junge Fürst ... Ist es eine Verwandte vom Grafen ? .. Sind Sie gern bei Todten ? ... Ich nicht ... Verweilen Sie noch lange hier ? ... Kommen Sie mit uns zurück ... Diniren wir vielleicht zusammen ? ... Waren Sie bereits schon im » Schwan « ? ... Gefällt Ihnen diese Gegend ? ... Benno stand nur hörend und sehend ... Antworten zu geben war seine Zunge gelähmt ... Die Herzogin durchschritt die kleine dunkle Baumanlage ... Als wenn sie Benno ' s Gedanken errathen hätte , der sich sagte : Sieh sie dir nur an , diese nordischen Tannen , die du so hassest ! ... Sie belächelte nach einem kurzen conventionellen Bedauern des hier stattgehabten Unglücks , die Aeußerungen des Principe über die schöne Natur ... Um das schönste Panorama von Berg , Strom , Wald , Ebene und in der Mitte der von sonnigen Nebeln umzogenen Stadt mit dem riesigen St.-Stephan gleichgültig anzusehen , stieß sie mit der Fußspitze die Zweige aus dem Wege und verrieth nicht minder , wie der Principe , nur die größte Ungeduld , sich wieder entfernen zu können ... Als sie hörte , daß die Offiziere noch im Hause wären , sagte sie , man sollte doch nur ruhig den Grafen seinem Schmerz überlassen ... Ist sie eine Verwandte von ihm ? fragte sie dazwischen ... Mit einer festen Betonung ihrer tiefliegenden und bei längerem Sprechen ungleichen , ja rauhen Stimme schloß sie : Was kann man da thun ! ... Nicht düstrer erhoben sich ringsum die herrlichen Bäume , als Benno nur so stand und sah und hörte ... Die Offiziere waren wieder inzwischen aus dem Hause getreten und erklärten , nur noch auf die Aerzte warten zu müssen , die sie mit zurückzunehmen hätten ... Vom Grafen sagten sie , daß er in den obern Stock , in die Wohnzimmer der Unglücklichen gegangen wäre ... Angiolinens Stellung zum Grafen wurde mit drei Worten angedeutet ... Die Herzogin horchte auf ... La Povera ! sagte sie - und wollte fort ... Für den Principe begann der Vorfall jetzt interessanter zu werden . Er bekam Lust , die Unglückliche zu sehen ... Während er den Offizieren unschlüssig folgte , fragte die Herzogin den zurückbleibenden Benno , dessen starr auf sie gerichtete Augen ihr auffallen mußten ... Aus welchem Theil Deutschlands sind Sie ? ... Benno , nun entschlossen , nannte denjenigen Theil , der sie aufmerksam machen mußte ... Aus der Gegend von Kassel ... Darauf hin betrachtete sie ihn schärfer ... Ihr Auge blitzte ... Vorher war sie nur so apathisch gewesen , weil sie an völlig anderes dachte - vielleicht an das , was Benno eben mit einem einzigen Worte traf ... Benno hatte weniger von den Zügen des Kronsyndikus , als seine Schwester ... Er glich der Mutter ... Ganz sich sicher fühlend , fragte sie : Kennen Sie in jener Gegend ein Schloß - » Neiovo « - ? ... Sie meinte Neuhof ... Benno ' s Lippen bebten ... Jede Möglichkeit , sich in ihrer Person geirrt zu haben , war nun verschwunden ... Neuhof ? sagte er leise ... Wittekind-Neuhof ? ... Das sind von Kassel mehr als funfzehn Meilen ... Aber ... in der Nähe Kassels , fuhr er fort , liegt ... ein Schloß mit einem Park voll solcher Tannen , wie Sie hier sehen - Meinen Sie vielleicht - Altenkirchen ? ... Die Herzogin hatte einen Fächer in der Rechten ... Schon auf den Namen Wittekind-Neuhof schlug sie mit diesem Fächer unausgesetzt in die Linke ... Altenkirchen ! sprach sie , fast die Sylben des schweren Wortes zählend , und nun traten ersichtlich hundert Fragen auf ihre Lippen ... Die braunen Augen blitzten ... Eben kamen ihnen die Aerzte entgegen , zuckten die Achseln und riethen zum Gehen ... Sie sagten , der Graf hätte sich vor allen Zeugen seines Schmerzes verborgen und wäre oben auf Angiolina ' s Zimmern ... Im Hofe war alles still ... Am Hause vorübergehend sah man , daß eine Dienerin mit verweinten Augen eben auch den großen Saal schließen wollte , in dem die Leiche zurückblieb ... Die Herzogin stand auf das Wort » Altenkirchen « noch immer wie gebannt ... Sie sah die düstere Hinterfaçade des Hauses mit den kleinen Entresolfenstern an und hauchte , wie von Erinnerungen durchschauert : Wie ein Grabgewölbe das ! ... Eben hörte man das Drehen des großen Schlüssels ... Es klang wie ein : Es ist vollbracht ! ... Blick hin ! ... Komm ! ... Zum letzten mal ist es möglich , daß du das eine deiner Kinder siehst ! ... rief es in Benno ' s Innern ... Die Seelenmesse für sie , von der du eben sprichst , wirst du versäumen ! ... Jetzt , jetzt , wo du eben hörst , Graf Salem wäre ein Ketzer , laß dein Staunen , laß dein Fragen ! In diesen stillen Saal ruft die letzte Stunde - ... Kennen Sie die Familie der » Grafen « von Wittekind ? ... fragte die Herzogin ... Freiherren ! verbesserte Benno ... Eben diesem Geschlecht gehört Neuhof ... Die Herzogin stand eine Weile sinnend ; dann fragte sie : Sie bleiben noch hier ? ... Ich habe die Ehre , Ihnen heute Abend meine Aufwartung zu machen ... Bei Cardinal Ceccone ? ... Dort bin ich nie ! ... Aber speisen Sie morgen bei uns - im Palatinus ! ... Benno hatte dieser Aufforderung gegenüber keine sofortige Sammlung ... Die Herzogin wollte , schien es , mit ihm über die Schauplätze ihrer Vergangenheit reden ... Fürst Rucca , der nun doch vorgezogen hatte , seinem Auge den Anblick einer wenn auch noch so schönen Todten zu versagen , war bereits an der kleinen Holztreppe , als plötzlich wieder der Graf erschien ... Leise war er von oben gekommen , hatte schon seinen Mantel abgelegt , verbeugte sich der Dame , den Herren , reichte Benno die Hand und sprach :