! “ Erschreckt und fragend richteten sich die Augen des jungen Mädchens auf ihn , er schüttelte finster das Haupt . „ Meinen Sie etwa , ich hätte eine Todsünde begangen ? Ich habe gepredigt , wie es mich die Begeisterung des Augenblicks und ein warmes Herz für meine unterdrückten Brüder lehrte , nicht wie Roms Kirche es vorschreibt . Das fordert Sühne , man hat im Stifte bereits über mich zu Gericht gesessen , ich weiß es ! Ich habe nur noch mein Urtheil zu empfangen . “ „ Und was kann man Ihnen denn anthun ? “ „ Alles ! “ Lucie machte eine unwillkürliche Bewegung des Schreckens . [ 172 ] „ Mein Bruder sagt , “ begann sie schüchtern , „ es sei gefährlich , die Herren im Stifte zu reizen . Wenn Sie sie gereizt haben – o mein Gott , so kehren Sie doch nicht zu ihnen zurück ! Bleiben Sie hier oder fliehen Sie ! es kann Sie ja in ’ s Verderben bringen . “ Sie hatte keine Ahnung davon , daß die unbewußte Angst , welche sie auf einmal mit dem Gedanken seiner Gefahr überkam , sich auch in ihrer Stimme verrieth , daß sie dabei die Hand wie flehend auf seinen Arm gelegt ; erst als die seinige diese Hand plötzlich umschloß , wollte sie zurückweichen , aber er gab sie nicht mehr frei . „ Schon zwei Mal habe ich heute die gleiche Warnung erhalten , die dritte und letzte kommt aus Ihrem Munde . Ich kann auch dieser letzten nicht folgen , ich kann nicht , Lucie ! Aber – ich danke Ihnen ! “ Das junge Mädchen schauerte leise zusammen unter diesen weichen bebenden Lauten , unter dem Klange ihres Namens , den sie zum ersten Male von diesen gefürchteten Lippen vernahm , sie hatte nicht den Muth , ihm die Hand zu entziehen . „ Herr Pater Benedict – “ Sie vollendete nicht , denn sie fühlte , wie seine Hand zuckte und die ihrige plötzlich fallen ließ . „ Pater Benedict ! “ wiederholte er langsam . „ Sie haben Recht , mein Fräulein , mich daran zu erinnern , wer ich bin . Ich stand im Begriff , es zu vergessen ! “ „ Heißen Sie denn nicht so ? “ fragte Lucie betreten . „ Im Kloster , im Mönchsgewande – ja ! Man läßt uns ja nicht einmal den Namen , der uns an die Zeit der Freiheit erinnern könnte ! Auch ich habe den weltlichen Namen ‚ Bruno ‘ mit dem heiligen ‚ Benedictus ‘ vertauschen müssen , gesegnet ist dieser Tausch für mich nicht gewesen ! “ Er schwieg plötzlich , auch Lucie wagte keine Erwiderung . Draußen jagten düstere Wolkenschatten vorüber und die Nebel legten sich dicht und dichter um das kleine Gotteshaus . Durch eines der offenen Kirchenfenster wehte der Luftzug herein und flüsterte leise in den welken Blättern der Todtenkränze , dunkler glühte das ewige Licht in der zunehmenden Dämmerung und warf seinen rothen Schein auf die Stufen des Altars , an dem die Beiden standen . „ Sie lieben das Kloster nicht ? “ fragte Lucie endlich leise . „ Ich hasse es ! “ Das junge Mädchen hob mit einem Anfluge von ihrem früheren Trotze das Haupt . „ Und warum sagen Sie sich denn nicht los davon ? “ Die dunkeln Augen des jungen Priesters hefteten sich fest auf ihr Antlitz , noch ahnte sie nicht , was diesen Blick so seltsam aufglühen machte . „ Würden Sie sich so leicht von einem Bande lossagen , an das ein Schwur Sie fesselt , oder einem Manne vertrauen , der es gethan ? Würden Sie zum Beispiel diesem Manne hier am Altare Ihre Hand reichen für das Leben ? “ Lucie schwieg , betroffen durch die seltsame Frage und mehr noch durch den Ton derselben . Es klang etwas daraus wie Todesangst , wie das athemlose Forschen eines Verurtheilten , der in einem einzigen Worte Begnadigung oder Verdammniß erwartet . „ Ich weiß nicht ! “ stammelte sie endlich . „ Ich – “ „ Sie würden es nicht thun ! “ ergänzte er , aber die Stimme war auf einmal matt und klanglos geworden . „ Ich wußte es ! Schrecken Sie doch nicht so vor mir zurück ! “ fuhr er mit ausbrechender Heftigkeit fort , als sie in der That , erschreckt durch sein räthselhaftes Wesen , einen Schritt zurückwich . „ Ich will ja diese Hand nicht an mich reißen ! Dem Priester Roms ist ja ewig versagt , was den Dienern Ihrer Kirche gewährt wird . Der Altar , an dem sie frei und offen vor aller Welt ihr Weib empfangen , er steht auf ewig zwischen uns und jedem Lebensglück . Uns ist nur die Wahl gestellt zwischen Entsagung oder Verbrechen , und wenn man nicht entsagen kann und das Geliebte nicht entweihen will , dann bleibt nur Eines übrig – der Untergang ! “ Regungslos stand Lucie vor ihm , entsetzt , betäubt von der Ahnung , die jetzt endlich in ihr aufdämmerte . Allmächtiger Gott , was war das ? Sollten diese Worte ihr gelten ? Sie blieb nicht lange im Zweifel , der Strom hatte seine Ufer einmal gebrochen , und nun zwang ihn auch nichts mehr zurück in die alten Grenzen , aber selbst in diesem jähen Hervorbrechen eines mondenlang streng behüteten Geheimnisses war noch etwas von dem Zügel , den die Nähe des Altars und die Gewohnheit steter Beherrschung dem Priester auferlegte . Wie fest gewurzelt stand er auf feinem Platze , drei Schritte von ihr entfernt , und machte auch nicht den leisesten Versuch , sich ihr zu nähern . „ Ich habe Sie geliebt , Lucie , von dem ersten Moment an , wo Sie ahnungslos , wie ein jauchzendes Kind , an mir vorüberflogen . Was es war , das mich wie mit Naturgewalt gerade zu Ihnen zog , deren ganzes