Sie sehen , ich bin nun hier zu Hause ... Ich will hier so lange bleiben , bis die letzte schwere Pflicht erfüllt ist ... Der Graf schien gekommen , um für heute von Benno Abschied zu nehmen ... Die Herzogin sprach ihre Theilnahme aus ... Madame , wandte sich der Graf zu ihr und sagte in französischer Sprache : Ich bin sehr unglücklich ... Ich habe ein liebendes Herz verloren ... Und zu Benno sich wendend , fuhr er mit unsicherer Stimme deutsch fort : Unsere Angelegenheit ist unterbrochen ... Ich bin heute keines Gedankens mehr fähig ... Fürchte auch jede Stunde die Ankunft meiner Mutter ... Es wäre ein großer Act der Freundschaft für mich , wenn Sie die Güte hätten und nach Wien eilten , meine Mutter zu begrüßen und zu sorgen , daß sie auf dies Schicksal schonend vorbereitet wird ... Sie liebte Angiolinen ... Die Herzogin hörte so aufmerksam , als verstünde sie jedes Wort ... Benno erbot sich zu allem und bat den Grafen nur , er möchte seinen Kutscher benachrichtigen lassen , daß er allein zurückfahren möchte ... Zur Herzogin gewandt , sprach er , in den beiden Wagen fände sich vielleicht noch ein Platz für ihn ... Ohne Zweifel ! sagte die Herzogin , aber - wandte sie sich jetzt zum Grafen , der sich zurückziehen wollte , und plötzlich wie im heroischen Entschluß : Ich will erst noch die Unglückliche sehen ... Madame - lehnte der Graf ab ... Es ist ein schmerzlicher Anblick - ... Perché ! erwiderte sie ... Kennen Sie etwas Schöneres , als den Tod ? ... Gestatten Sie mir dies Opfer ... Principe ! rief sie ... Meine Herren ! Bedienen Sie sich Ihrer Pferde und des zweiten Wagens ! Ich folge mit dem Herrn von - - Asselyn ! - ergänzte der Fürst ... Die Herzogin hatte schon wieder Benno ' s Namen vergessen ... Graf Hugo machte eine ablehnende Bewegung ... Benno jedoch , fast von Freude erregt bei allem Schauer , bedeutete den harrenden Diener der Herzogin , vorauszugehen , er selbst würde später seine Gebieterin hinunterbegleiten ... Der Graf ließ nun wieder den Saal aufschließen , bat mit stummer Geberde um Entschuldigung und kehrte über die Stiege in Angiolinens Wohnzimmer zurück mit der ihm von Benno gegebenen Versicherung , daß er sofort auf die Herrengasse eilen würde , um für den Empfang der Gräfin Mutter und die vorsichtige Einleitung der Schreckensnachricht zu sorgen ... Die Herzogin betrat den dunkeln Saal ... Benno folgte , schon an die erschütternde Situation gewöhnt ... Mit fester Hand lehnte er die hohe Thür an , die Dienerin bedeutend , sie beide allein zu lassen ... Ein spärliches Licht fiel in den weiten hohen Raum durch einen einzigen geöffneten Fensterladen ... Die Herzogin trat näher und sah auf die Todte , von deren Antlitz Benno ein leichtes Tuch nahm ... Welch schmerzlicher Anblick ! ... hörte er sie leise sprechen ... Wie jung - wie schön ! ... Fünfundzwanzig Jahre ... Fünfundzwanzig Jahre schon ? ... Am Mund sieht man das und an der Stirn ... Großer Gott , die Stirn blutet noch ... Warum mußte sie auch der wilden Olympia begegnen ! ... Ihr Roß scheute ... Daher wol dies Unglück ... Glauben Sie , daß die Gräfin die Schuld trägt ? ... Benno hätte sagen mögen : Oder Ich ! Denn um meinetwillen kam Olympia ! ... Eine elektrische Kraft gab ihm den Muth , zu erwidern : Das Leben ist eine Kette von Ursachen und Wirkungen ... Wir geben uns auf diese Art alle einander den Tod ... Diese Arme würde hier auch ohne die Gräfin liegen ... In der That ? ... Aber der Graf betet sie doch an ? ... fragte die Herzogin ... Seine Liebe war ein schöner Traum ... Vor einigen Stunden sagte er ihr , daß sie erwachen müßte ... Ich verstehe ... sprach die Herzogin seufzend ... Armes Kind , du wolltest kein Erwachen ... Wen heirathet der Graf ? ... Eine Gräfin Paula von Dorste-Camphausen , Nichte des Kronsyndikus von Wittekind-Neuhof ... Die Herzogin zuckte zusammen ... Sie erhob sich , sah geisterhaft um sich , betrachtete Benno , dann athmete sie tief und schwer und beugte wieder das Haupt ... Benno war nicht so grausam gewesen , diesen Namen seines Vaters zu scharf zu betonen ... Er knüpfte gleichsam nur an die Erwähnungen von vorhin an ... Sie kannten - diesen Syndikus der Krone ? sprach die Herzogin nach Gleichgültigkeit ringend ... Benno erwiderte : Ich sah ihn nur auf der Bahre , als man ihn in die Gruft seiner Väter senkte - Er lag - ganz ebenso , wie hier - ... Benno hielt inne , um nicht zu viel zu sagen ... Eine lange Pause trat ein ... Schon wollte sich die Herzogin , die das Bedürfniß zu haben schien , sich von Benno über jene Familie , der sie so nahe stand - im Wagen mehr erzählen zu lassen , zur Thür wenden ... Jetzt oder nie ! riefen Benno ' s innere Stimmen und so wagte er die Worte - » Seine Tochter « - die er nicht ausgesprochen , zu umschreiben ... Ich denke mir , sagte er , daß der Kronsyndikus in seiner Jugend Aehnlichkeit mit den Gesichtszügen dieser Unglücklichen da hatte ... Sehen Sie nur diese Stirn ... Tritt sie nicht ganz so - trotzig hervor , wie - bei - jenem - Tyrannen ? ... Das Antlitz der Herzogin vibrirte ... Sie horchte der seltsamen Vergleichung hoch auf ... Benno , dem Himmel dankend über seine Gewandtheit , in der Sprache seiner Mutter ohne das mindeste Hinderniß reden zu können , fuhr fort : Sehen Sie , da liegt noch die Schere , mit der der Arzt die Haare von der Wunde wegschneiden ließ ... Die schönen Haare ! ... Ich nehme diese Locken zu deinem Angedenken mit , arme - - Schwester ! ... Diese Anrede wurde