- von dem Bruder , der sie emporhebt , gleitet der thränenschwere Blick des armen Mohrenmädchens auf den deutschen Arzt . Da stammelt sie seinen Namen , reißt sich los von dem Bruder und streckt Jenem das schlafende Kind entgegen . Er zaudert , er sieht sie mit verwunderten Blicken an , bis sie , mit der Linken das Kind an ihre Brust gepreßt , ihn mit der andern Hand in den Strahl der Lampe zieht und diese Hand ihm entgegenhält - auf dem vierten Finger der schwarzen Hand glänzt ihm der Granatreif , das Geschenk seiner Schwester , entgegen , den er der Unbekannten gegeben , die in der süßen Nacht von Madara sein Lager getheilt . Die Wahrheit überkommt ihn mit überzeugender Gewalt , und er drückt Weib und Kind an die Mannesbrust . Die Todtenklage des Jessaul ist verstummt ; flammenden Auges , Angst , Entzücken in allen Zügen , reißt der Colonel den Freund aus den Armen der schwarzen Sclavin zum Lager Iwanowna ' s - und legt seine Hand auf den Marmor-Busen , den so eben seine Lippen berührt . Der erfahrene Arzt fühlt sofort den leisen Schlag des Herzens , das noch pulsirende Leben . Sein Wink entfernt die Anwesenden mit Ausnahme Nursädih ' s und seine geschickte Hand beginnt sofort die Untersuchung der Wunden , die nur unvollständig verbunden sind . Nursädih erzählt ihm , daß der alle Jessaul die Fürstin bis in das Fort gebracht , daß Iwan , ihr Bruder , in rasender Leidenschaft , all ' ihre unendliche Aufopferung vergessend , mit einem Fluch sie dem Tode überlassen , weil sein Ebenbild Schmach auf seinen Namen gehäuft und der Rettung des Feindes ihres Volkes die Rettung Sebastopols geopfert habe , - und daß sie , erschüttert , mit gebrochenem Herzen , wieder in jene tiefe Ohnmacht gefallen , die die Unkundigen für den erlösenden Tod gehalten . Nach kaum zehn Minuten kann der Arzt dem Freunde die Versicherung bringen , daß keine der Wunden des hochherzigen Mädchens tödtlich ist , daß nur der starke Blutverlust ihren gefährlichen Zustand veranlaßt hat . Eine rasche Berathung der Männer folgt : die Möglichkeit einer Rettung Iwanowna ' s liegt in ihrer Entfernung aus dem Fort und man beschließt , sie zu versuchen . Eine Tragbahre ist rasch aus dem Lazareth herbeigeschafft und von liebenden Händen geordnet . Der Jessaul , dem der Colonel durch Nursädih volle Freiheit , zu gehen und zu kommen , zusichert , will Die nicht verlassen , die er so lange bewacht . Er und der Mohr nehmen die Trage , an deren Seite der Arzt und der Colonel sorgsam über die Bewußtlose wachend gehen , während Nursädih voran den nächsten Ausweg in die Stadt zeigt , ohne das Lazareth nochmals zu berühren , und der Zuaven-Sergeant den Rückzug deckt . Die Hand des allmächtigen Gottes ist über ihnen in den Gefahren der brennenden Stadt , der explodirenden Minen , und als die erste Morgendämmerung über den Höhen von Inkermann dämmert , sind sie bereits im Schutz der französischen Posten . François Bourdon , der tapfere Zuave , ist nicht allein , auf seinem Arm trägt der Tapfere ein junges Kind , dessen leises Wimmern ihn auf dem Wege durch die Straßen unter die Halle eines halb zerstörten Hauses gelockt und das der leicht zum Mitleid bewegte Soldat aus den Armen einer blutbedeckten erstarrten Frau genommen . Er bringt das Kind dem Regiment als Ersatz für die jetzt todte Schwester ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es ist wiederum Mittag - auf dem Malachof-Hügel sitzen , drei Männer , ernst und düster auf die zerstörte Stadt , auf die blaue Rhede schauend , von der die mächtige Kriegsflotte des Pontus , der Stolz Rußland ' s , verschwunden ist , verbrannt , versenkt in die Tiefen des Meeres , das sie so lange beherrscht . Noch dampfen und rauchen die Ruinen der Stadt , noch donnert in langen Zwischenpausen eine einzelne Explosion und von den Nordforts herüber dröhnt von Zeit zu Zeit ein warnender Schuß . Einzelne Haufen plündernder Soldaten sind bereits in die Vorstadt hinabgestiegen , aber noch wagen nur Wenige , weiter vorzudringen , obgleich man die Stadt jetzt vom Feinde verlassen weiß . Tausende sind beschäftigt , weite Gräber zu graben , in denen die erbitterten Gegner friedlich neben einander schlafen sollen , bis ein anderer Trompetenstoß sie weckt - zum ewigen Weltgericht . Man muß eilen mit den Leichen , denn die Sonne des Südens brennt verwesend und giftige Fliegenschwärme umsummen bereits die Todten . Am Fuße des Malachof-Hügels , zu Füßen der drei Männer , graben Zuaven ein einzelnes Grab - an dessen Seite harmlos ein zweijähriger Knabe spielt . Es ist Nini ' s Grab , und die Hand des Bruders bettet sie in den Schooß der Erde . Wie Kinder schluchzen die bärtigen wilden Gesellen , die gleichmüthig als Loos der Schlachten tausend tapfere Kameraden an ihrer Seite fallen sahen . - Die Augen der drei Männer am Hügel schweifen über die Gräber und über die Trümmer - suchend und suchend - vielleicht bis der Tod sie selbst nimmt . Der Eine hat auch den Liebling vor wenig Stunden in die Erde gebettet - er schaut jetzt nach dem Letzten seiner Enkel , welches der weiten Gräber vielleicht ihn birgt - denn allein ist Fürst Iwan aus dem Kampfe zurückgekehrt ! - Der alte Pole an seiner Seite sucht den Einzigen , den Knaben seines Herzens , und sein greises Auge sieht hinüber nach den Felswällen der Sievernaja , als könne es sie durchdringen und erkunden , ob sie den Geretteten bergen ? - Der Dritte - der stolze Baronet , schaut mit gefalteten Händen , mit unstätem , verzweifelndem Blick auf die riesige Trümmer- und Todesstätte und ahnt nicht , wie nahe ihm das Ersehnte , wenn die