wie kommt sie nach Rom ? fragte man einstimmig , und wie lauschte ich , wie pochte mein Herz , endlich über das interessante Wesen etwas zu hören . Sie erzählte , wie sie in ... th Luisen kennengelernt , die damals durch ihr schönes Äußere , durch ihre Liebenswürdigkeit , ihren Verstand die ganze Stadt beschäftigt , ihre näheren Bekannten bezaubert habe . Um so auffallender sei auf einmal ein Liebeshandel gewesen , der sich zwischen einem Offizier , einem bürgerlichen Subjekt , und der Tochter des Geheimen Rats Palden entspann . Dieser Mensch habe außer seiner schönen Figur und einem blühenden Gesicht keine Vorzüge , nicht einmal gute Sitten gehabt . Dem Vater sei diese Geschichte zu ernstlich geworden , er habe den Offizier zu einem Regiment zu versetzen gewußt , das mit einem Teil der französischen Armee nach Spanien bestimmt war . Man habe sich in .... th allgemein gefreut über die Art , wie sich Fräulein Palden in diese Wendung fügte ; doch bald erfuhr man , daß die Verbindung mit dem Offizier nichts weniger als abgebrochen sei , sondern durch Armeekuriere und dergleichen , Briefe gewechselt werden . Es vergingen so beinahe zwei Jahre . Die Armee kehrte zurück , doch nicht mit ihr jener Offizier . Man sagte in Gesellschaften und in Luisens Nähe , er sei wegen einer Ehrensache aus dem Dienst getreten . Seine Kameraden schwiegen hartnäckig hierüber , doch gab es einige Stimmen im Publikum , die von einer vorteilhaften Heirat , andere , die von einer Entführung oder von beiden sprachen , kurz man bemerkte , daß Herr v .... , so hieß der Offizier , seiner Dame ungetreu geworden sei . Um diese Zeit starb der alte Herr von Palden . Seine erste Frau war eine Römerin , das Fräulein entschloß sich auf einmal , zu großer Verwunderung der Stadt .... th zu ihren Verwandten nach Rom zu ziehen . So viel wußte die Schwester des Gesandten von Luisen . Es war mir genug , um ihr Verhältnis zu ..... ganz in der Ordnung zu finden , nur war es mir unbegreiflich , was ihn bewogen haben könnte , nach Rom zu gehen ? oder kam er erst nach ihr hieher ? und warum heiraten sie sich nicht , da doch ihre Hand jetzt frei und von niemand abhängig ist ? Ich quälte mich mit diesen Gedanken . Ich hätte so gerne mehr und immer mehr von dem holden Kind erfahren ; ich fühlte lebhaft den Wunsch , sie wiederzusehen , zu sprechen ; ich wollte ja nicht geliebt werden , nur sehen , nur lieben wollte ich sie . Da fiel mir bei , wie ich dies so leicht möglich machen könnte . Ich durfte ja nur der Schwester des Gesandten sagen , wo sich Luise aufhalte , und dann konnte ich gewiß sein , sie schon in den nächsten Tagen im Hotel des Gesandten zu sehen . Ich tat dies , und mein Wunsch wurde erfüllt . « Ein Bekannter des Herrn von S. gesellte sich hier zu uns und unterbrach zu meinem großen Ärger die Erzählung . Ich machte noch einige Gänge mit ihnen unter den Arkaden ; als ich aber sah , daß der Bekannte sich nicht entfernen wolle , fragte ich den Berliner nach seiner Wohnung , und ging , mit dem Vorsatz , ihn am nächsten Morgen zu besuchen . Ich muß gestehen , ich fing an , die Geschichte des jungen Mannes weniger anziehend zu finden , weil sie mir in eine gewöhnliche Liebesgeschichte auszuarten schien . Doch zwei Umstände waren es , die mir von neuem wieder Interesse einflößten , und mich bestimmten seine Abenteuer zu hören . Ich erinnerte mich nämlich , wie überraschend sein Anblick , sein ganzes Wesen in Berlin auf mich gewirkt hatten . Es war nicht der gewöhnliche Kummer der Liebe , wie er sich bei jedem Amoroso vom Mühlendamm ausspricht , es war ein Gram , ein tieferes Leiden , das mir um so anziehender dünkte , als es nur ganz unmerklich und leise durch jene Hülle schimmerte , womit die gesellschaftlichen Formen die weinende Seele umgeben . Er schien ein Unglück zu kennen , zu teilen , das ihn unausgesetzt beschäftigte , zu welchem ihn die Erinnerung sogar mitten in einem ästhetischen Tee rettungsvoll zurückführte . Das zweite , was mich zu dem jungen Mann und seinem Abenteuer zog , war die Szene , die ich morgens vor der Peterskirche beobachtet hatte . Ich hatte dort bemerkt , daß er sie mit Sehnsucht erwarte ; sie war gekommen , aber es schien kein fröhliches Zusammentreffen . Sie schien ihn etwas mit ihren Blicken zu fragen , das er nicht beantworten , sie schien etwas zu verlangen , das er nicht erfüllen konnte ; wie schwer mußte es ihm werden , in der Ferne zu stehen , und dem holden Mädchen durch keine Silbe zu antworten , er ließ sie gehen wie sie gekommen : aber dann sandte er ihr Blicke voll zärtlicher Liebe nach . Warum sagte er ihr nicht auf der Stelle , wie er sie liebe ? Welche Gewalt mußte sie über ihn ausüben , um ihn in diese engen Schranken einer beinahe blöden Bescheidenheit zurückzuweisen ? Wieviel es sie koste , sah ich an ihrem Auge , in welchem eine Träne perlte , als sie weiterging . Diese Fragen drängten sich mir auf , als ich über den jungen Mann und die rätselhafte Dame nachdachte . Wo nicht ein blindes Fatum waltet , und ein Uhrwerk die Gedanken der Sterblichen treibt , da lernt keiner aus , sei er Gott oder Teufel , wohl sagt der Mensch , der kleinlich nur auf die Resultate seiner Geschichte sieht : » Es wiederholt sich alles im Leben . « Aber wie es sich wiederhole , wie der endliche Geist in seiner kurzen Spanne Zeit wächst und ringt und strebt , und gegen die alte Notwendigkeit ankämpft , das ist ein Schauspiel , das