Er mußte zum Fenster blicken , um seiner Bewegung Herr zu werden . Und den tauben Sohn ! sagte Louis . Habt Ihr nur den einen Sohn ? Nur einen , Herr . Er muß dreißig Jahre sein - es ist ein alter Knabe - Zwei und dreißig - Habt Ihr immer in Plessen gelebt ? Vordem ein fünf Jahre im Jägerhause - Bei Eurer Schwester ? Kennt Ihr Die , Herr ? Ursula Marzahn ! Ich kenne eine Nichte des Försters Heunisch - Zeck nickte und wiederholte : Ursula Marzahn ist meine Schwester . Wie kann man ' s aber fünf Jahre in dem Walde aushalten , wenn man ein Schmied ist ? Ich war blind . War ' t Ihr denn schon blind , als Ihr in das Jägerhaus kamt ? An beiden Augen . Da hattet Ihr schon früher eine Schmiede und war ' t Gesell und früh verheirathet - schon vor drei und dreißig Jahren - ich rechne Das an Eurem Sohne - Ich bin vierzig Jahre Meister - Und seid einige Sechzig alt - Mein Kopf muß weiß sein ! Schneeweiß , wie ' s eben dort im Gebirge wird . Es schneit - sieh , sieh , es schneit ! Zeck wollte nun gehen . Er hatte in den fernern Nachfragen kein Arg gefunden . Bleibt doch ! Ich wollte Euch noch etwas fragen , Meister . Zeck horchte auf ... Ihr hattet einen jüngern Bruder ... Zeck blieb bei dieser Frage zwar ohne sichtliche Verlegenheit , hielt sich aber doch starr und regungslos . Er war Kupferstecher , wie der Mann da , der nicht gut hören kann - Zeck antwortete wieder nicht . Er wanderte nach Amerika aus - weil er mußte ! Mußte ! Nicht wahr , Zeck ? Zeck blieb starr und sprach jetzt noch weniger eine Sylbe . Er ist todt . Herr Ackermann ... brachte Euch von ihm , als einem Verwandten , eine Erbschaft . Wie ist ' s denn mit dem Sohne , den Euch der Bruder zurückließ , als er nach Amerika mußte ? Zeck kniff die Stirnfalten zusammen und meinte forschend und stotternd : Kommt Das von Herrn Ackermann ? Von wem es kommt , ist gleichgültig , alter Freund ! Wie ist es mit dem Sohne Eures Bruders ? Im ersten Augenblick hatte sich auf dem Antlitz des blinden Schmieds Schrecken widergespiegelt . Bald aber hellte es sich auf . Ein habsüchtiger Gedanke schoß durch die Seele des Geängsteten . Er stellte sich vor , daß sein Bruder Schätze hinterlassen , die er seinem Sohn bestimmt hätte , Schätze , die ihm und seiner erbenlosen Schwester anheimfallen würden , wenn Murray ' s Sohn nicht mehr nachzuweisen wäre . Ehe dieser Gedanke ganz in ihm zurechtgelegt war , hatte ihn Louis wol schon dreimal nach dem Sohne seines Bruders gefragt . Ungeduldig wiederholte Louis noch einmal : Wo ist der Sohn Eures Bruders ? Todt ! sagte jetzt der Schmied mit großer Bestimmtheit . Für Murray , der gespannt am Fenster horchte , kam dies Wort nicht unerwartet . Es erschütterte ihn auch nicht zu heftig , aber unwillkürlich mußte er doch ein Geräusch mit dem Stuhle machen , auf dem er saß , und Zeck ' s Aufmerksamkeit auf sich ziehen . Der Knabe ist todt ! fuhr Louis fort . Da er Eurer Pflege anvertraut war , werdet Ihr Beweise für seinen Tod beizubringen haben . Nicht meiner Pflege , Herr - ich nicht - ich nicht - Eure Schwester ! Ihr wurde das Kind anvertraut , Euch Beiden gemeinschaftlich - Woher wissen Sie Das ? Ihr wohntet damals an einem Orte , den die Menschen fliehen ... nicht wahr Zeck ? In der größten Unruhe suchte sich der Blinde aufstehend von dieser Prüfung loszuwinden , aber der zur Gewißheit bei ihm gewordene Gedanke , daß die für seinen Brudersohn bestimmten Schätze ihm , seinem eigenen Sohne , anheimfallen sollten , reizte ihn doch , zu bleiben . Er half sich durch eine wiederholte Berufung auf seine Blindheit . Ihr war ' t blind , Zeck , ich weiß es - Ihr war ' t beim Doktor Lehmann , daß er Euch heilen sollte - Das war ich . Ja , Herr - Und Eure Schwester verbarg Euch ... Was sagten Sie ? Vor dem Licht des Tages , das Euch wehe that , verbarg sie Euch . Geblendete Augen verlangen eine dunkle Umgebung - Das ist ' s. Aber das Kind , das Ihr von einer Dame , die ich nicht kenne , als das Eurige anvertraut erhieltet , mit dreitausend Thalern ... Der Blinde wurde immer unruhiger . Nicht wahr ? Mit dreitausend Thalern ? Zeck antwortete nicht , sondern sah nur starr auf Louis und die Gegend an dem Fenster , wo ein ihm unbekannter Kupferstecher zuhörte . Ist er wirklich todt , der Sohn Eures Bruders , der sich einige Jahre hindurch Baron Grimm nannte ? Bei Erwähnung dieses Namens schwanden dem Blinden alle Kräfte . Er suchte seinen Sessel . Louis schob ihm seinen Sessel hin . Er mußte ihm Zeit lassen sich zu sammeln . Endlich besann sich der Schmied auf eine Auskunft , die er in diesen Worten zusammenfaßte : Herr - ich sollt ' Euch eine Schraube machen , um die Saiten da anzuziehen - Ihr seid aber selbst wie so ein Ding und schraubt Einen , daß die Finger knacken . Wenn Euch Herr Ackermann oder wer sonst aufgetragen hat , das Erbtheil von meinem verstorbenen Bruder an seinen Jungen auszuzahlen , so sag ' ich Euch : Der ist todt wie sein Vater und das Erbtheil muß nun von Rechtswegen ... Und die Beweise , die Papiere über jenen Tod ? Zeck besann sich auf den Ausweg , den er schon einmal einschlagen wollte : Fragt die Ursula ! Sie hat alle Papiere . Gut , sagte Louis , ich sehe , daß Ihr nicht wißt , wie und wo das