Sie versank in Thränen und küßte die blutigen Haare ... Sei versöhnt ! sprach Benno mit Milde und wie jeder , der an ein mühevolles Ziel glücklich angelangt ist , dann erschöpft zusammenbricht ... Dir bin ich es , mein Sohn ! wandte sich ihm die stolze Frau zu , jetzt , um ihn zu ermuthigen , mit zärtlichstem Tone , ja wie eine Braut so weich - aber - Medea - erhob sie sich wieder - Medea schlachtete dem treulosen Vater ihre Kinder ... Nein , nein ! ... beschwichtigte sie gleichsam ... Wie kommt das alles - daß du hier bist ? Suchtest du mich ? Woher weißt du deinen Ursprung ? .. Benno sammelte sich und die Mutter am zweckmäßigsten durch die vollständige Erzählung der ihm allmälig gewordenen Enthüllungen ... Er schloß seine kurzgefaßten Mittheilungen mit dem Wort : Die Kirche anerkennt deine Ehe ! ... Sprich das nicht aus ! entgegnete sie ... Meine Feinde haben mir auch mit lächelnder Miene diese Andeutung gegeben ... Meinen Frevel , die Hand des Herzogs von Amarillas zu nehmen , die ich nahm aus Stolz und Scham über mich selbst , verzeiht das Gesetz ; denn ich kannte die Lehre der Kirche nicht ... Ich wußte , daß mich dein Vater betrogen hatte und war frei ... Wann erfuhrst du das ? ... Als ich einige Laute dieser eurer rauhen Sprache gelernt hatte , die du nur schön sprichst , du , mein Sohn ! ... Als ich ein Flüstern zu verstehen anfing , wenn Wittekind mit seinen Freunden zusammen war , ich auf meine Anerkennung drängte und nicht mehr in meine Pflichten nach Kassel zurückkehren zu wollen erklärte , wenn ich auf Neuhof gewesen ... Ich erlebte die Grausamkeit des Mannes ! - O mein Cäsar - hast du etwas in deinen Zügen von diesem Tyrannen - Jesus ja , du bist sein Bild ! ... Nicht im Herzen ! sagte Benno , schlug die Augen nieder und zog die Mutter an seine Brust ... Er warf mich eines Tages in einen Kerker ! fuhr sie fort ... Er ließ mich hungern ... Ich schrie um Hülfe ... Zuletzt konnt ' ich nicht mehr ... Er kam in die unterirdischen Gewölbe und kniete an meiner Thür nieder und weinte ... O Cäsar ... Er konnte bestrickend sein wie ein Kind , wenn er wollte und Nachsicht bedurfte ... Zweimal geschah das ... Ich saß in den untersten Gewölben und fror und hungerte - ich , sein rechtmäßiges Weib ! Wie ich damals noch - und freilich nur noch das erste mal glaubte ... Ein Teufel von einem Weibe bewachte mich ... Brigitte von Gülpen , ergänzte Benno ... Sie strafte der Himmel ... Sie ist ermordet worden ... Gott wird ihrem Mörder zum Paradiese verhelfen ! ... Ja , Brigida hieß sie - ! Ich vergesse den Ton nicht , wenn sie sich meldete und ich rief : Wer da ! ... Sie spitzte dann den Mund und lockte mich : Täubchen ! ... Sie hätte mich würgen können wie eine Taube ... So auch starb sie ... sagte Benno und erzählte den Tod der Hauptmännin ... Dann fuhr er fort : Aber sie hatte eine Schwester - Petronella hieß sie - Ihr dank ' ich mein Leben , meine Pflege , meine Erziehung ... Meinem Onkel , dem Abbate Francesco , verdank ' ich meinen Namen ... Ich hieß der Sohn seines Bruders ... Ich heiße Benno von Asselyn ... Julius Cäsar von Wittekind heißt du ! - und eine Weile nach mir Montalto ! ... verbesserte sie stolz und fuhr in den sie erleichternden Erinnerungen fort ... War ich ermüdet und kraftlos und verhallte meine Stimme ohnmächtig an den Wänden , so kam dein Vater und beschwor mich , ihm zu vertrauen ... Er könnte mich noch nicht anerkennen , wehklagte er ... Er verlöre die Hälfte seines Vermögens ... Auf seinem Witthum beruhte seine ganze Kraft ... Mit der zweiten Heirath würde er der Sklave seiner Kinder werden ... Er nannte Namen , die ich bald vergaß , Verhältnisse , die meine Begriffe überstiegen ... Er bat , er flehte hinter dem Gitter ... Er knieete nieder , schilderte eine glänzende Zukunft ... Ich ließ mich bethören und versprach nachzugeben Diese Augenblicke , wenn er den Schlüssel zog , wenn er meine Schwüre hören wollte , daß ich ihm verziehe , erst ein Pistol mir entgegenhielt und dann doch wieder durch das Gitter mich mit Küssen verlocken wollte - O , was hab ' ich gelitten , mein Sohn ! ... Benno umarmte sie , streichelte ihre Wange , küßte ihre Hände ... Er starb im Wahnsinn , sagte er ... Wie zur Sühne solcher Frevel starb er - ein Geächteter ... Einen seiner frühern Freunde hat er erstochen ... Wär ' es einer von denen gewesen , sagte die Mutter mit Bitterkeit , die mich in der Kapelle zu Altenkirchen betrogen ! ... Und doch , du sagst es , einer von ihnen wurde dein zweiter Vater ? ... Lebt der Abbate noch ? ... Ich glaubte , gerade der wäre zur ewigen Verdammniß bestimmt ! ... Gerade er machte und wie aus Achtung vor mir den Ministranten - ein Priester ! ... Ich sagte ihm Dank , als wir ins Schloß zurückkehrten nach der Trauung , Dank für die Ehre , die er mir gewährt ... Seine Hand zitterte , als er dafür die meinige küßte ... Ein Jude war der falsche Priester - der mich drei Jahre lang betrog - Auch in der großen Kathedrale von - wie hieß der Ort - Witoborn - betrog - ! ... Er las die Messe ... Ich wußte damals nicht , daß es seine erste war ... Später erfuhr ich ' s , als ich anfing , mich heimlich nach ihm zu erkundigen ... Kurz vor der Flucht des Hofes von Kassel , längst schon in Angst um Wittekind ' s kaltes Benehmen , in