. Sollst uns Karten legen , schmeichelte jetzt der Blinde , Bube und Dame ... Hörst du ? Urschel , mach ' auf ! Louis faßte sich ein Herz und beschloß eine List zu wagen . Er setzte voraus , daß sie ihn noch nicht gesehen . Wir kommen vom Fürsten Egon von Hohenberg , sagte er , dem dieser Wald , das Haus gehört . Dies ist ein alter Stallmeister . Wir haben zwei Pferde , die an der Huffäule leiden . Wir wissen , daß Ihr alle Krankheiten der Thiere versteht . Sagt uns ein Mittel , das gut ist gegen die Huffäule ! Der Fürst wird ' s bezahlen . Damit zog er die Börse und klimperte . Die Alte lachte hämisch , kniff die Augen zusammen und sprach , den Oberleib vorstreckend , als wollte sie Louis bis in ' s innerste Herz sehen : Schießt sie todt ! Dann wollte sie die Hausthür zuschlagen . Darauf war aber der Blinde in andrer Art jetzt schon vorbereitet . Mit dem linken Fuße seines herkulischen Körpers die Thür zurückstemmend , hieb er mit dem rasch hervorgezogenen Hammer so heftig auf die strammgezogene Kette , daß diese klirrend auseinandersprang und die Thür krachend an die innere Wand flog . Die Alte schrie wie ein getroffener Vogel und flüchtete sich . Eben sicher , keck und höhnisch wurde sie plötzlich über die Maßen furchtsam , wimmerte und drückte sich an den Ofen des Zimmers , in das sie hineinflüchtete , wie ein gutgezogener Hund , der sich vor seinem Herrn mit bösem Gewissen fürchtet . Louis und Murray folgten entsetzt dem sie zornig verfolgenden Blinden , der nach der Gegend hin , wo er die Schwester vermuthete , drohend den Hammer schwang und ihr alle möglichen Verwünschungen und Plagen androhte für den tückischen Tag , den sie heut ' einmal wieder zu haben schiene . Wenn ich komme ! lärmte er . Bin ich ein Strauchdieb ? Komm ' ich mit Buschkleppern ? Satan du ! Rühr ' dich oder ich treff dich ! Von Murray ' s Brust löste sich ein gepreßter Seufzer . Dicht an der Thür glitt er auf einen Sessel . Er war gewiß , daß ihn diese irrsinnige Alte nicht wieder erkennen würde . Es war seine Schwester ! Dieselbe Ursula , die Abschied von ihm genommen , als er in seinen Todeskerker geführt wurde ! Dieselbe Ursula , der er die Pflege eines Kindes übertrug , das ihn an seine schuldvolle Vergangenheit , wie den Verbrecher der Ring an den Pranger fesselte ! Hier komm her , herrschte der Blinde , hier mach ' Mores ! Hopp ! Dahin ! Wo bist du ? Gib die Hand , Urschel ! Er langte nach ihr . Sie jammerte aber , der Schmied wolle ihr etwas zu Leide thun ... Louis warf einen traurigen Blick auf Murray , der so viel sagen sollte , als : Hier ist schwer , auf begründete Thatsachen kommen ! Hier gilt es , Geduld haben . Mach ' den Herren dein Compliment ! sagte der Blinde . Das ist der Herr Stallmeister , das ein Cavalier vom Fürsten . Wirst doch wissen , wie Doktor Lehmann die Huffäule kurirte ? Du hast ja Doktor Lehmann ' s Bücher . Hol ' sie ! Da im Schrank liegen sie ... Die Alte faßte jetzt etwas Muth und wagte sich vor . Wo ist der Schlüssel ? Sie schüttelte den Kopf . Wo ist der Schlüssel ? Louis merkte , daß ihm Ursula winkte . Er trat näher . Sie flüsterte ihm in ' s Ohr : Ich geb ' ihm meinen Schlüssel nicht , wenn er allein kommt . Wie das Geld aus Amerika kam , kam er auch allein . Da mach ' ich nicht auf . Sein Junge muß Zeuge sein . Was sagt sie da ? fragte Zeck . Bleibt da , sagte Louis entschlossen und führte Zeck an das Fenster der schon dunkelnden kleinen Stube zurück . Bleibt ruhig ! Eure Schwester wird uns Alles sagen . Herr , fuhr Ursula fort . Er hat nichts Gutes vor , wenn er allein kommt . Er ist schon öfters allein durch den Wald geschlichen ... Kommt er denn jetzt allein , gute Frau ? sagte Louis . Wir sind ja unsrer zwei mit ihm und Eure Freunde . Aber Ihr hört ' s ja , er will den Schlüssel haben ! Murray merkte aus diesen Worten bald , daß Ursula noch so viel klare Gedanken hatte , um vor Jakob Zeck ' s Habgier sich sicher zu stellen . Er gedachte seines Geldes , das ohne Zweifel Veranlassung dieses Mistrauens war . Louis folgte mit großer Geistesgegenwart der gleichen Betrachtung und sagte : Das ist recht , Frau Marzahn , daß Ihr Euer Geld verschließt . Ihr müßt reich sein . Aber gabt Ihr denn die dreitausend Thaler , die Ihr einst für das Kind Eures Bruders , der in Amerika gestorben ist , empfangen habt , nicht auf Zinsen ? Ursula stierte ihn auf diese Worte mit großen Augen an . Ach , Herr , sagte der Blinde , die dreitausend Thaler legte sie bei Marzahn ' s Leber an . Das Geld zehrte all der Durst weg . Die Alte verstand diese Bemerkung , lachte und erhob sich jetzt , ihren Gästen etwas vorzusetzen . Ihr Herren , sagte sie , wollt Ihr trinken ? Da , sagte Zeck , nun hat sie ' s ! So ging ' s früher ! Juchhei ! Flotte Wirthschaft ! Die und dreitausend Thaler ! An Die hat sie ' s hinausgeworfen , die ihr sagten , daß sie hübsch war . Zehn haben sie heirathen wollen und Jeder zog sie nur aus , bis sie nichts hatte und ihren armen blinden Bruder hätte sie verhungern sehen können ... Wollt Ihr trinken , Jungen ? fragte Ursula wieder mit schelmischer Lüsternheit . Louis schüttelte den Kopf . Er