Hoffnung mit - Angiolinen , in Angst vor den wilden Kosakenhorden , die nach der großen Schlacht bei - Leipzig schon bis dicht an die Thore schwärmten , sagte mir Wittekind ins Gesicht , daß er mein Bleiben nicht dulden würde und daß ich sein Weib gar nicht wäre ... Trommelwirbel fielen in diese Worte ... Die Glocken läuteten Sturm - Feuer ! rief es in den Gassen ... Schon brannt ' es in den nächsten Dörfern ... Besinnungslos folgt ' ich der allgemeinen Flucht ... In der unglücklichen Lage eines Weibes , wenn sie die Zwecke der Schöpfung erfüllen soll , ward ich von den Angehörigen der Truppe , zu der ich gehörte , fortgerissen ... ... Schon am Abend , in einer Scheune , auf dem Wagen eines Kunstfeuerwerkers unsers Ballets , kam ich nieder ... Ich raffte am andern Morgen den letzten Rest meiner Kräfte zusammenstoße das Kind , wie alles um mich her , von mir - Die Gesellschaft wird von den Vorposten der Russen auseinander gesprengt - Ich gelte für eine Todte - So kam ich auf einem Bauerwagen nach Frankreich , verfolgt von dem Hohn : Das ist der Hof des Königs Hieronymus ! ... Ich verfiel in eine lange Krankheit , nach der ich mich erst allmälig auf alles besann , was vorher mit mir vorgefallen ... Arme Mutter ! sprach Benno und suchte sie zu beruhigen ... Aber die Sprecherin war in mächtigster Erregung und fuhr fort : Der Krieg kam näher und näher ... Ich benutzte meine ersten wiedererlangten Kräfte , an Wittekind zu schreiben ; an den Bischof von Witoborn , dem ich noch Anstand nahm alles ganz wie es war mitzutheilen ; an die Behörden ... Letztere wurden eben neu eingesetzt ... Wittekind antwortete nicht ... O die Scham und die Verzweiflung über meinen eigenen Unverstand waren noch größer als mein Rachegefühl ... Ich suchte mich der Welt zu verbergen , ich verrieth niemanden , was mir geschehen war ... Meine nächsten Vertrauten und Umgebungen waren durch die Zeitumstände von mir gerissen ... Nachrichten über ein Bauerhaus einzuziehen , wo du lebtest , wurde unmöglich ... So bracht ' ich einige Monate in Paris zu ... Da lernte mich der Herzog von Amarillas , Marquis Don Albufera de Heñares , kennen ... Die Mutter hielt inne , um neue Kraft zu schöpfen ... Benno bat sie , sich zu schonen ... Bei dem Wort , das er aussprechen wollte , er würde sie ja nun oft sehen können ... stockte er ... Wir sehen uns in Rom ! sagte er ... Nein , schon hier ! wollte sie mit überwallendem Gefühl ausrufen ; doch auch sie unterbrach sich jetzt und gestand , ihre Stimme dämpfend : Meine Lage ist - freilich nicht so - daß ich - ... Benno sah , daß hier seine Aufgabe erfüllt war ... Was sollte er noch in Wien ? ... Sollte er wie Hamlet einen ungeheuern Schmerz im Busen tragen und ihn vertändeln in der Gesellschaft , in einem Liebesroman mit Olympien ? ... Die Herzogin fuhr inzwischen fort : Die Feinde hatten Paris genommen ... Ein Flüchtling vor Napoleon , kehrte der Herzog mit dem vertriebenen Ferdinand VII. nach Spanien zurück ... Er kam aus England und erkrankte in Paris ... Der Streit unserer Meinungen hinderte nicht die Annäherung der Sympathieen ... Der Herzog wohnte in einem Hause mit mir ... Er war alt und gebrechlich ... Seine gänzlich verarmte Lage rührte mich ... Ich fing wieder an zu singen und theilte mit ihm , was ich hatte ... Dennoch war alles nur Rache an Wittekind - der mich endlich mit Geldmitteln und höhnischem Spott und einer teuflischen Bitte um Verzeihung bedachte - Rache , daß ich ihm als Herzogin antwortete und ihm ebenso höhnisch , wie er geschrieben , auch ihm seine Kinder empfahl , für die er zu sorgen gelobte , die ich aber - Gott wolle es mir verzeihen ! - wie alles verfluchte , was mich an ihn erinnern konnte ... Benno erkannte die psychologische Möglichkeit ... Nach einer starren Betrachtung der blutigen Locken Angiolinens fuhr die Mutter fort : Ich reiste nach Madrid ... Der Herzog , mein Gemahl , hatte eine Stellung am restaurirten Thron der Bourbonen erhalten ... Bald aber kehrte Napoleon von Elba zurück ; auch in Madrid erhob sich die Revolution ... Der Herzog erlag den Anstrengungen einer Flucht vor der Cortesregierung nach Portugal und starb ... Wieder stand ich allein , wieder ohne Schutz und Lebenshalt ; jetzt bereuend , daß ich mich selbst so rasch zu dieser Veränderung meiner Ansprüche auf Wittekind hatte bestimmen können ... Ich reiste nach Rom ... Von dort begann ich in meiner ersten Verzweiflung , mit Schloß Neuhof zu correspondiren und einlenkende Schritte zu thun ... Später drohte ich ... Man schrieb mir oder ließ mir schreiben ... Ich empfing einiges Geld , im übrigen nur die alten höhnischen und bäurischen Scherze und Bitten um Verzeihung ... Las ich diese Briefe , so hörte ich das wiehernde Gelächter , das dein Vater zuweilen ausstoßen konnte für sich ganz allein - nur für sich allein ... Er jubelte dann über seinen Verstand und über die Dummheit der ganzen Welt ... Das hat sich traurig gewendet ! sagte Benno ... Jérôme , sein zweiter , schon geisteskranker Sohn , starb im Duell ... Auch Friedrich , der Erbe , ist nicht glücklich ... Doch bin ich mit Friedrich einverstanden und befreundet ... Er kennt meine Reise hierher und billigt die Begegnung mit dir ... Befiehl du selbst ! ... Er ordnet sich allen deinen Wünschen unter ... Die Herzogin horchte aufmerksam und überlegte ... Sie schien das Fortwalten des Geheimnisses vorzuziehen ... Wenigstens sagte sie : Mein Sohn ! ... Ich bin die Tochter eines Marchese im Ravennatischen , der sein Vermögen verlor ... Ich mußte früh an die Verwerthung eines Talents denken , das mich und die Meinigen erhielt . So legte ich den Namen der Marchesina