fest , wenn auch mit zitterndem Herzen gesprochen ... Die Herzogin fuhr jetzt zurück ... Sie mußte glauben , der junge Mann wäre plötzlich in Irrsinn verfallen ... Sie suchte ernstlich die Thür ... Ich nenne dich Schwester ! rief Benno noch lauter und bannte damit den Schritt der Entfliehenden ... Finden Sie nicht , Herzogin , daß auch ich die Züge der Unglücklichen trage ? ... Die Herzogin blieb wie auf der Flucht ... Sie glaubte einen Narren reden zu hören ... Dennoch verglich sie ihn und die Todte ... Deshalb nannt ' ich die Aehnlichkeit mit dem Kronsyndikus - Denn , Herzogin , ich , ich bin mit dem Kronsyndikus verwandt ... Die Herzogin konnte nicht von der Stelle ... Asselyn ! ... sprach Benno ... Hörten Sie denn niemals diesen Namen ? ... Die Herzogin hörte nur und besann sich ... Da biß sie plötzlich krampfhaft auf ihre Lippen ... Es gab doch einen Freund des Kronsyndikus ... Einen Abbate - Francesco ... Kannten Sie denn den Abbate Francesco nicht ? ... Die Herzogin machte eine Bewegung , als hätte sie der Stich einer Schlange getroffen ... Ist das - Ihre Familie - ? ... sagte sie mit lauerndem Blick ... Benno schwieg ... Die Herzogin wollte , beschlichen von einem furchtbaren Gedanken des Mistrauens , den unheimlichen Saal verlassen ... Sie sah sich um ... Sie schien sich auf noch einen andern Priester als den Abbate Francesco zu besinnen , auf den Pater Stanislaus ; sie fragte : Graf Salem-Camphausen sagten Sie ? ... Aber gehen wir ! lächelte sie und die Frage wie zurücknehmend ... Vergebung , Herzogin ! ... sprach Benno immer fester auftretend ... Ich kann mich nicht trennen ... Dies Blut ist mein eigenes ... Ein Geheimniß , Herzogin ! ... Sie werden mich für wahnsinnig halten ? ... Ich suche seit Jahren eine Schwester ... Ich glaube sie in dieser Unglücklichen gefunden zu haben ... Still , still ! ... Unter uns ! ... Noch einmal , finden Sie nicht , daß wir uns ähneln ? ... Die Herzogin bebte wieder zurück über den Ausdruck in den Zügen des jungen Mannes ... Arme Schwester , fuhr Benno fort , zum Paradiese geleitet dich dein Schutzgeist mit trauernder Miene ... Sie wird Einlaß finden , Herzogin , nicht wahr ? ... Denn ich und meine arme Schwester , wir beide haben eine Mutter , die uns verlassen konnte ... Eine Mutter ist die Vorsehung ihrer Kinder - aber Sie haben recht , was sagten Sie eben ? Eine Mutter kann in ihrem Kinde den Vater hassen ? ... War es nicht das ? ... Nicht alle sind so groß und eitel , wie Ihr Cardinal Ceccone , der in seinem Kinde - die Mutter zum zweiten male liebt ... Jetzt hatten sich Benno ' s Züge wirklich verzerrt ... Die Herzogin , die an der Thür , erst um zu entfliehen , stand , drückte jetzt die Thür noch fester zu , blieb aber wie trotzend stehen ... Vergeben Sie , Herzogin ! fuhr Benno fort . Wir wollen die Ruhe meiner Schwester nicht stören ... Aber mein Geheimniß ... Nicht wahr , ein Geheimniß für Sie und mich ? ... Auch ich glaubte von Zigeunern zu stammen , wie diese Arme , wenigstens aus Spanien glaubte ich zu kommen ... Ich entsinne mich einer Frau , einer jungen schönen Frau , die mich zuweilen - ich konnte nur ein Kind von drei oder vier Jahren sein - holdselig anlächelte , zuweilen auch wol eine Thräne auf mich fallen ließ ; es konnten auch am Kindesauge nur ihre Diamanten haften geblieben sein ... Herzogin , da erfuhr ich plötzlich , daß ich eine Schwester habe ... Sie ist geboren mitten auf der Landstraße ... Mitten unter den Schrecken des Kriegs , auf der Flucht ... Vor fünfundzwanzig Jahren ... Von einer Mutter , die eine Italienerin , eine Sängerin war ... Sie hieß - Basta cosi ! schrie die Herzogin mit dem Ton der Furie ... Sie lief auf Benno zu , ergriff seine Hand , sah sich wild um , richtete ihre beiden noch der höchsten Glut fähigen Augen auf nur drei Zoll Nähe dicht in die seinigen und starrte ihn wie die Erinnye mit weißen Augen an ... Schurke , der du bist ! fuhr sie fort ... Nachfolger des Paters Stanislaus ! Nun weiß ich alles ... Hier , hier in diesem Hause wohnte ja Pater Stanislaus , Wenzel von Terschka ... Sollst du es besser machen , als dieser undankbare Teufel , der dem Al Gesù seinen Spaß verdorben hat ? ! ... Mutter - ! rief Benno auf dies entsetzliche Wort aus der tiefsten Tiefe des Schmerzes , des Mitleids , der Liebe hervor ... Mutter , wie redest du ! ... Sein Ton war so zart , so innig , daß er von keinem Betrüger kommen konnte ... Die Gefolterte starrte ihn an ... Die verzerrten Züge ihres Antlitzes milderten sich , das Auge , immer sich einbohrend in die Augen Benno ' s , verlor seine stechende Schärfe , immer schwankender wurde ihre Haltung , die Hände suchten einen Halt , sie sank - » Mutter ? « hauchte sie ihm nach ... Benno stürzte auf sie zu und überwunden lag sie in seinen Armen ... Eine Weile währte es , bis sie sich aus einer Ohnmacht erholte ... Benno lüftete ihren Hut , der sofort niederfiel ... Das Haar verdeckte ein Netzwerk , unter dem ein ehrwürdiges Grau schimmerte ... Allmälig erst gewann sie Sprache und hauchte , zu ihm aufblickend , noch tief zweifelnd , aber schon mit liebender Zartheit : Ce - sa - re - ? .. Julius Cäsar ... bestätigte Benno , richtete die Augen auf die Leiche und sagte : Und diese nannte man Angiolina ... Die Augen der Frau erhoben sich wie irr bald auf Benno , bald auf die Leiche , bald gen Himmel ... So währte