die Pferde waren versorgt und die Kleidungsstücke zu rechter Stunde gereinigt ; aber der Herr war früher aufgestanden , und nichts wollte passen . Sodann gesellte sich noch ein anderer Umstand hinzu , um die Ungeduld und eine Art böser Laune des Majors zu vermehren . Sonst war ihm alles an sich und seinem Diener recht gewesen ; nun aber fand er sich , als er vor den Spiegel trat , nicht so , wie er zu sein wünschte . Einige graue Haare konnte er nicht leugnen , und von Runzeln schien sich auch etwas eingefunden zu haben . Er wischte und puderte mehr als sonst und mußte es doch zuletzt lassen , wie es sein konnte . Auch mit der Kleidung und ihrer Sauberkeit war er nicht zufrieden . Da sollten sich immer noch Fasern auf dem Rock und noch Staub auf den Stiefeln finden . Der Alte wußte nicht , was er sagen sollte , und war erstaunt , einen so veränderten Herrn vor sich zu sehen . Ungeachtet aller dieser Hindernisse war der Major schon früh genug im Garten . Hilarien , die er zu finden hoffte , fand er wirklich . Sie brachte ihm einen Blumenstrauß entgegen , und er hatte nicht den Mut , sie wie sonst zu küssen und an sein Herz zu drücken . Er befand sich in der angenehmsten Verlegenheit von der Welt und überließ sich seinen Gefühlen , ohne zu denken , wohin das führen könne . Die Baronin gleichfalls säumte nicht lange zu erscheinen , und indem sie ihrem Bruder ein Billet wies , das ihr eben ein Bote gebracht hatte , rief sie aus : » Du rätst nicht , wen uns dieses Blatt anzumelden kommt . « - » So entdecke es nur bald ! « versetzte der Major ; und er erfuhr , daß ein alter theatralischer Freund nicht weit von dem Gute vorbeireise und für einen Augenblick einzukehren gedenke . » Ich bin neugierig , ihn wiederzusehen « , sagte der Major ; » er ist kein Jüngling mehr , und ich höre , daß er noch immer die jungen Rollen spielt . « - » Er muß um zehn Jahre älter sein als du « , versetzte die Baronin . - » Ganz gewiß « , erwiderte der Major , » nach allem , was ich mich erinnere . « Es währte nicht lange , so trat ein munterer , wohlgebauter , gefälliger Mann herzu . Man stutzte einen Augenblick , als man sich wiedersah . Doch sehr bald erkannten sich die Freunde , und Erinnerungen aller Art belebten das Gespräch . Hierauf ging man zu Erzählungen , zu Fragen und zu Rechenschaft über ; man machte sich wechselsweise mit den gegenwärtigen Lagen bekannt und fühlte sich bald , als wäre man nie getrennt gewesen . Die geheime Geschichte sagt uns , daß dieser Mann in früherer Zeit , als ein sehr schöner und angenehmer Jüngling , einer vornehmen Dame zu gefallen das Glück oder Unglück gehabt habe ; daß er dadurch in große Verlegenheit und Gefahr geraten , woraus ihn der Major eben im Augenblick , als ihn das traurigste Schicksal bedrohte , glücklich herausriß . Ewig blieb er dankbar , dem Bruder sowohl als der Schwester ; denn diese hatte durch zeitige Warnung zur Vorsicht Anlaß gegeben . Einige Zeit vor Tische ließ man die Männer allein . Nicht ohne Bewunderung , ja gewissermaßen mit Erstaunen hatte der Major das äußere Behaben seines alten Freundes im ganzen und einzelnen betrachtet . Er schien gar nicht verändert zu sein , und es war kein Wunder , daß er noch immer als jugendlicher Liebhaber auf dem Theater erscheinen konnte . - » Du betrachtest mich aufmerksamer als billig ist « , sprach er endlich den Major an ; » ich fürchte sehr , du findest den Unterschied gegen vorige Zeit nur allzu groß . « - » Keineswegs « , versetzte der Major , » vielmehr bin ich voll Verwunderung , dein Aussehen frischer und jünger zu finden als das meine ; da ich doch weiß , daß du schon ein gemachter Mann warst , als ich , mit der Kühnheit eines wagehalsigen Gelbschnabels , dir in gewissen Verlegenheiten beistand . « - » Es ist deine Schuld « , versetzte der andere , » es ist die Schuld aller deinesgleichen ; und ob ihr schon darum nicht zu schelten seid , so seid ihr doch zu tadeln . Man denkt immer nur ans Notwendige ; man will sein und nicht scheinen . Das ist recht gut , solange man etwas ist . Wenn aber zuletzt das Sein mit dem Scheinen sich zu empfehlen anfängt und der Schein noch flüchtiger als das Sein ist , so merkt denn doch ein jeder , daß er nicht übel getan hätte , das Äußere über dem Innern nicht ganz zu vernachlässigen . « - » Du hast recht « , versetzte der Major und konnte sich fast eines Seufzers nicht enthalten . - » Vielleicht nicht ganz recht « , sagte der bejahrte Jüngling ; » denn freilich bei meinem Handwerke wäre es ganz unverzeihlich , wenn man das Äußere nicht so lange aufstutzen wollte , als nur möglich ist . Ihr andern aber habt Ursache , auf andere Dinge zu sehen , die bedeutender und nachhaltiger sind . « - » Doch gibt es Gelegenheiten « , sagte der Major , » wo man sich innerlich frisch fühlt und sein Äußeres auch gar zu gern wieder auffrischen möchte . « Da der Ankömmling die wahre Gemütslage des Majors nicht ahnen konnte , so nahm er diese Äußerung im Soldatensinne und ließ sich weitläufig darüber aus : wie viel beim Militär aufs Äußere ankomme und wie der Offizier , der so manches auf seine Kleidung zu wenden habe , doch auch einige Aufmerksamkeit auf Haut und Haare wenden könne . » Es ist zum Beispiel unverantwortlich « , fuhr er fort , » daß Eure Schläfe schon grau