auf seinen Kinder ruht , denn er liebt sein Volk ; er hat das Herz eines Vaters für unsere Leiden , und mit welchen Schmerzen fühlt gewiß die Königin die allgemeine Noth . Wir müssen , sagte der Graf , das edle Beispiel nachahmen , das unser Königshaus uns giebt . Der König hat seinen Haushalt auf ' s Aeußerste beschränkt , um die allgemeine Last so viel als möglich zu erleichtern . Wenn wir Alle uns auf das Nothwendigste beschränken und alles Ueberflüssige zum Besten des Staats verwenden , so läßt sich hoffen , daß vielleicht den drückenden Verpflichtungen genug gethan werden kann . Der Obrist betrachtete den Grafen mit einem traurigen Blick , faßte dann seine Hände und sagte mit bebender Stimme : Der König kann nichts mehr für den Einzelnen thun , es wäre Wahnsinn , es noch zu hoffen ; also , theurer Graf , werden Sie niemals den kleinsten Theil aller für mich gemachten Auslagen zurückerhalten . Sind wir denn noch so kalte Freunde , sagte der Graf in dem Tone sanften Vorwurfs , daß Sie an diese Armseligkeit denken und sich darüber Sorge machen ? Lassen Sie uns jetzt den Kummer über unser Vaterland theilen , aber auch die Hoffnung für die Zukunft nicht ganz aufgeben . Die Freunde trennten sich , und obwohl der Obrist tief über sein Vaterland trauerte , so segnete er doch sein Geschick , das ihm einen Freund zugeführt hatte , der ihn mit starker Hand von dem Abgrunde zurückgezogen hatte , in welchen er beinahe versunken wäre , und dessen Liebe nun sein Alter mild schirmte . Unwillkührlich wurden seine Gedanken Worte , und er rief , indem er die Hand der Tochter drückte : Ja , er handelt gegen mich wie ein liebender Sohn ! Die Tochter verstand sein Gefühl und drückte einen Kuß auf die väterliche Hand . Wenige Tage , nachdem der Friede allgemein bekannt geworden war , erschien der Baron Löbau auf Schloß Hohenthal , um den Grafen , seinen Nachbar , wie er sagte , freundschaftlich zu besuchen . Man bemerkte aber bald , daß mit diesem Besuche noch eine Absicht verbunden sei , und daß er das Gespräch mannigfach wendete , um mit diplomatischer Feinheit seinem Zwecke näher zu rücken ; endlich äußerte er , da doch nun der Friede dem Lande wiedergeschenkt sei , so schiene es ihm passend , eine anständige Freude darüber zu bezeigen . Und aus welchem Grunde , fragte der Graf , kann uns dieser Friede erfreulich scheinen ? Einmal , sagte der Baron mit Verlegenheit , ist doch das Blutvergießen geendigt , und dann , theurer Graf , bester Nachbar , die Klugheit fordert es , daß wir uns erfreut darüber zeigen , daß wir unsern König behalten . Welcher preußische Unterthan , entgegnete der Graf , hat hierüber wohl ein anderes Gefühl , und welcher Mann von Ehre wird ein anderes bei uns voraussetzen ? Ganz gut , sagte der Baron mit wichtiger Miene , aber leider trifft man nicht auf lauter Männer von Ehre . Ich muß es sagen , ob es mich gleich schmerzt , man hat nur zu viel darüber gesprochen , daß Sie , mein bester Nachbar , ein heimlicher Anhänger der Franzosen wären , des guten Herren St. Julien wegen , der bei Ihnen im Hause lebt . Mir ist der Zusammenhang dieser Sache zu genau bekannt , ich habe also allenthalben widersprochen , überall Ihre Partei genommen , aber was ist die Folge davon gewesen ? Nichts anderes , als daß man mich für Ihren Mitschuldigen erklärt . Wir müssen also durchaus etwas thun , die Gemüther zu versöhnen , wenn uns diese Ansicht nicht höchst nachtheilig sein soll ; kurz , wir müssen ein Friedensfest veranstalten , zuerst mag dieß bei Ihnen geschehen , dann bei mir . Ich bin gern bereit , sagte der Graf mit Heftigkeit , alle meine Nachbaren und Freunde bei mir zu sehen , aber unmöglich kann ich sie unter dem Vorwande versammeln , als wolle ich mich mit ihnen über einen Frieden erfreuen , der mein Herz mit dem tiefsten Kummer erfüllt . Thun Sie es unter welchem Vorwande Sie wollen , sagte der Prediger , der zu der Gesellschaft hinzugekommen war , aber ich glaube selbst , daß es gut ist , wenn Sie sich Ihren Nachbarn mehr nähern , denn ich kann nicht läugnen , daß die nachtheiligen Gerüchte , welche der Herr Baron erwähnte , wirklich bestehen , und es ist das letzte Mittel , um zu zeigen , daß man nichts Verdächtiges in seinem Hause hegt , wenn man es einer großen Gesellschaft öffnet . Wenn es denn sein muß , sagte der Graf empfindlich , daß ich , um mich von Verdacht zu reinigen , meine Nachbarn bewirthe , so mag ein solches Reinigungsfest in des Himmels Namen stattfinden , ich will mich nicht weigern ; aber als Freudenfest wegen dieses Friedens will ich es nicht betrachtet wissen . Bedienen Sie sich eines andern Vorwandes , sagte der Prediger , man wird Ihnen auf jeden Fall dankbar sein , wenn Sie anfangen , die Gesellschaft wieder zu vereinigen , wodurch den Menschen ein Uebergangspunkt von der langen drückenden Traurigkeit während des Krieges zu neuer Heiterkeit gegeben wird . In einigen Tagen , sagte der Graf , fällt der Geburtstag der Gräfin ein ; ich werde also an diesem Tage ein Fest veranstalten , so gut es auf Hohenthal gehen will . Schön , sagte der Baron ; dabei kann auf jeden Fall unter Trompetenschall die Gesundheit des Königs getrunken werden , der Lärm , das Jubeln dabei muß so laut als möglich getrieben werden , um eine bedeutende Wirkung hervorzubringen . Bei mir bleibt es ein Friedensfest , ich beabsichtige damit Mancherlei , worüber ich mich jetzt noch nicht erklären kann . Mit schlauem Lächeln entfernte sich der Baron , nachdem er seine Absicht erreicht hatte . Der Graf hatte nur ungern nachgegeben , ihm schien es