da Fingerling sein Pferd in einen Wirtsstall gezogen und selbst einem Mittagsschlummer auf der Ofenbank sich ergeben hatte . Er gewann einen solchen Vorsprung , daß Fingerling ihn selbst dann nicht erreichte , als Kugler einen Handel über ein Paar Lämmer mit einem Bauer abschloß , die Lämmer über den Sattel band und nun doch etwas langsamer seinen Weg fortsetzte . Als er in Waiblingen angekommen , kümmerte er sich wenig um ein Wirtshaus , sondern ließ sich nach dem Hause des Bürgermeisters weisen , wo er wie ein Würgengel mit den Lämmern trabend einritt . Die alte Frau Hildegard trat auf den Lärmen an die Stiege , fragte ihn , was er wolle , und horchte auf seine Antwort sehr aufmerksam , konnte aber nicht klug daraus werden , so wenig war der Mann zur klaren Erzählung geeignet . Bald fragte er nach Berthold , ob ihm ein Unglück geschehen , bald schimpfte er auf ihn , daß er entwichen sei , bald machte er ihr als Mutter Vorwürfe , daß sie ihn nicht besser gezogen habe ; dabei bähten die Lämmer und Kuglers Hund zeigte den neugierigen Haushunden knurrend die Zähne . Nachdem diese Unverständlichkeit etwas gewährt hatte , so glaubte Frau Hildegard ihrem Hausrecht etwas zu vergeben , wenn sie sich von einem Fremden so etwas bieten lasse , sie fing also an , auf Meister Kuglers Pferd zu schimpfen , das ihr den eben gekehrten Torweg verunreinige , auch auf den Hund , der einen ihrer Lieblinge zu zausen Anstalt machte , zuletzt auf den Meister , der kein vernünftig Wort rede . Meister Kugler schonte auch nicht , weil er sich im Recht glaubte ; schon liefen die Leute aus der Schreibstube mit Knütteln herbei , als ein gellendes Jagdhorn durch die Unterhaltung schmetterte . Es war Fingerling , der sich diesen Spaß ausgesonnen hatte , um jeden Widerspruch der Alten mit seinem Jubel über das Geschehene zurück zu weisen und gleichsam die Sache mit Gloria zu verkünden . Der Lärmen schwieg und Fingerling stieg mit seligem Antlitze von seinem Rosse , als ob er eine Tasche voll Rosinen trüge , verkündete mit sehr abgemessener Sprache , vielleicht wohl gar in Reimen , den Turnierruhm , des Kaisers Gnade , die Verlobung Bertholds . Frau Hildegard schlug beide Hände zusammen , sie meinte den Alten wahnwitzig . Aber noch toller war ' s , als jene beiden in Streit gerieten , als Kugler von dem Berthold , als von einem verlornen Manne sprach , der auch wohl ein Ausreißer sein dürfte . Fingerling behandelte ihn als einen eifersüchtigen Toren , der dem ein Bein stellen wolle , der ihn aus beiden Sätteln gehoben , und das kränkte Kugler . Die Schreiberherren halfen dem schwächer gestimmten Fingerling durch ihr begleitendes Chor , die Dienstmägde , die Arbeiter drohten in ihrer Art , schon bissen die Hunde auf Kuglers Hund los und alles schien über Kugler herfallen zu wollen , als Berthold , dessen Wagenrollen niemand bei dem Schreien beachtet hatte , mit seinen beiden Reisegenossen mitten unter ihnen stand . Kugler wollte ihm gleich zu Leibe gehen , da sah er die beiden Begleiterinnen und erstarrte in Verlegenheit . Die Mutter wollte Berthold umarmen , da trat sie scheu zurück vor den beiden Frauen , die er ihr zuführte , alles war verlegen oder verwundert , nur nicht Fingerling , der aus seinem Jagdhorne die süßesten Töne herausdrückte , welche auch das Beißen der Hunde in der Art trennte , daß diese mit allen heulenden Tönen , ihre musikalische Beistimmung gaben . Alles zog sich während dieser Kunstgewalt ins Feierliche , Berthold küßte Frau Hildegard die Hand , auch Anna folgte seinem Beispiele , die Mutter begrüßte sie förmlich , worauf Frau Hildegard alle Zusammengehörigen in ihr Zimmer nötigte . Da geschah in Ordnung die Auseinandersetzung , bei welcher Frau Hildegard sich nicht enthalten konnte , so einige Worte von Verführung junger Leute zu sprechen , und wie sie zwar die Verheiratung des jungen Menschen immer gewünscht , aber sich doch jetzt nicht der Tränen erwehren könne , nun sie so unerwartet , ohne ihre Vermittelung erfolge , daß sie nun nicht mehr über seine Gesundheit im Schlafe wachen könne , nicht mehr ihr Bette neben das seine stellen dürfe . Ihr Argwohn gegen die fremden Frauen , die sie für Abenteuerinnen hielt , welche den Sohn künstlich beschwatzt hätten , verwandelte sich bald in Teilnahme und Rührung , als ihr Apollonia im Verfolg der Erzählung näher bekannt ward , von der sie sonst wie von einem Mädchen gesprochen hatte , zu der ihr Sohn nie aufblicken dürfe , und die nun nach so vielen ausgestandenen Leiden ihren ehemaligen Freund der Tochter abtreten müsse . Ihrem Gefühle nach sollten es sich alle noch überlegen , sie meine , der Sohn müsse Apollonien heiraten , das sei er ihr schuldig , mit ihr komme auch sein Alter überein . Der Vorschlag kränkte Annen und Frau Hildegard hatte Mühe , sie zu trösten , als sie ihr versicherte , daß sie auf den Vorschlag gar nicht bestehe . Der ehrliche Kugler fühlte sich bei der ganzen Sache am überflüssigsten , dachte deswegen auf eine Artigkeit , sich beliebt zu machen , und brachte die beiden Lämmer zum Geschenk , die schön weißgewaschen , wie sie waren , der Frau Hildegard so wohl gefielen , daß sie dieselben aufzuziehen beschloß . - » Wo mag damals in der Schreckensnacht mein Lamm geblieben sein ? « fragte Apollonia . - » Von diesem Lamm stammt eine Herde « , sagte Berthold , » die sich jährlich auf dem Hofe vor der Stadt vermehrt und die feinste Wolle im ganzen Lande trägt . Lernt mich in meiner Treue gegen Tiere kennen , auf jenen Bäumen brüten jährlich und werden von mir gefüttert die Abkömmlinge der Elster , welche mir diese Baustelle zeigte . « Das gab Veranlassung , die Fremden umher zu führen , ihnen die Zimmer zu zeigen , die