die Wirtin zum Goldenen Hirsch ihren Gast ; sie war ihm zwar nicht mehr so gewogen wie heute mittag , als er herrlich wie der junge Tag in ihre Trinkstube getreten war , aber dennoch konnte sie sich nicht verhehlen , als er beim Schein der Kienfackeln sich aufs Pferd schwang , daß sie nicht leicht einen schöneren Mann gesehen habe , und sie schärfte daher ihrem Knecht , der ihn begleitete , um so sorgfältiger ein , recht genau auf ihn achtzuhaben , weil es bei diesem Herrn » doch nicht ganz richtig im Kopfe sei « . Vor dem Tor von Pfullingen fragte der Knecht den nächtlichen Reiter , wohin er reiten wolle ; und auf seine Antwort » Nach Lichtenstein ! « schlug er einen Weg rechts ein , der zum Gebirge führte . Der junge Mann ritt schweigend durch die Nacht hin ; er sah nicht rechts , er sah nicht links , er sah nicht auf nach den Sternen , nicht hinaus in die Weite , seine gesenkten Blicke hafteten am Boden . Es war ihm wie damals , als ihn die Mörder am Wege niedergeschlagen hatten , seine Gedanken standen stille , er hoffte nicht mehr , er hatte zu leben , zu lieben und zu wünschen aufgehört . Und doch war ihm damals wohler gewesen , als ihm auf dem kühlen Teppich des Wiesentales , die Besinnung schwand , er war ja entschlummert mit dem erhebenden Gedanken an sie , und die erstarrenden Lippen hatten noch einmal einen süßen Namen ausgesprochen . Aber jetzt war die Leuchte verlöscht , die seinen Pfad durchs Leben erhellt hatte . Es war ihm , als habe er nur noch einen kurzen Weg im Dunkeln hinzugehen , und dann in lichteren Höhen als auf dem Lichtenstein seine Ruhe zu finden ; und unwillkürlich zuckte seine Rechte hie und da ans Schwert , als wolle er sich versichern , daß ihm dieser Gefährte wenigstens treu geblieben sei , als sei dies der gewichtige Schlüssel , der die Pforte sprengen sollte , die aus dem Dunkel zum Lichte führt . Der Wald hatte längst die Wanderer aufgenommen , steiler wurden die Pfade , und das Roß strebte mühsam unter der Last des Reiters und seiner Rüstung bergan ; doch der Reiter bemerkte es nicht . Die Nachtluft wehte kühler , und spielte mit den langen Haaren des Jünglings , er fühlte es nicht ; der Mond kam herauf und beleuchtete seinen Pfad , beleuchtete kühne Felsenmassen und die hohen , gewaltigen Eichen , unter welchen er hinzog , er sah es nicht ; unbemerkt von ihm , rauschte der Strom der Zeit an ihnen vorüber , Stunde um Stunde verging , ohne daß ihm der Weg lang bedünkte . Es war Mitternacht , als sie auf der höchsten Höhe ankamen . Sie traten heraus aus dem Wald , und getrennt durch eine weite Kluft von der übrigen Erde lag auf einem einzelnen , senkrecht aus der nächtlichen Tiefe aufsteigenden Felsen der Lichtenstein . Seine weißen Mauern , seine zackigten Felsen schimmerten im Mondlicht , es war , als schlummere das Schlößchen , abgeschieden von der Welt im tiefen Frieden der Einsamkeit . Der Ritter warf einen düsteren Blick dorthin und sprang ab . Er band das Pferd an einen Baum , und setzte sich auf einen bemoosten Stein , gegenüber von der Burg . Der Knecht stand erwartend , was sich weiter begeben werde , und fragte mehreremal vergeblich , ob er seines Dienstes jetzt entlassen sei ? » Wie weit ist ' s noch bis zum ersten Hahnenschrei ? « fragte endlich der stumme Mann auf dem Steine . » Zwei Stunden , Herr ! « war die Antwort des Knechtes . Der Ritter reichte ihm reichlichen Lohn für sein Geleite , und winkte ihm zu gehen . Er zögerte , als scheue er sich , den jungen Mann in diesem unglücklichen Zustand zu verlassen ; als aber jener ungeduldig seinen Wink wiederholte , entfernte er sich stille nur einmal noch sah er sich um , ehe er in den Wald eintrat , der schweigende Gast saß noch immer , die Stirne in die Hand gestützt , im Schatten einer Eiche , auf dem bemoosten Stein . - V Durch diese hohle Gasse muß er kommen , es führt kein andrer Weg nach Küßnacht - Hier Vollend ich ' s - die Gelegenheit ist günstig . Schiller Man hat zu allen Zeiten viel Schönes und Wahres über die Torheit der Eifersucht geschrieben , und dennoch sind die Menschen seit Urias ' Zeiten darin nicht weiser geworden . Leute von überaus kühler Konstitution werden zwar sagen , wenn jener berühmte jüdische Hauptmann nicht die Torheit begangen hätte , seine schöne junge Frau nur für sich allein haben zu wollen , oder gar auf den König David eifersüchtig zu werden , so wäre der berüchtigte Uriasbrief nie geschrieben worden , und besagter Hauptmann hätte es vielleicht noch weit im Dienste bringen können . Andere aber , denen die Natur heißes Blut und einen Stolz , ein Gefühl der Ehre gegeben hat , das durch Hintansetzung oder Treuebruch leicht aufgeregt und beleidigt wird , werden beim eintretenden Falle jenem unglücklichen Übel unterliegen , wenn sie auch mit allen Beweisgründen der kälteren Vernunft sich selbst die Torheit ihres Beginnens vorpredigen . Georg von Sturmfeder war nicht von so kühlem Blute , daß ihn die Nachricht , die er heute erhielt , nicht aus allen Schranken der Billigkeit und Mäßigung herausgejagt hätte ; er war überdies in einem Alter , wo zwar die offene Seele sich noch nicht daran gewöhnt hat , den Menschen a priori zu mißtrauen , wo aber ein solcher Fall um so überraschender ist , um so gefährlicher wirkt , eben weil das arglose Herz ihn nie gedacht hat . Da kocht das Gefühl der gekränkten Treue , da braust der Stolz auf , der sich beleidigt dünkt ; den prüfenden Verstand , der das Falsche vom Rechten zu