, Cesario ohne ein ängstigendes Gefühl zu betrachten , das vergebens einen bestimmten Eindruck aufsuchte und sich dennoch nicht gleichgültig abwenden konnte . Was sie indeß störte , zog Emilien um so bestimmter an . Ihr kleines Herz ließ sich gern von den neckenden Widersprüchen hin und her werfen . Der Wechsel war ihr rechtes Lebenselement , dem sie freudig Ruhe , häuslichen Frieden , ja selbst den äußren Anstand , aufopferte . Ihre eigenste Natur schien sich in dem Umgange mit Cesario nur erst recht zu entwickeln . Wie ihre zarte , biegsame Gestalt und die Weichheit und Rundung ihrer Bewegungen sie zu seiner steten Gefährtin bei Spielen und Tänzen machte , so fügte sie sich mit der gleichen Leichtigkeit in die scharfen Uebergänge seiner jedesmaligen Stimmung . Ja , sie theilte nicht etwa nur seine Schmerzen und Freuden , sie nahm sie ganz in sich auf , und empfand sie völlig und innig wie er . Stein trug ein klares Bild von Emilien in seiner Brust . Er konnte es sich nicht bergen , wie viel ihr alles Neue , wie wenig er ihr war . Allein die Liebe zu ihr lähmte jeden kräftigen Entschluß . Er weilte in ihrer Nähe , sich überredend , er hoffe auf irgend eine günstige Veränderung ; was überall wandelbar sei , könne sich ja auch zu ihm wenden , und vielleicht sei dann der bunte Kreislauf vollendet , und das Bleibende erzeuge sich von selbst . Dennoch wagte er es nicht , eine festere Verbindung für den Augenblick zu wünschen , ja er rückte den Gedanken daran in die bessere Zukunft hinaus , an die er nicht glauben , auf die er nicht hoffen konnte . So hielt er sich in einem selbst geschürzten Netz gefangen , erwartend und verzweifelnd , mit wundem Herzen und überreiztem Gemüth , das nur einer bestimmten Veranlassung bedurfte , um alle verhaltne Bitterkeit gegen den überlästigen Cesario auszuströmen . Bei weitem ruhiger schien der Maler Emiliens doppelte Treulosigkeit anzusehn . Für den Winter in die Residenz zurückgekehrt , lebte er allein der Kunst , wenig bekümmert um irgend etwas außer ihr . Allein Werners geschärfter , mehr spürender als forschender Blick , der jedes , was er im Laufe des Lebens irgendwo berührte , wieder anfassen und an sich ziehn mußte , hatte ihn in seiner Stille aufgefunden . Er drängte sich an ihn , und führte ihn , unter mehrern Bekannten , auch zu Augusten . Hier hatte Luise öfters Gelegenheit , den Gleichmuth des jungen Künstlers zu bewundern , da niemand , außer ihr , mit seinen Verhältnissen bekannt , es vermied , über Emilien und ihre Verirrungen zu reden . Selbst Auguste schonte ihrer Freundin so wenig , daß sie sich lachend über den Spott des Schicksals ausließ , welches gewollt , daß ein unbärtiger Knabe das Gewebe der klugen Sybille höchst keck zerreiße , und sie zwinge , das Töchterchen in die Arme des ungekannten Fremdlings zu legen , um dem lästigen Gerede Einhalt zu thun . Der Maler schwieg meist ohne ein Zeichen besondrer Theilnahme ; nur diesmal erwiederte er : dahin wird es nicht kommen . Sein Sie versichert , Emilie täuscht sich , und muß in Kurzem selbst davon überzeugt werden . Er sagte das sehr gefaßt , und mit einer Zuversicht , die Werners Aufmerksamkeit erregte . Allein da er sogleich wieder abbrach , so ließen auch die Andren das Gespräch fallen , ohne daß es zu einer nähern Erörterung kam . Wenn Luise die Menschen um sich her , in ihren verschiednen Beziehungen zu einander , betrachtete , und dann auf sich selbst zurücksah , so mußte sie oft erstaunen , wie ganz anders , milder , verwandter , ihr alle erschienen . Recht wie Gestalten , die uns am Vorabend , bei hereinbrechender Nacht , mit unheimlichen Schauern erfüllten , und nun am vollen Tage klar und befreundet auf uns zutreten . Was sie sonst erschreckte und die innre Unsicherheit mehrte , fiel , wie von selbst , von dem vielen Guten und Erfreulichen ab , was sie wohlthuend zu der Welt zog und den Frieden mit ihr begründete . Selbst mit Werner war sie im Herzen versöhnt , seit sie ihm auf keine Weise scheuen durfte . Cesario allein ließ sie niemals frei von jener früher empfundnen Bangigkeit deren sie , mit aller Anstrengung , nicht Herr werden könnte . Als sie sich einmal recht lebhaft dieser Schwäche schämte , da erinnerte sie sich , wie leicht ein geheim gehaltenes Gefühl dem schönsten Verhältniß Gefahr drohe , und wie wohl größeres Vertrauen ihr und Julius Glück gesichert hätte . Sie konnte nicht anstehn , in des Freundes treue Brust die letzte , kleine Sorge niederzulegen . Dennoch geschah es nicht ohne einige Verlegenheit , daß sie ihrer frühesten Bekanntschaft mit Cesario und des belauschten Selbstgesprächs im Gasthofe gegen den Obristen gedachte . Seitdem , fuhr sie mit gesenkten Augen fort , befällt mich eine Unruhe , so oft ich ihn sehe , die jene zurückruft , weiche lange das Unglück meines Lebens machte . Der Obrist hatte ihre Hand gefaßt , und sahe mit leutseligem Ernst in ihr anmuthig verschämtes Gesicht . Meine Luise , sagte er , es ist ja dies ihr eigenthümliches Wesen , daß Sie niemand in Ungewißheit über sich lassen können , als den , der sich selbst täuscht . Sie sagen mir daher nichts Neues . Ich habe Sie immer verstanden . Wie sollte es mir entgangen sein , daß Ihnen Cesario , durch irgend eine innre Ideenverbindung , Fernandos Bild zurückwirft . Ich möchte Sie beruhigen können , wenn ich Ihnen sage , daß die Unklarheit der Erscheinung es ist , welche den trüben Eindruck erzeugt . Offenbar ist etwas da , was Sie anspricht , aber Sie wissen es weder in noch außer sich in einem bestimmten Zusammenhang zu denken . Es steht losgerissen da , und schwankt nach den entgegengesetztesten Richtungen . Das ist es ,