Leben , und ich möchte auch lieber nicht mehr da sein . « Lieber Goethe , Du hast mich sehr hochgestellt , daß Du damals so köstliche Gefühle und Gesinnungen vor mir aussprachst . Es war zum erstenmal , daß jemand sein innerstes Herz vor mir aussprach , und Du warst es ! - Ja Du nahmst keinen Anstoß und ergabst Dich diesen Nachwehen in meiner Gegenwart ; und freilich hat Schiller auf mich gewirkt , denn er hat Dich zärtlich und weich gestimmt , daß Du lange an mir gelehnt bliebst und mich endlich fest an Dich drücktest ! Ich bin müde , ich habe geschrieben von halb drei bis jetzt gegen fünf Uhr ; heute wird ' s gar nicht hell werden - es hängen dicke Regenwolken am Himmel , da werden wir wohl warten bis Mittag , eh wir weiterfahren . Du solltest nur das Getümmel von Nebel sehen auf dem Rhein , und was an den einzelnen Felszacken hängt ! Wenn wir hier bleiben , dann schreib ich Dir mehr heute nachmittag , denn ich wollte Dir von Musik sagen , von Schiller und Dir , wie Ihr mit der zusammenhängt - das bohrt mir schon lange im Kopf . Ich bin müde , lieber Goethe , ich muß schlafen . Am Abend Ich bin sehr müde , lieber Freund , und würde Dir nicht schreiben , aber ich seh , daß diese Blätter auf dieser wunderlichen Kreuz- und Querreise sich zu etwas Ganzem bilden , und da will ich doch nicht versäumen , wenn auch nur in wenig Zeilen , das Bild des Tages festzuhalten : lauter Sturm und Wetter , abwechselnd ein einzelner Sonnenblick . Wir waren bis Mittag in St. Goarshausen geblieben , und haben den Rheinfels erstiegen ; meine Hände sind von Dornen geritzt , und meine Kniee zittern noch von der Anstrengung , denn ich war voran und wählte den kürzesten und steilsten Weg . Hier oben sieht es so feierlich und düster aus : eine Reihe nackter Felsen schieben sich gedrängt hintereinander hervor , mit Weingärten , Wäldern und alten Burgtrümmern gekrönt ; und so treten sie keck ins Flußbett dem Lauf des Rheins entgegen , der aus dem tiefen stillen See um den verzauberten Lurelei sich herumschwingt , über Felsschichten hinrauschend , schäumt , bullert , schwillt , gegen den Riff anschießt und den überbrausenden Zorn der schäumenden Fluten wie ein echter Zecher in sich hineintrinkt . Da oben sah ich bequem unter der schützenden Mauer des Rheinfels die Nachkommenden mit roten und grünen Parapluies mühsam den schlüpfrigen Pfad hinaufklettern , und da eben der Sonne letzter Hoffnungsstrahl verschwand und ein tüchtiger Guß dem Gebet um schön Wetter ein End machte , kehrte die naturliebende Gesellschaft beinah am Ziel verzagt wieder um , und ich blieb allein unter den gekrönten Häuptern . Wie beschreib ich Dir diese erlebte Stunde mit kurzem Wort treffend ? Kaum konnte ich Atem holen , - so streng und gewaltig . Ach , ich bin glücklich ! Die ganze Welt ist schön , und ich erleb ' alles für Dich . Ich sah still und einsam in die tobende Flut , die Riesengesichter der Felsen schüchterten mich ein ; ich getraute kaum den Blick zu heben ; - manche machen ' s zu arg , wie sie sich überhängen und mit dem düstern Gesträuch , das sich aus geborstener Wand hervordrängt ; die nackten Wurzeln , kaum vom Stein gehalten , die hängenden Zweige schwankend im reißenden Strom ; - es wurde so finster , - ich glaubte , heute könne nicht mehr Tag werden . Eben überlegte ich , ob mich die Wölfe heute nacht fressen würden , - da trat die Sonne hervor und umzog , mit Wolken kämpfend , die Höhen mit einem Feuerring . Die Waldkronen flammten , die Höhlen und Schluchten hauchten ein schauerliches Dunkelblau aus über den Fluß hin ; da spielten mannigfaltige Widerscheine auf den versteinerten Gaugrafen , und eine Schattenwelt umtanzte sie in flüchtigem Wechsel auf der bewegten Flut ; alles wankte , - ich mußte die Augen abwenden . Ich riß den Efeu von der Mauer herab und machte Kränze und schwang sie mit meinem Hakenstock , mit dem ich hinaufgeklettert war , weit in die Flut . Ach , ich sah sie kaum , - weg waren sie ! Gute Nacht ! - Am 27. Goethe , guten Morgen ! Ich war früh um vier Uhr bei den Salmenfischern und habe helfen lauern , denn sie meinen auch : » Im Trüben ist gut fischen « , aber es half nichts , es wurde keiner gefangen . Einen Karpfen hab ich losgekauft und Gott und Dir zu Ehren wieder in die Flut entlassen . Das Wetter will sich nicht aufklären ; eben schiffen wir über , um auf dem linken Ufer zu Wagen wieder nach Hause zu fahren , ich hätte gar zu gern noch ein paar Tage hier herumgekreuzt . An Bettine 3. August 1808 Ich muß ganz darauf verzichten , Dir zu antworten , liebe Bettine ; Du läßt ein ganzes Bilderbuch herrlicher , allerliebster Vorstellungen zierlich durch die Finger laufen ; man erkennt im Flug die Schätze , und man weiß , was man hat , noch eh man sich des Inhalts bemächtigen kann . Die besten Stunden benütze ich dazu , um näher mit ihnen vertraut zu werden , und ermutige mich , die elektrischen Schläge Deiner Begeistrungen auszuhalten . In diesem Augenblick hab ich kaum die erste Hälfte Deines Briefs gelesen und bin zu bewegt , um fortzufahren . Habe einstweilen Dank für alles ; verkünde ungestört und unbekümmert Deine Evangelien und Glaubensartikel von den Höhen des Rheins , und laß Deine Psalmen herabströmen zu mir und den Fischen ; wundre Dich aber nicht , daß ich , wie diese verstumme . Um eines bitte ich Dich : höre nicht auf , mir gern zu schreiben ; ich werde nie aufhören , Dich mit Lust zu lesen . Was