werden . Das Buch , von dem Sie sprechen , mein Herr , ist mir jedoch unbekannt und ich fragte bloß nach dem Namen , weil er der meiner verstorbenen Mutter ist . Sie war eine Deutsche und mein Vater lernte sie in dem Feldzuge von 1813 kennen . « » Ihre gnädige Frau Mutter hat vielleicht Verwandte bei uns ? « » Ich weiß es nicht - meine Mutter starb sehr jung - man sagte mir später , am Heimweh . Ich habe nie den meinen Verwandten gehört und mein Kriegerleben von Jugend auf hat mich auch gehindert , danach zu forschen . « Die Gesellschaft erhob sich , denn es zeigte sich eine Bewegung am mittlern Pavillon und aus den Laubgängen von der Seite der berühmten Mühle von Sanssouci her kam , von hohen Militairs gefolgt , ein majestätisch stattlicher Offizier in der Uniform eines preußischen Ulanen-Regiments . Der Feldmarschall ging ihm sogleich ehrerbietig entgegen . » Bitte , bester Hofrath , « flüsterte im Vorübergehen die junge blasse Baronesse dem Civilisten zu , » fragen Sie doch den Herrn , was aus der Gräfin Iwanowna geworden und ob sie sich wirklich noch bekommen haben ? « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In der schattigen Allee , nahe der prächtigen und künstlerisch sinnigen Idylle , mit deren Namen ein mächtiger Fürst das Andenken seiner erhabenen Schwester feierte , und die in früheren Zeiten , als der unvergeßliche , heilig verehrte Vater noch die Krone trug , sein Lieblingsaufenthalt war , gingen zwei Männer spazieren , von einem blonden kräftigen Knaben gefolgt . Wir sind ihnen früher begegnet - auf der Rennbahn bei Berlin , dem Journalisten mit dem losen Mund und seinem Freund , dem Arzt , der damals nach Sebastopol ging . Er ist zurückgekommen aus den südlichen Steppen des russischen Kaiserreichs , wo er nach dem Fall von Sebastopol sich eine Existenz gegründet hat , um noch ein Mal die hochbetagte Mutter zu sehen und die Freundin , die treulich auf ihn , den längst in Rußland Verheiratheten in stiller unerkannter Liebe gehofft . » Sagen Sie mir , lieber Freund , « fragte der Doctor , » was ist aus der vornehmen schönen Dame geworden , der wir damals zufällig Gelegenheit hatten , einen kleinen Dienst zu erweisen ? - Besuchen Sie noch ihr Haus , wohin der Herr Gemahl Sie eingeladen ? « » Der Graf ist vor etwa zwei Jahren gestorben und hat sie als reiche Frau hinterlassen . Die Gräfin hat jedoch vorgezogen , die erneuerten Bewerbungen des früheren Verehrers zurückzuweisen , und statt am Cap der guten Hoffnung sich unter den Kaffern und Buschmännern anzusiedeln , mit - einem hübschen an Kindesstatt adoptirten Mädchen auf eines ihrer Güter in Schlesien zurückzuziehen . Doch bei der Erwähnung fällt mir ein , daß Sie ja damals auch mit einer der Persönlichkeiten bekannt wurden , denen man später den gemeinen Verrath der von untreuen Dienern erkauften russischen Depeschen an Frankreich und England schuld gab . « » Wen meinen Sie ? « » Den Mann , der das Geheimniß der armen Frau von jenem abscheulichen Weibe erfahren wollte und leider auch wirklich später durch einen unglücklichen Zufall erfahren hat . Er sog sich wie ein Blutigel an dem Erlauschten fest und erst der Tod ihres Gemahls befreite die Gräfin von seinen Erpressungen . « » Es erfolgten ja damals wohl verschiedene Verurtheilungen ? « » Das Sprüchwort von den kleinen und großen Dieben hat sich nur theilweise bewahrheitet . Es schwebt immer noch ein gewissen Geheimniß über der Sache , das die eben verbreitete Nachricht eines Berliner Blattes von der Anstellung einer der Hauptpersonen keineswegs geeignet ist , aufzuklären . Ein Opfer ist freilich der Justiz gefallen . Wenn man , wie Andere , aus aller Zeit dreitausend Thaler Antheil an gewissen Versicherungsgesellschaften bezieht , kann man wenigstens den Folgen Trotz bieten . Die Polizeiakten einer nordischen Provinzial-Residenz sollen darüber interessante Daten liefern . « » Lassen Sie mich etwas Anderes fragen . Wollen Sie denn Ihr Buch nicht beenden ? So viele der lebendigen Figuren , an denen der Leser reges Interesse genommen , sind ohne Abschluß geblieben . « Der Journalist lächelte spöttisch , indem er dem Knaben , der neben ihn getreten , das blonde Haar aus der Stirn strich . » Warum denn Alles immer erschöpfen bis auf die Hefe der Alltäglichkeit ? Sind wir nicht schon Philister genug ? Soll ich ihnen etwa erzählen , daß der deutsche Demokrat und seine schwarze Gattin von Mariam ' s Todesgeschenk glücklich und zufrieden unter dem Schutz der despotischen Herrschaft des Doppeladlers in Odessa leben , die schwarze Frau ihrer Liebe und er in weitem Wirkungskreise geehrt und gesucht ? - Sie selbst sind dem Paar ja dort begegnet und wissen , daß er das beste Theil erwählt ; denn mit der Mohrin am Arm wäre in den Berliner Straßen ihm die löbliche Gassenjugend nachgelaufen und hätte Pietsch gespielt ! « » Aber Méricourt ? Iwanowna ? « » Auf den hohen Bergebenen des freien Daghestan soll ein Haus stehen , halb Palanka , halb Villa , das der Gattin Djemaladin ' s gehört , des verschollenen Tscherkessenprinzen , die er sich geholt in sternenloser Nacht am Ufer des Kuban . Dort wohnt ein fremder Krieger mit seinem Weibe , - sie Beide haben Namen und Glanz aufgegeben und mit der Vergangenheit gebrochen ; er schwingt den Säbel nicht mehr für Ehre und Fürstengunst , sondern nur , wenn die Gefahr es heischt , für die heiligen Nationalrechte eines freien Volkes ; sie vergißt im Arm der Freundschaft und Liebe den undankbaren Fluch eines Bruders . Ob es Méricourt , ob Iwanowna , das Paar , von dem ich hörte - ich weiß es nicht ! Was kümmern mich die Briefe an Herrn Nöhring , meinen Verleger , die