vor sich und war nicht wenig erstaunt darüber . Jetzt hätt ' er seinem Sohne mögen in ' s Ohr schreien : Was ist Das ? Was geschieht da ? Was kann ich Alles nicht sehen ? Und er sah wiederum doch deutlich vor sich , wie dieser dumm zuglotzte und immer auf sein Hufeisen zuschlug . Eine unbeschreibliche Ungeduld faßte den Blinden . Er folgte Pfannenstiel und hörte , daß dieser immer weiter abseits mit den Arbeitern trat , sodaß er voller Zorn und Ärger ihnen nachrief : Gott verdamm ' mich ! Ich zahle keinen Groschen Lohn , wenn bis heute Mittag nicht die Krammen fertig sind und das Dach . Schlag ' das Wetter drein , Herr Amtsvoigt , haltet mir das Volk nicht noch vom Arbeiten ab ! Die beiden Arbeiter kehrten zurück . Pfannenstiel entfernte sich , ohne ein Wort zu sagen ... Diese Stille , dies Schweigen hatte für den Blinden etwas furchtbar Peinliches . Er rannte umher wie ein taumelnder Stier . Er verlor selbst die Kenntniß des Ortes , in dem er sich befand . Der Sohn , bei alledem halb lachend , weil sich der Alte stieß , mußte ihn zurechtführen und ihn dadurch zur Besinnung bringen , daß er ihm den Strick des Blasebalgs in die Hand drückte . Erst diesen anziehend , fand sich der Blinde zurecht und dachte den fremden und räthselhaften Eindrücken nach , die ihn umgaben . Seit Jahren war er gewöhnt , alles Fremde von sich fern zu halten . Nichts durfte in seiner Nähe festen Fuß fassen , Keiner mit den Dingen , die ihn betrafen , vertraut werden . Anfangs hatte er alle Monate eine neue Magd , erst später behielt er die Anneliese auf Empfehlung , ja dringendes Verlangen seiner Schwester Ursula , die die Veranlassung gewesen war , daß er in Plessen wohnte . Sie hatte ihn mit in das Forsthaus gebracht und dann , als seine Unruhe , sein Arbeitseifer sich nicht dort zurechtfanden , nach Marzahn ' s Tode von der Fürstin Amanda die Mittel und Erlaubniß erhalten für die Schmiede , die Zeck anlegte . Seit Jahren hatte er emsig nach Kräften seinen Pflichten obgelegen und den einen Gedanken als sein Lebensziel verfolgt , seinem Jungen Geld , Geld , baares Geld zu hinterlassen , und seit dem Tage , daß ihm von Ackermann im Auftrag eines Verwandten , Namens Morton , nun viel Geld gebracht wurde , hatte er keine Ruhe mehr . Er schlief schlechter . Er war von Träumen gequält , er sprach vom Sterben und ging doch nicht mehr wie sonst , unter der Fürstin Amanda , in die Kirche . An seiner Schwester Ursula hatte er vollends keinen Halt mehr . Seit einiger Zeit war diese sonst so verschmitzte und scharfdenkende Schwester schwachsinnig geworden . Sein Mistrauen kannte keine Grenzen . Es ging so weit , daß er oft Tage lang glaubte , nicht allein zu sein , sondern belauscht , beobachtet zu werden . So fern ihm der Gedanke lag , in Murray seinen wiedergekehrten , ohnehin todtgeglaubten Bruder zu vermuthen , so beunruhigten ihn doch schon die wenigen Worte , die seine verdächtigen Gesellen von jenem Fremden auf dem Schlosse gesprochen hatten . Am liebsten hatte er , wenn Alles um ihn her lustig , lärmend war . Sonntags ging er auf die Kegelbahn , in die Schenke , hörte Tanzmusik und freute sich des Wirrwarrs , Lärmens und Jubelns . Er machte nichts davon mit , seit Jahren nicht , litt auch nicht , daß sein Sohn von seiner Seite wich . Er wußte , daß Der zu alle Dem , was Andern gut stand , unanstellig war . Aber das Lärmen und Toben , das laute Lachen und Singen übertäubte , ergötzte ihn . Er wußte dann , daß er unter Menschen war , die nicht lauerten und von seiner Blindheit keine Vortheile zogen . Gepeinigt von dem Schweigen seiner Gesellen , wie vorhin von ihrem Reden , hörte er endlich , daß die zehnte Stunde nahe war . Anneliese deutete es ihm durch ein Frühstück an , zu dem er wenig Appetit verspürte . Dennoch stärkte er sich wider Willen . Schon die Hast , etwas zu greifen , etwas Äußerliches sein zu nennen , that ihm wohl . Das gierige Schlingen seines Sohnes war ihm tröstlich . Er sollte ihn begleiten . Sie nahmen leichte Handwerkszeuge und machten sich auf den Weg . Das Wetter war rauh und kalt . In der vergangenen Nacht hatte es schon gefroren . Der Weg zum Schlosse hinauf war jetzt so hart , wie noch vor Kurzem schlüpfrig und glatt . Oben schon kam Brigitte und sprach von der Abreise des lieben Herrn , der die Nacht da geschlafen hätte und von der großen Freundschaft der beiden jungen Männer für einander , was ihr völlig unwahrscheinlich mache , daß Herr Louis nichts als ein simpler Tischlergesell wäre . Auch Herr Oleander wäre schon oben gewesen und hätte dem feinen Herrn Abschied gesagt und ihn tausendmal gebeten , bald wieder zu kommen . Zeck nahm das Alles mit dem Lachen auf , das sich in den Mienen , wenn sie neugierig sind , festsetzt , ohne daß das innere Herz an Lachen denkt . Der Junge führte ihn . Doch war es nicht nöthig , der Blinde fand sich im Schlosse so sicher zurecht wie in seiner Schmiede . Hatte er doch allen Abendconventikeln der Fürstin beigewohnt ! Kannte er doch das große Zimmer , wo das Pianoforte stand , wo man Gesangbuchverse sang , ein Gebet hörte und zuletzt Warmbier , oft sogar noch wollene Winterstrümpfe bekam ! Auf dem Corridor trat ihnen aber Louis Armand entgegen . Der Blinde kannte die Stimme des jungen Mannes von der amerikanischen Mühle her . Nun , sagte Louis , jetzt sollt Ihr einmal etwas Feineres zu schmieden bekommen ! Falls es Euch möglich ist , auch an solche Arbeiten zu gehen . Aber