sich gaben , zeigte sich doch die Verwandtschaft . Unter Graf Heinrichs vielen und sich immer ablösenden Passionen war eine Zeitlang auch die landwirtschaftliche , der er sich hingab , ohne nach Wissen und Erfahrung oder auch nur nach wirklicher Neigung ein Landwirt zu sein . Immer wollt ' er kaufen und meliorieren , am liebsten aber Wunder tun , und verfiel dabei regelmäßig in bloße Skurrilitäten , auch wenn er ausnahmsweise leidlich verständig begonnen hatte . Nur ein Beispiel . Unter den ihm verbliebenen Besitzungen war auch ein Gut in der Neumark , auf dem er – wohl infolge von Anregungen , wie sie gerade damals durch Thaer und Koppe gegeben wurden – eine Förderung der Schafzucht und vor allem die Beseitigung der sogenannten Drehkrankheit erstrebte . Diese wegzuschaffen , war er nicht bloß ernst und fest entschlossen , sondern lebte zuletzt auch des Glaubens , ein wirkliches Präservativ gegen dieselbe gefunden zu haben . Er gab zu diesem Behufe , so heißt es , allen Schafen täglich drei Hoffmannstropfen auf Zucker und ließ ihnen rote Leibchen und ebensolche Mützen machen , um sie gegen Erkältung und namentlich gegen » Kopfkolik « zu schützen . Er war in allem apart , und apart wie sein Leben gewesen war , war denn endlich auch sein zu Kaputh , bei General von Thümen erfolgender Tod . Im Gefolge seiner vielen Passionen befand sich auch die Badepassion , die bei jemandem , der von Jugend auf über einen zu heißen Kopf geklagt und als Knabe schon nichts Schöneres gekannt hatte , als » unter die Tülle gestellt zu werden « , nicht groß überraschen konnte . Von Mai bis Oktober , ob die Sonne stach oder nicht , schwamm er , der inzwischen ein hoher Sechziger geworden war , in der Havel umher , und freute sich der ihn erlabenden Kühle . Mal aber geriet er ins Binsengestrüpp , und als er über Mittag nicht kam und man zuletzt mit Fackeln nach ihm suchte , fand man ihn , in fast gespenstischer Weise , den Körper im Moor und nur Kinn und Kopf über dem seichten Wasser . Er wurde den dritten Tag danach auf dem Kirchhofe zu Kaputh begraben und sein Tod hatte noch einmal eine Teilnahme geweckt , die seinem Leben seit lange gefehlt hatte . Graf Leo Schlabrendorf Das war 1829 . Schon sieben Jahre vorher ( 1822 ) war das zu Beginn des Jahrhunderts veräußerte Gröben abermals an einen Schlabrendorf übergegangen und zwar an Graf Heinrichs einzigen Sohn : den Grafen Leopold von Schlabrendorf . Graf Leopold , oder Graf » Leo « , wie man ihn in Gröben in üblicher Abkürzung nannte , war um das Jahr 1794 geboren worden , und zwar unter Vorgängen , die nicht bloß charakteristisch an sich , sondern auch in gewissem Sinne maßgebend für den Gang seines ganzen Lebens waren . Er , Graf Leo , wies oft auf diese Vorgänge hin , und der von ihm allezeit mit Vorliebe wiederholte Satz : » Ich bin für Gröben bestimmt « schrieb sich von diesem seinem Geburtstage her . Es hatte damit folgende Bewandtnis . Als nämlich die Zeit herangekommen war , daß die Gräfin eines Knäbleins genesen sollte ( denn auf einen Stammhalter wurde mit Sicherheit gerechnet ) und sogar das Dorforakel , die » Treutschen « , in aller Bestimmtheit erklärt hatte : » es daure keine Woche mehr « , befahl Graf Heinrich das Erscheinen der Staatskutsche , nicht ganz unrichtig davon ausgehend , daß ein junger Graf Schlabrendorf unmöglich anders als unter Assistenz des Leibmedikus und berühmten alten Entbindungsdoktors Dr. Ribke geboren werden könne . Die Gräfin war es zufrieden und schon zwei Stunden später erschien die Kutsche ganz in dem früher beschriebenen Aufzuge : zwei Heiducken auf dem Wagentritt und ein Läufer in Gala vorauf . Und so ging es auf Groß-Beeren zu . Bevor aber dieses Dorf , das erst ein Drittel des Weges war , erreicht werden konnte , versicherte die Gräfin schon : » es gehe nicht weiter « , auf welche nur allzu glaubhafte Versicherung hin der Wagen gewandt und der Läufer unter Zusicherung eines doppelten Wochenlohnes angewiesen wurde : » Citissime nach Gröben zurückzukehren , um daselbst die nunmehr wohl oder übel an die Stelle des alten Dr. Ribke tretende › Treutschen ‹ ins Herrenhaus zu befehlen . « Und wirklich das heimische Dorf wurde noch gerad ' ohne Zwischenfall erreicht ; aber kaum daß die Heiducken abgesprungen und die Teppiche vom Wagen aus bis zum Portale gelegt worden waren , so war auch schon die Stunde gekommen und in dem dicht am Eingange gelegenen Wohn- und Arbeitszimmer des Grafen , in das man die Gräfin nur eben noch hatte schaffen können , genas sie wirklich eines Knäbleins , des Grafen Leo , des erwarteten Schlabrendorfschen Stammhalters . Es hatte nicht in Berlin sein sollen ; » er war für Gröben bestimmt « . Über seine Kindheit verlautet nichts , auch nichts über seine Knaben- und Jünglingsjahre ; sehr wahrscheinlich , daß er vorwiegend unter Zutun seiner Mutter – die trotz ihrer zweiten Ehe den Kindern aus der ersten eine große Zärtlichkeit und Treue bewies – in Pension kam und nach absolvierter Schulzeit in juristisch-kameralistische Studien eintrat . Aber ehe er diese vollenden konnte , kam der Krieg und bot ihm Veranlassung als Volontär bei den Towarczys einzutreten , einem Ulanenregiment , das vielleicht noch aus den Tagen der » alten Armee « her diesen etwas obsoleten und nur in den neunziger Jahren unter General Günther ( der der » Vater der Towarczys « hieß ) vielgenannten Namen führte . Nach dem Kriege begegnen wir ihm alsbald als Regierungsassessor in Trier , wo das durch Gastlichkeit und Feinheit der Sitte sich hervortuende Haus des Generals von Ryssel 50 ihn anzog , am meisten aber des Generals Tochter , Fräulein Emilie von Ryssel , mir der er sich denn auch , nach kurzem Brautstand , im Sommer 1820 , vermählte . Zwei Jahre