäumt zu haben . Die Weisheit in eine Wissenschaft gebracht , kam mir so spaßhaft zugestutzt vor , wie der Baum , dem der Gärtner eine Thierform giebt , damit man doch wisse , was so ein dummer Baum bedeute . Aber es ist wirklich so übel nicht erfunden ! Bei einem Löwen , einem Adler , weiß Jeder genau , was er zu denken hat , die ganze Geographie , die ganze Naturgeschichte , Millionen Reisebeschreibungen - kurz , die vernünftigsten und zweckmäßigsten Gedanken knüpfen sich daran . Aber bei einem simpeln Baum schweifen sie ins Blaue . Man kann denken an den Baum im Paradiese , von dem Eva den famösen Apfel speiste - oder an den Upasbaum auf Java , der wie die Regierungen zur Pestzeit in dem falschen Verdacht einer allgemeinen Landesvergiftung steht - oder an die Linde auf dem Schloßhof von Nürnberg , welche die Kaiserin Cunigunde pflanzte , Zweige nach unten , Wurzel nach oben , um ihrem Gemahl ihre schneeweiße Unschuld zu beweisen . Kaiser Heinrich II. , zubenamt der Heilige , war ihr Gemahl , und es muß doch ein prekäres Ding mit der Unschuld der Weiber sein , da sogar ein Heiliger ihr mißtraut . Ferner an den Lorbeerbaum auf Isola bella , worin Napoleon vor der Schlacht von Marengo das Wort bataille schnitt - oder an die Eiche bei Pleischwitz in der Nähe von Breslau , in deren hohlem Stamm ein Schuster und ein Schneider ein Paar Hosen und ein Paar Schuh machten , welche noch gezeigt werden - vielleicht hatten sie eine Wette gemacht , sonst begreife ich nicht , weshalb sie diese Werkstatt sich wählten - oder an die » sieben Schwestern « hier im großen Garten - oder an die Tanne von Oberwalldorf , welche Gräfin Faustine in ein schönes Bild gebracht .... da bin ich wieder bei ihr , und fing doch an bei der Philosophie . « Er stand auf , schlang wieder den Arm um den Kopf und schwieg . Feldern sprach besorgt : » Sie sind wirklich krank , lieber Walldorf ; das wüste Treiben dieser Tage hat Ihre Nerven fürchterlich aufgeregt und Ihr Blut verbrannt . Sie müssen hier heraus , die Unordnung um Sie her macht Sie konfus . Kleiden Sie sich an . Ich warte gern . Dann gehen wir , und während der Zeit wird hier Ordnung gemacht . « » Meinetwegen ! « sagte Clemens , und rief Johann . Unter Johanns löblichen Eigenschaften glänzte nicht die eines gewandten Kammerdieners hervor , und da sein Herr nicht in der Stimmung war , diesem Mangel durch eigene Theilnahme abzuhelfen , so dauerte die Toilette ziemlich lange , und Feldern hatte Muße , zwischen den Trümmern dieses Schiffbruchs der Ausgelassenheit sich auf allerlei Histörchen zu besinnen , die er Clemens erzählte , um ihn aus seinem Hinbrüten aufzurütteln . Doch das war verlorne Mühe . Clemens blieb unempfänglich für Alles , was nicht Faustine war , und hätte Feldern ihn gefragt , was er von dem Mann im Monde denke , so würd ' er geantwortet haben : » Ich sterbe aber , wenn ich sie nicht wiedersehe . « » Und wenn Sie sie wiedersehen , betragen Sie sich so - seltsam , daß eine Frau , die leicht mit aller Welt zu leben versteht , nicht mit Ihnen fertig werden kann . « » Das ist es eben ! sie muß nicht mit mir umgehen , wie mit aller Welt . « » Wenn Sie bei diesem Verlangen beharren , kann ich Ihnen freilich nicht meine Vermittelung anbieten . « » O Gott , machen Sie , daß ich sie wiedersehen darf , und sie soll mich behandeln wie sie wolle , ich lasse mir Alles gefallen , Alles ! nur keine Verachtung und auch keinen Widerwillen , aber auch keine Kälte und hauptsächlich keine Gleichgültigkeit . Und dann soll sie mich nennen » lieber Clemens , « nicht » Herr von Walldorf . « Es hat Niemand außer ihr mich » lieber Clemens « genannt , vielleicht meine Eltern , das weiß ich nicht mehr , sie starben früh ! Mein Bruder hat eine andere Art sich auszudrücken , und für die übrigen Leute bin ich » Walldorf . « Sie sagt bisweilen » lieber Clemens ! « das ist , wie wenn die Nachtigall im Winter schlüge , und wollte sich Jemand unterfangen , mich nach ihr so zu nennen , ich würde ihm den verwegenen Mund mit einer Kugel stopfen . Endlich soll sie mir die Hand geben . Das thut sie nie ! Ich habe gesehen , daß sie Mengens großen