das war ihr Lebewohl gewesen ! So stand er in ihrer Erinnerung ! Eins freilich würde es auslöschen , in Thränen auslöschen , die sie ja wohl weinen würde , wenn er ihr dies Vermächtnis hinterließ . Warum sollte er sich diese Thränen nicht erkaufen ? Er setzte sich zum Schreiben nieder , es war bald gethan . Der Brief an Edith Marlow enthielt überhaupt nur drei Worte : » Lebe wohl ! – Felix . « – Der zweite , an Ernst Raimar gerichtet , war auch nur kurz , aber inhaltreich , er setzte mit fester Hand die Unterschrift darunter : » Felix Ronald . « Dann schloß er beide Briefe in ein größeres Couvert , versiegelte es und adressierte an Bankier Marlow . Nun war es geschehen , nun hatte er Ruhe – auch vor dem Toten ! Felix Ronald trat an den Kamin , wo noch die Glut leuchtete , und warf das Bild hinein . Die Flamme züngelte auf und erlosch nach einigen Minuten , es war vernichtet . Jetzt verschloß er die Thür – mit leisem Klirren drehte sich der Schlüssel um , wie damals – und dann waltete die Nemesis ihres Amtes ! Erwachen ! Das verheißungsvolle Wort auf dem alten , verwitterten Grabdenkmal des kleinen Waldfriedhofes war wieder einmal zur Wahrheit geworden für die Erde . Drei Jahre waren dahingegangen , und über vergessenen Menschenschicksalen erblühte die Welt aufs neue im Frühlingsleben . Die gute Stadt Heilsberg erfreute sich noch immer ihrer idyllischen Ruhe und Abgeschlossenheit . Hier hatte sich nichts verändert , nur der bisherige Notar war fortgezogen , und die Heilsberger Kanzlei hatte einen neuen Vertreter . Sonst war nichts passiert , aber die Stadt war und blieb » historisch « , und das genügte . In Steinfeld und Neustadt dagegen hatten sich tiefgreifende Aenderungen vollzogen , allerdings nicht zum Vorteil der beiden Orte . Die Steinfelder Werke , die anfangs für die Ronaldsche Konkursmasse verwaltet wurden , hatten wieder einen Herrn gefunden , der sie für einen verhältnismäßig sehr geringen Preis erstand , aber nicht daran dachte , den großen Betrieb aufrecht zu erhalten . Dieser ganze riesige Bestand von Arbeitermassen , Gebäuden und kostspieligen Einrichtungen war ja nur Blendwerk gewesen , das zeigte sich bei dem Zusammensturze . Ein wirklicher Ertrag war nur möglich , wenn man das alles auf ein ganz bescheidenes Maß zurückführte , und das geschah denn auch . Die Arbeiter wurden zum größten Teil entlassen , die überflüssigen Baulichkeiten verkauft oder an Pächter abgegeben und das Hüttenwerk selbst fortan so betrieben , wie die anderen Unternehmungen zweiten oder dritten Ranges . Neustadt , das seine Bedeutung ja nur den Steinfelder Werken verdankte , verlor sie naturgemäß mit ihnen . Die Arbeiterquartiere in der Vorstadt standen teilweise leer , der rege Verkehr mit den Kolonien , der der Stadt unberechenbare Vorteile gebracht hatte , wurde sehr eingeschränkt , und die Beziehungen , in denen die Werke durch ihren früheren Chef zu Berlin und zu dem Auslande standen , hörten völlig auf . Wenn auch nicht gerade das Gras in den Straßen Neustadts wuchs , wie die » Burgwarte « es prophezeit hatte , so war doch seine Blütezeit als Industrieort unwiederbringlich dahin . Ernst Raimar war nach Berlin übergesiedelt , allerdings zum großen Mißbehagen der Heilsberger . Die ganze Stadt sonnte sich in seiner Berühmtheit , und nun ging er auf und davon . Sein » Hexengold « , dieser kühne Angriff auf den damals noch allmächtigen Ronald , und seine glänzende Verteidigungsrede in jenem Prozeß hatten ihn mit einem Schlage dem Dunkel seines bisherigen Lebens entrissen und überall bekannt gemacht . Die Woge der Zustimmung und Begeisterung , die ihn emportrug , war noch nicht verrauscht , als ein anderes Ereignis ihn aufs neue in den Vordergrund stellte – die Selbstanklage Ronalds , der noch sterbend der Wahrheit die Ehre gegeben und sich als den Schuldigen bekannt hatte beim Diebstahl jener Depots . Es war selbst an der Schwelle des Grabes noch ein Akt der schwersten Selbstüberwindung , aber es nahm den Makel von dem Namen und der Ehre des verstorbenen Raimar und das » Verhängnis « aus dem Leben seines Sohnes . Jetzt konnte Ernst die so lange gebundenen Flügel regen , und er regte sie so mächtig , daß man nicht begreifen konnte und wollte , wie ein Mann von dieser Begabung so lange unbemerkt geblieben war . In Berlin fand er überall offene Thüren , und es war nur natürlich , daß alle , die den Vater gekannt und ihm unrecht gethan hatten , Bankier Marlow an der Spitze , nun dem Sohne eine Art von Abbitte leisteten , indem sie ihm das äußerste Entgegenkommen zeigten . Es war eigentlich merkwürdig , daß dabei immer nur von dem älteren Bruder die Rede war . Max erfreute sich doch auch noch des Daseins und galt auch für ein Talent , obgleich man noch immer nichts davon merkte . Er hatte zwar die Popularität seines Namens nach jener Enthüllung nach Kräften ausgenutzt und überall seine Studien ausgestellt , denn bis zu einem großen Bilde war er auch jetzt nicht gekommen . Seine Leistungen wurden auch freundlich bemerkt und besprochen , weil er eben Raimar hieß , aber dauernd war dieser Erfolg nicht in dem bewegten Treiben der Großstadt , wo ein Interesse das andere verdrängte . Ernst blieb im Vordergrunde , weil er eine bedeutende Persönlichkeit war und seinen Platz zu behaupten wußte ; Max trat wieder vollständig in den Hintergrund und hatte es trotz krampfhafter Anstrengungen noch immer nicht zu einer reichen Heirat gebracht , die bekanntlich der Zweck seines Lebens war . Er sehnte sich noch immer nach einer Lebensgefährtin mit der nötigen Vergoldung , die ein grausames Geschick ihm hartnäckig vorenthielt . Gernsbach wurde wie sonst von dem Pächter bewirtschaftet , das Herrenhaus lag meist still und verschlossen da , aber um so lauter und lustiger ging es dort zu , wenn Major Hartmut mit Frau Gemahlin und Fräulein Tochter