von Montalto ab und nahm den der Fulvia Maldachini an ... Von Rom kam ich erst nach Parma ... Von dort nach Mailand , von Mailand nach Paris , von Paris nach Kassel ... Ich kannte diese ganze dortige fremde Welt nicht und verachtete sie zu sehr ... Meine einzige Umgebung war eine alte Römerin , die mich singen gelehrt hatte ... Sie war halb erblindet , erschien aber durch ihre Manieren wohl geeignet , meine Duenna vorzustellen ... Auch sie verstand die Welt nicht , in der wir mit Anstand lebten ... Ich genoß die größten Auszeichnungen und hatte selbst die List des Königs zu fürchten ... Ich war tugendhaft , mein Sohn ! ... Ich war es vielleicht nur - aus Stolz ... Den Freiherrn erhörte ich erst , als er mir die heimliche Ehe anbot und ich sie vor Gott , einem Pfarrer oder dessen Substituten und mehr als zwei Zeugen , die hingereicht hätten , richtig geschlossen glaubte ... Meine Entbindung von dir fiel in die Zeit der Ferien an unserer Bühne ... Ich genas in einer der kleinen Meiereien , die zu den Besitzungen deines Vaters gehörten ... Eine Bäuerin nährte dich ... Noch war deine Geburt eines Familienstatuts wegen zu verbergen ... Aber du hattest meine ganze Liebe ... Nie konnte ich dich in den schmuzigen Umgebungen wie ein Bauernkind sehen , ohne nicht sofort mit deinem Vater die ernstesten Kämpfe über die endliche Enthüllung unsers Geheimnisses zu beginnen ... Anfangs erfolgten die Beschwichtigungen in Güte ... Die spätere Wendung erzählte ich dir ... Wäre ich nicht von den Pflichten meines Berufs , den ich liebte und den ich so viele Meilen von Neuhof entfernt ausübte , gebunden gewesen , ich hätte so lange mein Geheimniß nicht bewahren können ... Als ich endlich den Betrug durchschaute , übertrug ich meinen Haß auch auf meine Kinder ... Und ich sag ' es dir , Cäsar , ich würde dich und Angiolina nie anerkannt haben ohne diese heutige Wendung des Geschicks , die mir so schreckhaft sagte : Die Rache lasse der Mensch dem Himmel ! ... Oft befiel mich melancholische Sehnsucht nach den beiden Wesen , die ich unterm Herzen getragen ... Einmal - ja , da war ich nahe daran , mich zu entdecken , als jener Pater Stanislaus , den du kennst - ... Wenzel von Terschka - ... Nach Deutschland reiste und sich mir empfahl ... Ich lebte jedoch schon damals in Verhältnissen , die mir die Festhaltung meiner Stellung als Herzogin von Amarillas zur unbedingtesten Pflicht machten ... Und noch - jetzt , mein Sohn - ... Die Erzählerin stockte und wandte sich ab ... Benno glaubte die Beschämung zu sehen , die Anstand zu nehmen schien , von Cardinal Ceccone , ihrer dritten Verbindung , zu sprechen ... Ein unendliches Weh legte sich auf sein Herz ... Mein Sohn , sprach die Herzogin , seine Gedanken errathend ... Wenn Cardinal Ceccone in allem so heilig wäre , wie in seinem Verhältniß zu mir , so würde man ihn nach seinem Tode kanonisiren ... Eher kannst du in Rom hören , daß - - Ceccone wie Papst Alexander Borgia seine eigene Tochter liebt , als das Wort - die Herzogin von Amarillas stünde in einer nähern Verbindung mit ihm , als der , die Duenna seiner - » Nichte « zu sein ... Mein Sohn , du siehst mich hier mit vier Pferden fahren , Bediente umringen mich , ein römischer Principe reicht mir den Arm , um mich in die kaiserlichen Theater zu führen , in die Loge des mächtigsten Staatsmannes der Welt - ich bin nichts weiter als eine Gouvernante ... Benno ergriff gerührt die Hand der Mutter und sah in ihre umflorten Augen ... Unter unsern Cardinälen , fuhr sie mit schmerzlichem Lächeln fort , gibt es einige , die wohl verdienen , Muster der Christenheit genannt zu werden ... Ihre Zahl ist nicht groß ... Die übrigen theilen sich in zwei Klassen ... In solche , die die Gelübde aus Indolenz halten , und solche , die die Natur nicht betrügen können ... Alle aber , selbst die letztern bewahren den Anstand ... Saltem caute ! ist unsere römische Devise ... Um die immer prüfend und lauernd auf sie gerichteten Blicke der Menschen , namentlich der Priester , zu zerstreuen , zeigen die Cardinäle sich absichtlich ganz weltlich , leichtsinnig , gesellschaftsbedürftig und doch nicht anstößig . Das ist , wie die Frauen im Cicisbeat einen Deckmantel für eine in ganz anderer Sphäre versteckte Leidenschaft haben ... Jeder Gatte läßt seine Gemahlin ruhig mit dem Cicisbeo gehen ... Dieser ist der Freund des Hauses , der Freund des Mannes , der Beschützer der Frau , deren anderweitige Verhältnisse am wenigsten der Cicisbeo kennt ... So haben auch die Cardinäle ein Haus , an das sie attachirt sind , wo sie Audienzen geben , wo sie sich ausruhen , Whist spielen und wirklich , wenn auch mit den leichtesten Formen , die Tugend und Entsagung selbst sind ... Das weiß in Rom jedermann ... Cardinal Ceccone kann nach seinen Arbeiten in der Sacra Consulta nicht anderswo sich erholen , als bei der Herzogin von Amarillas , wo es hergehen würde so still und fromm , wie im Kloster von Camalduli , wenn nicht Olympia mit den Jahren immer gefahrvoller sich entwickelt hätte - Cäsar ! - unterbrach sich die Sprecherin und betrachtete Benno mit einer Mischung von Staunen und Schrecken - wie nur war es möglich , daß gerade du , du mein Sohn , Cäsar von Wittekind , es sein mußtest , der - ... Doch - fuhr sie plötzlich auf - fliehe Olympia ! Sie zerreißt , was sie liebt ! ... Benno gerieth in die größte Verwirrung ... Seine Ueberzeugung , daß er in Wien seit dieser Stunde nichts mehr zu vollbringen oder abzuwarten hätte , mehrte sich ... Die Mutter fuhr fort : Ich bin nicht die einzige Herzogin , lieber Sohn , die