noch schweigen ? ... Seine Nerven zuckten , seine Lippen fieberten , seine Augen verdunkelten sich bei diesem Gedanken ... Er riß seinen Oberrock auf ... Er fürchtete zu ersticken ... Die Offiziere näherten sich ihm und erzählten den Vorfall so , daß der Graf seine Gereiztheit gegen sie zurücknehmen mußte ... Auch waren sie schon an der Leiche bei ihm gewesen ... Benno hörte nur ... Der Traum eines Fieberkranken währte fort ... Eben kam wirklich der vierspännige Wagen langsam die Landstraße daher ... Die Menschen , die bei Benno bald stehen blieben , bald vorübergingen , nannten den Namen der Herzogin von Amarillas ... Die Offiziere gingen der Herzogin theils entgegen und theils ins Casino wieder zum Grafen ... Benno blieb hinter einer der großen Nadellaubpyramiden ... Er stand , als müßte er sich vor dem ganzen Leben verbergen ... Eine hohe stattliche Dame in den südlichen , für unsern Geschmack nicht üblichen Farbenzusammenstellungen , mit grünem Atlaskleide , einem rothen Sammethut mit Maraboutfedern , stieg die Erlenholztreppe hinauf , vermied das Casino , kam zu der Tannenallee und ging an Benno vorüber ... Neben ihr hüpfte in trippelnder Unruhe Principe Rucca , noch immer mit dem schwarzen Streifen an der Stirn ... Noch zwei Herren und ein Diener folgten ... Der kleine Principe sah sich ängstlich um ... Er wollte offenbar nur ungern bleiben ... Der Tod war hier so nahe ... Da erkannte er Benno hinter den Tannen , begrüßte ihn mit der ganzen Ueberraschung , die in der Situation lag , nannte ihn den Salvatore della sua vita und stellte ihn der Herzogin von Amarillas vor ... Den Sohn - der Mutter ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die » Stimme des Blutes « ist eine Täuschung ... Wo der Geist nicht die Empfindungen regelt , können diese durch sich selbst nichts erkennen ... Die Empfindungen der Liebe , der Freundschaft durchströmen uns mit wonnigen Schauern ; aber erst die Seele ist es , der Wille , der Gedanke , der den Empfindungen Ausdruck und Klarheit geben muß ... Die Herzogin von Amarillas , auf Benno aus einem bleichen Antlitz voll kalter Würde einen scharfen prüfenden Blick entsendend , wußte , daß dieser junge Mann der Gräfin Olympia , ihrer Pflegbefohlenen , zweimal begegnet war und daß heute in der Frühe , nach Abgabe der der Gräfin von den Dienern des Principe mitgetheilten Visitenkarte , die Adresse Benno ' s sofort von allen Lohnbedienten des Hotels hatte aufgesucht werden müssen ... Schon die Diener kannten das Interesse , das die junge Gräfin an dem » Lebensretter « des Fürsten nahm ... Nach einer Stunde wußte Olympia Maldachini Benno ' s Wohnung und seine Ausfahrt nach dem Schlosse Salem ... Die Herzogin sah in ihrem Zögling eine Leidenschaft entstanden von jener Consequenz , die ein wildes Naturkind sonst nur im Haß und Eigensinn besaß ... Olympia wollte ins Gebirg reiten und das Schloß Salem sehen ... Ein Widerspruch war nicht möglich ... Olympia beantragte diese anstrengende , weit über ihre Kräfte gehende Partie , die Herzogin versprach nachzukommen in Begleitung des Principe ... Olympia ritt mit den Freunden ihres Verlobten , erlebte - veranlaßte vielleicht das Unglück und war zur Stadt zurück ... Der Name » von Asselyn « auf der abgegebenen Karte hätte sich der Sängerin Fulvia Maldachini vom Dechanten her befestigt haben sollen ... Ihr klang in der Erinnerung ein deutscher Name wie der andere ... Sie war Olympia mismuthig nachgefahren , verlor ihre Spur , ließ dem Gebirge zu weiter fahren , kehrte zurück und hörte von dem vorgefallenen Unglück ... Dem Principe war es peinlich , ein Haus des Todes zu besuchen ... Er kam nur herauf , um die italienischen Offiziere zu begrüßen ... Nachdem diese ihr Beileid bezeigt hatten , wollten auch sie mit ihm und der Herzogin zur Stadt zurück ... Einige Offiziere hatten noch ihre Pferde ... Für die Aerzte , für den Principe , für die Herzogin und die Unberittenen gab es jetzt zwei Wagen ... Principe Rucca war für Benno die Zuvorkommenheit selbst ... Er konnte die Gefahr vor dem Elefanten nicht lebensgefährlich genug darstellen ... Er erzählte auch jetzt noch jedem , daß ihn ein Elefant gestern hätte zum Frühstück verspeisen wollen ... Benno antwortete und ließ das Erzählte gelten und wich ruhig aus ... Der Principe mußte von seiner Verlobten Befehle erhalten haben , die auf eine sofortige Fesselung des ihr so Werthgewordenen gingen ... Inständigst bat er , ihm gestatten zu wollen , daß er ihn heute Abend abholte und in eine Gesellschaft zum Cardinal Ceccone führte , der auch bereits das lebhafteste Interesse an den Tag gelegt hätte , ihn kennen zu lernen ... Die Herzogin hörte mit einigem Interesse das im geläufigsten Italienisch geführte Gespräch , wandte sich aber ab und unterstützte diese Einladung nicht ... Ihr Lächeln gab ihr einen Schimmer der ehemaligen Schönheit ... Sie war von ebenmäßiger , schon zum Embonpoint übergegangener Gestalt ... Ihr Auge dunkelbraun und voll Feuer ... Die Augenbrauen überscharf gezeichnet ... Das Haar nicht echt ... Auch die Zähne schwerlich ohne Beihülfe der Kunst so wohl noch an einander gereiht ... Ihre Haut dunkel , etwas gelblich ... Die Wangen , die Nase , das Kinn , noch von plastischer Schärfe ... Würde man ihr den geschmacklosen Hut abgenommen , den falschen Scheitel entfernt , das graue Haar aus der Stirn nach oben zusammengewunden , gefärbt , vielleicht mit Goldstaub überstreut haben , so wär ' es eine der Gestalten gewesen , in deren Betrachtung wir uns in Museen verlieren ... Eine Imperatorenmutter mit blutigen Erinnerungen ... Terschka , der Jesuitenzögling in Rom , sah einen solchen Kopf als Herme in den quirinalischen Gärten des Heiligen Vaters ... Ist sie ganz todt , die Arme ? näselte der