scheinen , hat er das Verdienst , völlig abweichend vom Hergebrachten , zuerst gewagt und durch charakteristisch siegreiche Behandlung in die moderne Kunst eingeführt zu haben . Gegen die ausschließliche oder auch nur vorzugsweise künstlerische Berechtigung des Vaterländischen , des altenfritzig Zopfigen , scheint er freilich allezeit starke Bedenken unterhalten zu haben , viel stärkere , als man geneigt sein könnte bei einem Manne anzunehmen , dem es vorbehalten war , eben nach dieser Seite hin epochemachend aufzutreten . Aber ebenso wenig wie er den Realismus ausschließlich wollte , ebensowenig verkannte er sein Recht . Die alten , hergebrachten Formen reichten für ein immer reicher und selbständiger sich gestaltendes Leben nicht mehr aus . Er empfand das tiefer als andere . Im Einklang mit seiner ganzen Natur erschien ihm die Kunst nicht als ein allein dastehendes , einfach dem Schönheitsideal nachstrebendes Ding , vielmehr sollte sie dem wirklichen Leben in der Vielheit seiner Erscheinungen und Ansprüche dienen , um es hinterher zu beherrschen . Das Loslösen der Kunst vom lebendigen Bedürfnis war ihm gleichbedeutend mit Tod der Kunst . So entstanden jene Arbeiten , die unser Stolz und unsere Freude sind . Die Ausführung dessen , woran seine Seele zumeist gehangen hatte , des Friedrichs-Monuments , blieb ihm freilich versagt , als Beweis aber , wie bescheiden und patriotisch zugleich er seine Tätigkeit auffaßte , stehe hier zum Schluß , was er selber bei Gelegenheit seines Zietenstandbildes schrieb : » Ein zwar weniger kostbares , aber deshalb nicht minder beachtenswertes Zietendenkmal als das meinige , ist die Lebensbeschreibung des alten Helden , die Frau von Blumenthal herausgegeben hat . Sie gibt in diesem Buche das ausgeführte Bild eines frommen und tapferen Soldaten , schildert den Geist seiner Zeit und flößt , bei angenehmer Unterhaltung , die Liebe ein zu König und Vaterland . « So schrieb der Alte und so war er . Gröben und Siethen Gröben und Siethen 1. Gröben und Siethen unter den alten Schlabrendorfs 1. Gröben und Siethen unter den alten Schlabrendorfs Von 1416 bis 1786 Um 1416 gab es in Gröben und Siethen keine Gröbens mehr ; an ihre Stelle waren die lausitzischen Schlabrendorfs getreten , die sich nach dem bei Luckau gelegenen Dorfe » Schlabrendorf « nannten , gerade so wie sich die Gröbens in voraufgegangener Zeit nach dem im Teltow gelegenen Dorfe Gröben ihren Namen gegeben haben . Aus den ersten zwei Jahrhunderten der Anwesenheit der Schlabrendorfs in Gröben und Siethen wissen wir wenig von ihnen . Es scheint nicht , daß sie sich hervortaten , einen ausgenommen , Johann von Schlabrendorf , der in die geistliche Laufbahn eintrat und in dem Jahrzehnte , das dem Auftreten Luthers unmittelbar voranging , zum Bischof von Havelberg aufrückte . Wegen seiner Vorliebe für die Prämonstratenser behielt er die Tracht derselben bis an sein Lebensende bei . » Es wird ihm nachgerühmt « , so schreibt Lentz in seiner Stiftshistorie von Havelberg , » daß er ein rechter Geistlicher gewesen , der fleißig in der Bibel gelesen und seine horas canonicas selber abgewartet , auch mit seinen Canonicis einen Vers um den andern dabei gebetet habe . Daneben hab ' er auch auf seiner Burg zu Wittstock als ein rechter Herr und Fürst zu leben und einen konvenablen Hofstaat mit einem zahlreichen Gefolge von Rittern und Edelknaben zu halten gewußt . Ebenso Koppeln und Meuten und einen wohlbesetzten Marstall . Ingleichen auch hab ' er der Armen nicht vergessen und sie mit Bier und Brot allezeit reichlich versorgt . « So Lentz in seiner Stiftshistorie . Daß dieser Bischof aber speziell dem Hause zu Gröben entsprossen gewesen , dafür spricht mit großer Wahrscheinlichkeit ein noch jetzt in der Gröbener Kirche befindliches Glasfenster , das in seinem Oberteile die Bischofsmütze samt zwei gekreuzten Bischofsstäben , darunter aber das Schlabrendorfsche Wappen zeigt . Aus dem Gröbener Kirchenbuch Auf dieses Vorerzählte beschränkt sich alles , was wir durch zwei Jahrhunderte hin einerseits von den Schlabrendorfs selbst , andrerseits von den ihren Hauptbesitz bildenden Schwesterdörfern Gröben und Siethen wissen , und erst von 1604 ab , wo Pastor Johannes Thile I. ins Gröben-Siethener Pfarramt eintrat und das seit 1575 bestehende Kirchenbuch eifriger als seine Vorgänger zur Hand nahm , um Aufzeichnungen darin zu machen , erst von diesem Jahre 1604 an er fahren wir Eingehenderes aus dem Leben der beiden Dörfer . Um eben dieser Aufzeichnungen willen , die – mit Ausnahme der Schlußepoche des Dreißigjährigen Krieges – durch alle Nachfolger Johannes Thiles I. getreulich fortgesetzt wurden , ist denn auch das Gröben-Siethener Kirchenbuch ein wahrer historischer Schatz und für die Kultur- und Sittengeschichte der Mark von um so größerem Wert , als es im ganzen genommen in unsrem Lande doch nur wenige Kirchenbücher gibt , die bis 1604 zurückgehen . Es ist ein vollkommner Mikrokosmos , dem wir in diesem alten , wurmstichigen und selbstverständlich in Schweinsleder gebundenen Bande begegnen , und alles , was das Leben , und nicht bloß das Leben einer kleinen Dorfgemeinde , zu bringen vermag , das bringt es auch : Krieg und Pest und Wasser- und Feuersnot und Mißwachs und Mißgeburten . Und daneben Unglück über Unglück , heut auf dem Gröbener und morgen auf dem Siethener See . Fischer ertrinken , Brautzüge werden vom Sturm überrascht und in Winterdämmerung Verirrte brechen ein in die kaum überfrorenen Lumen oder erstarren in dem zusammengewehten Schnee . Dazu Mord und Brand , und Stäupung und Enthauptung , und auf jedem dritten Blatte das alte Lied von Ehebruch und » Illegitimitäten « aller Art , an die sich dann regelmäßig und wie das Amen in der Kirche die pastoralen und meist invektivenreichsten Verurteilungen knüpfen . Aber immer im Lapidarstil . Und nun möge das Kirchenbuch sprechen . Aufzeichnungen des Pastors Johannes Thile I 46 In diesem Jahre 1609 ist Herr Ernst von Schlabrendorf , Erbherr auf Gröben und Siethen , aus dieser Zeitlichkeit geschieden . Er war vermählt mit Ursula von Thümen , aus welcher Ehe demselben zwei Söhne geboren wurden : Joachim von Schlabrendorf und Melchior