jetzt so rar ist . - Das Aderlaßmännchen ist der Teufel , der hat sich so ganz sachte in den Kalender geschlichen , um die Menschen um das einzige zu betrügen , was ihm Widerstand leisten kann , um den Stahl im Blut , der übergeht in den Geist , und den fest macht , daß er tun kann , was er will . Weisheit und Tapferkeit ! Der Mensch will immer die Weisheit , er hat aber den Mut nicht , sie durchzusetzen . Eins bedingt das andere , denn wenn der Mut dazu wäre , so wär auch die Weisheit da . Denn es ist nicht möglich , daß , wenn Kraft in der Seele ist , das Höchste zu tun , daß in ihr nicht auch der Same der Weisheit aufblühen sollte , der das höchste Tun lehrt . Wer zum Beispiel Mut hat , das Geld zu verachten , der wird bald auch Weisheit haben zu erkennen , welch fürchterlicher Wahnsinn aus diesem grausamen Vorurteil hervorschießt , und wie Reichtum und Macht so sehr arm sind . Weisheit und Tapferkeit müssen einander unterstützen . Ach , in unserer Religion soll die Tapferkeit obenan stehen , - denn wenn wir nur darüber wachen , daß wir kühn genug sind , das Große zu tun und die Vorurteile nicht zu achten , so wird aus jeder Tat immer eine höhere Erkenntnis steigen , die uns zur nächsten Tat vorbereitet , und wir werden bald Dinge beweisen , die kein Mensch noch glaubt . Zum Beispiel man kann nicht von der Luft leben ! - Ei , das könnt doch sehr möglich sein , und es ist eine sehr dumme Behauptung , die der Teufel gemacht hat , um den Menschen an die Sklavenkette zu legen des Erwerbs , daß man nicht von der Luft leben könne , daß er nur recht viel habe . Wer viel hat , der kann vor lauter Arbeit nicht zur Hochzeit kommen ; und von der Luft lebt man doch allein , denn alles , was uns nährt , ist durch die Luft genährt , und auch unsere erste Bedingung zum Leben ist das Atemholen . Und Gott sagt damit : Du teilst die Luft mit allen , so teile auch das Leben mit allen , und wer weiß denn , wie sehr die Natur sich noch ändern kann und kann sich dem Geist anschmiegen , wenn der einmal die Seele mehr regiert , ob dann der Leib nicht auch mehr Luft bedarf und weniger andere Nahrung . Alle albernen Gedanken , Begierden und verkehrten Einbildungen , die machen so hungrig nach tierischer Nahrung , ich weiß an mir , daß , wenn mir etwas durch den Geist fährt , dem ich nachgehen muß aus Ahnung , daß es Lebensluft enthalte , so hab ich gar keinen Hunger , und die Franzosen , wenn sie witzig sind , so haben sie immer auf was Petillantes oder Gewürztes Appetit , es käme also sehr auf den Geist an , daß wir am End gern von der Luft leben . - Und unser Tischgebet soll heißen : Herr , ich esse im Vertrauen , daß es mich nähre , und die alten Küchenzettel und Bratspieß und Backgeschichten all dem Teufel in die Garküch geschmissen , daß er den Hals drüber bricht , wir haben keine Zeit , uns dabei aufzuhalten , geh zum Nachbar und nehm Brot von ihm und nehme die Frucht vom Baum dazu und vom Opfermahl ein weniges und dulde nicht , daß sich Bedürfnisse des Mahls bei Dir einnisten zu dieser oder jener Stunde ; oder sonst Dinge , die den Leib abhängig machen . Da fällt mir noch etwas ein , mit dem verdammten Zugwind , oder mit der Nachtluft , alle Augenblick heißt ' s : » Hier zieht ' s ! « - Und dann reißen die Leute aus , als ob ihnen der Tod im Nacken säß , oder der Nachtwind hindert sie , die nächtliche Natur zu genießen , oder der Abendtau ist ihnen gefährlich , und doch - hat man je bei einem Gefecht in der Schlacht gesehen , daß ein Held vor dem Nachttau ausreiße ? - Also auch über die Verkältung hinweg im Nachtwind wie im Sonnenschein sein eigner Herr bleiben , das muß ein Gesetz unserer schwebenden Religion sein . - Ich weiß nicht , es duftet mir ordentlich im Geist , als würden wir auf sehr wunderbare Entdeckungen kommen . Jetzt haben wir schon entdeckt , daß man nicht Aderlassen muß , damit der Stahl im Blute nicht abgelassen werde , der die Begeisterung der Tapferkeit erzeugt , - da könnte einer sagen , durch eine Wunde im Krieg könne denn auch dieser Geist des Stahls entfliehen , so daß ein Tapferer könne zu einem Feigen werden , - dem ist aber nicht so , denn bei einer Wunde , die in der Begeistrung selbst empfangen wird , da haucht das Blut selbst Unsterblichkeit aus . Wenn nämlich die Tugend ( die Tapferkeit ) wach ist in dem Menschen , das heißt : wenn der Genius in sein Blut gestiegen ist und kämpft , und er geht auf die Wunde los , die er empfangen soll , da ist die Kühnheit so Herr , daß keine sklavische Entweichung stattfinden könne , denn dann ist grad aller Stahl im Blut in den Geist übergegangen , - denn wie Gott immerdar in jedem Hauch erzeugt , weil er ganz Weisheit ist , so erzeugt auch das Genie , weil es mit Gottes elektrischer Kette verbunden ist , ewig seine Schläge empfängt und wieder einschlägt ins Blut . - Ich bitte Dich , wie willst Du denn die elektrische Kraft erklären , anders , als daß durch Gottes Geist die Natur zuckt und bis ins Blut geht , wo sie im Menschen wieder den Weg in die Begeistrung findet , weil der Geist hat . - Und siehe da ! - Die Kraft empfängt