nach ihrem Schicksal fragen . Wollen Sie die Badeliste von Kissingen lesen , - Sie finden vielleicht Fürst Iwan darin . Durch die französischen und deutschen Blätter lief schon im vergangenen Winter die artige Anecdote von dem Zuaven-Sergeanten , der ein Kind in den Trümmern von Sebastopol unverletzt in den Armen einer blutbedeckten , anscheinend todten Frau fand und mit sich nahm . Eine trauernde Dame - so lautet die Geschichte der Zeitungen - steigt eines Tages , nachdem die Presse viel von dem kleinen Regimentsknäblein der Zuaven erzählt hat , in Begleitung von Freunden an der Kaserne der Rue de la Pépinière ab ; sie fragt nach dem Sergeanten B ...... , man sagt ihr , der Herr Lieutenant wohne in der Nachbarschaft . Die Besucher begeben sich dahin . Als die junge Frau in das bescheidene Zimmer des Offiziers tritt , sinkt sie ohnmächtig auf einen Stuhl ; sie hat das Kind , das sie zu Sebastopol verlor , spielend am Boden erkannt . Lieutenant B. erzählt einfach , was er gethan , und indem er die älteren Rechte ehrt , bittet er nur um die Erkaubniß , den Kleinen von Zeit zu Zeit umarmen zu dürfen . Der Bericht fügt bei , daß der Knabe im Hôtel der schönen russischen Dame mit dem französischen Namen bald Vater und Mutter haben würde . Sind Sie nun befriedigt ? « » Aber - - - « » Kein Aber , Freund , ich habe genug schon gegen das eigene Gefühl gesündigt . Da blicken Sie hin , ein Stück Geschichte aus der Gegenwart , das interessanter ist , als jede Romanfigur . Die Mütze ab , mein Junge , hier kommen Die , vor denen sie jeder Preuße zieht . « Equipagen , gallonirte Vorreiter voran , die prächtigen Rappen des Trakehner Gestüts biegen in die Allee und halten vor dem Eingang von Charlottenhof . Ehrerbietig ziehen sich die Zuschauer in die Umgebung des berühmten Rosengartens der Villa zurück . Der prächtige Blumenflor ist zwar längst vorbei , die Hitze des Sommers hatte die Blätter vor ihrer Zeit verdorrt , die Winde haben den Rest zerstreut in die Lüfte und blüthenleer stehen die mit seltener Kunst gezogenen und gepflegten Stämme . Nur an einem Zweig noch blüht in sich entfaltender Pracht eine dunkle Granatrose , gleich einem schimmernden Blutfleck auf dem grünen Gewand der Blätter . Herrlich ist ihr Kelch aufgethan , süß der Duft , der ihr entströmt . In ehrerbietiger Ferne halten sich die wenigen zufällig Anwesenden , als die hohe Gesellschaft aus dem grünen Rondeel der prächtigen Villa tretend , den leeren Rosengarten durchwandelt . Eine Dame , in einen Schleier gehüllt , die Farben ihrer Robe blau und weiß , wird von einem jungen stattlichen Offizier geführt ; der hohe Mann , den auf der Terrasse der Feldmarschall begrüßte , geht an ihrer andern Seite , mit einer still freundlichen Dame sich unterhaltend , die jenen höchsten Ruhm des Frauenhaften selbst auf einem Throne genießt , daß nur bei Werken des Segens von ihr gesprochen wird . Ein ältlicher , etwas starker Herr von etwa 60 Jahren , in einfacher Uniform , promenirt , mit einem jungen reizenden Mädchen plaudernd , voraus . Seine Stirn ist hoch , das runde offene Gesicht voll Seelengüte und Würde , die von der Kurzsichtigkeit und dem Bedürfniß , sich eines Glases zu bedienen , häufig zwinkernden Augen leuchten Humor und Geist . Der Herr bleibt vor der Rose stehen und betrachtet sie durch das Glas . » Ah magnifique ! Sehen Sie einmal , schöne Nichte , ist das nicht deliciös ? Noch so spät und so süperbe Entfaltung ! « Er verweilt einen Augenblick , während der hohe Kreis weiter schreitet . Sein Auge fällt auf eine Gruppe , die in einem Seitengang des Gartens steht - ein hoher , alter und ehrwürdig aussehender Mann von feiner aristokratischer Haltung , an seiner Hand ein junges reizendes Mädchen , und neben ihnen ein schlichter , einfacher Arbeiter in kräftigen Mannesjahren , mit einer offenen Blouse und einem grauen Hut bekleidet , den er jetzt in der Hand trägt und der um einer preußischen Kokarde geschmückt ist , obschon der Mann etwas Fremdes in seinem Aeußern zeigt . Die kleine Gesellschaft ist schon früher dem Arzt und Journalisten aufgefallen , wie sie jetzt dem hohen Herrn am Rosenbaum auffällt . Er winkt ihr , näher zu treten , und der alte Mann , die Hand des Mädchens fassend , gefolgt von dem Handwerker , naht sich mit ehrerbietigen , von der feinsten Tournüre zeigenden Verbeugungen . » Wer sind Sie ? - Sind Sie fremd hier ? « » Sire ! ich nenne mich Ereuxdeven ! und komme aus - aus dem neuen Canton Neuenburg , Sie noch ein Mal zu sehen , ehe ich mein Haupt niederlege auf die Erde meiner und Ihrer Väter . « Der hohe Herr scheint betroffen von der Auskunft , die er erhalten . Auf seinem Antlitz zeigt sich eine schmerzliche tiefe Bewegung . Er sucht sie mit Gewalt zurückzudrängen . » Ist dies Ihre Tochter , Herr Graf ? « » Mein einziges Kind , Sire , ihre Mutter war aus der Familie Gélieu . Hätte Gott meine Ehe mit Söhnen gesegnet , Sire , so würden diese Sie um eine neue Heimath gebeten haben . Ich bin zu alt , um die gewohnte noch zu verlassen . Diesen Mann hier , den Milchbruder meiner Tochter , den Montagnard mit preußischem Herzen , begleiten wir auf dem Weg nach Schlesien , wo er sich anzusiedeln gedenkt . « Wiederum zuckt es schwer und trübe über das Antlitz des hohen Herrn . Seine Hand bricht unwillkürlich achtlos , wie krampfend vom innern Schmerz , die Rose von dem Strauch an seiner Seite . - » Sire ! « sagt der Greis , » leben Sie wohl ! Möge Gott Sie und Ihr hohes Haus segnen , unser Herz bleibt das Ihre , auch