, wie er diesen Namen führen konnte - Ihr wißt nicht - sagte der Blinde zweifelnd . Ich weiß nur , daß er todt ist und seinem Sohn eine Erbschaft hinterließ ... wie alt wurde das Kind ? Zeck war durch den Dritten eingeschüchtert . Er antwortete nur vor sich herbrummend und meinte zuletzt : Wir müssen am Forsthause sein - Laßt ' s Euch von der Ursula selbst sagen , aber die Erbschaft kommt doch wohl - ist sie groß ? Sie standen an der Wiese , die durch den Nachtfrost ihre Frische verloren hatte und in das welke , fahle Wintergrau überging . Wir kommen zum Kaffee , sagte Louis scherzend , um Zeck wieder mehr Muth zu machen , der Schornstein raucht . Wenn sie nur den Satz nicht verschüttet , daß wir noch unser Schicksal hören können . Der Blinde antwortete nicht . Er war so mistrauisch geworden , daß er sich immer nach Murray umwandte und wol gar zu glauben schien , er befände sich auf einem falschen Wege , man hätte ihn irre geführt . Warum wollte Marzahn Eure Schwester nicht heirathen ? fragte Louis dringend . Murray ' n brannte es auf der Zunge zu sagen : Hielt der Soldat vielleicht das Kind für das Kind Ursula ' s ? Er mußte sich gewaltsam zurückhalten , diese Vermuthung auszusprechen . Louis verstand seine Aufregung und wiederholte seine Frage . Allein Zeck antwortete nicht mehr , sondern verwies auf seine Schwester , indem er Louis nochmals darauf aufmerksam machte , daß er auf eine gesetzte , vernünftige Unterhaltung bei ihr nicht rechnen dürfe , sondern sehen müsse , wie er Alles , was er zu wissen wünsche , von ihr herausbekäme . Vielleicht hat sie ihre gute Laune , sagte er , und wenn sie Kaffee kocht , ist sie nicht schlimm , nur manchmal grob . Mit diesem Troste näherte man sich dem Hause , dessen Inneres durch das Gebell der Hunde lebendig wurde . An die Möglichkeit , daß Ursula Murray erkennen könnte , dachte man für den Fall nicht , daß sich dieser bescheiden zurückhielt . Murray zog die Binde fast über das ganze Gesicht und hielt sich gebückter und älter als je . Als Louis öffnen wollte , ging die Thür nur am Schlosse auf , nicht ganz in der Angel . Sie war durch eine Kette gehemmt . Aber sie klingelte . Alles Dies war Louis neu . Für Fränzchen hatte die Alte die Kette und die Klingel abgenommen . Entweder gönnte sie dem Mädchen geringere Sicherheit oder sie wollte in ihrer Zurückgezogenheit oben nicht an den Verkehr des Hauses erinnert werden . Wer da ? rief eine heisere Stimme von oben herab . Zeck rüttelte am Drücker der Pforte und schlug dann mit dem Hammer dreimal an die hölzerne Füllung . Nun , nun ! hieß es oben , wo der Schmied erkannt wurde . Was soll ' s denn ? Willst du sehen , Jakob , ob wir noch nicht im Kehrichtfaß liegen ? Sie ist vernünftig ! flüsterte der Blinde . Gott sei Dank ! sagte Louis und wartete mit Spannung auf das Erscheinen der Frau , von der ihm Franziska so viel Schlimmes erzählt hatte und von der er durch Murray und Zeck zu viel wußte , um nicht dem Verdachte Raum zu geben , daß sie im Stande gewesen wäre , Franziska aus diesem Hause auch durch irgend eine Frevelthat zu entfernen . Die Alte stand auf der Hausflur , öffnete aber die Thür nicht . Louis sah eine große hagere Gestalt zwischen der Thürspalte erscheinen mit rothumwundenen Kopfe und scharfen spitzen Gesichtszügen , dunklen habichtsartigen Augen . Der Mund hatte nur noch vorn einige Zähne , die nicht aufeinander schlossen . Der Blick war unheimlich , menschenfeindlich , schielend ohne eigentlich falsch zu sein . Ein rothgelbes ostindisches Tuch war über die Brust geschlagen , der kattunene Rock schien sauber und war heute zur Feier der Wiedereinsetzung in die alten Rechte wohl neugewaschen aus dem Schranke genommen . Mach ' auf , Urschel ! sagte der Blinde . Kriegst Besuch ! Hast noch Kaffee übrig ? Die Alte antwortete nicht , sondern spähte mit stechenden Augen durch die Thür . Louis , der fast hätte annehmen sollen , daß sie ihn doch wohl schon von oben beobachtet hätte , grüßte freundlich . Murray trat auf die Seite , sodaß er noch nicht gesehen werden konnte . Mach ' auf , mach ' auf ! sagte der ungeduldige Blinde . Kriegst einen schönen Gruß aus Amerika , Urschel ! Wieder so einen , wie im Sommer ... Kling ! Kling ! Mach ' auf ! Die Alte stierte hinaus und schien ihres Bruders tauben Sohn zu suchen . Ihr Blick war der einer Irren . Louis fühlte , wie grauenhaft es Franziska hatte sein müssen , mit einem solchen Weibe unter einem Dache allein zu sein . Er verstand den Entsetzensschrei , den Franziska vorgestern ausstoßen mußte . Mach ' auf ! Alte Hexe ! rief der Blinde , der jetzt vor Ungeduld und Gewinnsucht zornig wurde . Hast wol den Teufel zum Besuch bei dir ? Oder was läß ' st du mich und die Herren da stehen ... Sollst Spaß erleben . Mach ' auf ! Die Alte sah noch einen Augenblick und schüttelte den Kopf . Dann hätte sie vielleicht die Thür uneröffnet zugeschlagen , wenn nicht Zeck , diesen Fall voraussehend , sich gleich anfangs mit dem Fuße dagegengestemmt hätte . Hol ' dich der Satan ! schrie er ; willst du aufmachen ? Es ist möglich , flüsterte Louis , daß sie mich des Fränzchen ' s wegen nicht sehen mag . Oder fehlt ihr Euer Sohn ? Kennst du den Herrn ? rief der Blinde . Willst du aufmachen ! Ursula kam wieder und stellte sich wieder spähend an die Thürspalte , im Vertrauen auf die Kette , die jeden Besuch , den sie nicht mochte , absperrte