bist . « » Das verneine ich entschieden , « sagte sie ruhig und unbeirrt ; » verletzt und entmutigt bin ich , aber nicht verbittert . Entmutigt deshalb , weil mir mein Wirken in deinem Hause vorkommt , als ob ich Wasser mit Sieben schöpfe – auch bei Leos Erziehung drängt sich mir diese Ueberzeugung auf – es wird mir von anderer Seite zu viel entgegengearbeitet ... Ich habe eben angefangen , über diese Angelegenheit an Ulrike zu schreiben . « » Ah , das ist ja die beste Gelegenheit , mich zu informieren , « rief er , rasch an den Tisch tretend . » Das wirst du nicht thun , Mainau , « sagte sie ernst , aber mit bebenden Lippen und legte die Hand protestierend auf seinen Arm , der nach dem Briefe griff . » Das werde ich sicher thun , « versetzte er , heftig ihre Hand abschüttelnd . » Ich habe das unbestrittene Recht , Briefe meiner Frau zu lesen , die mir verfänglich erscheinen ... Sieh in den Spiegel dort , Juliane ! Solche erblaßten Lippen hat das böse Gewissen ... Ich werde dir den Brief vorlesen . « Er trat in das Fenster und las laut , mit sarkastischer Betonung : » › In vierzehn Tagen spätestens komme ich nach Rudisdorf – für immer , Ulrike ! ... Da steht dieser Erlösungsschrei so kalt und nüchtern auf dem Papier – er wird dir keine Vorstellung davon geben können , wie sonnig es in mir geworden ist , seit ich weiß , daß ich wieder mit dir und Magnus zusammenleben werde ‹ . – Armes Schönwerth ! « schaltete er mit bitterem Spott ein . – » › Glaube ja nicht , daß die Lösung eine gewaltsame ist ; sie vollzieht sich in richtiger Konsequenz zwischen zwei Seelen , die bis in alle Ewigkeit nicht zusammen gehören , von denen die eine aber das Aufsehen bei den Menschen fürchtet , während die andere zurückbebt vor jedem in die Stille der Häuslichkeit fallenden zornigen Wort – der Bruch geschieht mithin leise , unhörbar – die skandalsüchtige Welt bleibt sicher unbefriedigt ... Eines Tages wird die Baronin Mainau aus Schloß Schönwerth verschwunden sein , lautlos verschwunden aus den Räumen , in denen sie kurze Zeit als › Schattenherrin ‹ gewaltet , aus dem Gedächtnis der Leute , die ihre unhaltbare Stellung vom ersten Augenblicke an begriffen und in der kaum Eingetretenen zugleich die Scheidende gesehen und bemitleidet haben ... Und deine Liane ? Man hatte sie nicht mit der Wurzel dem heimischen Boden entnommen , sie wird nach kurzer Unterbrechung weiterwachsen unter dem Sonnenschein eurer Augen – meinst du nicht , Ulrike ? ... Du weißt , ich habe es immer grausam gefunden , eine Pflanze abzuschneiden und mit der Wunde in eiskaltes Wasser zu stellen – und jetzt ist dieses Mitgefühl erst recht lebendig in mir geworden ; ich weiß , wie das wehe thut . Eineige kecke Triebe und Schößlinge meiner Seele lasse ich verwelkt in Schönwerth zurück – das allzu kühne Vertrauen auf die eigene moralische Kraft und das unkluge Herausfordern der Gesellschaft , die auch nicht einen Hauch von Lebensodem für mich und meine Anschauungen hat – diese Lehre kann mir nicht schaden ... Sieh , ich mußte damals , als er auf der Terrasse zu Mama sagte : › Liebe kann ich ihr nicht geben , ich bin aber auch gewissenhaft genug , in ihrem Herzen keine wecken zu wollen ‹ , hinabgehen und ruhig den Ring in seine Hand zurücklegen ; nicht um der versagten Liebe willen – dazu hatte ich ja kein Recht ; ich brachte ihm ja auch noch kein solches Gefühl entgegen – sondern weil die letzten Worte eine grenzenlose Eitelkeit bekunden ‹ « – das Blut schoß dunkel in Mainaus Gesicht ; heftig die Unterlippe zwischen die Zähne klemmend , hielt er im Lesen inne und warf über das Papier hinweg einen tiefgereizten und doch unsicheren Blick auf seine Frau . In dem Augenblicke , wo er vom bösen Gewissen gesprochen , hatte sie ihre Arme ruhig unter dem Busen verschränkt ; und so stand sie noch ; nur war es , als recke sich die schlanke Gestalt unter seinem Blicke noch stolzer auf ; ein feiner , schöngewölbter Fuß erschien unter dem Kleidsaume und stemmte sich fest auf den elastischen Cyanenteppich – eine Stellung , welche die sonst so graziös geschmeidige Erscheinung neu und fremd machte – aber die dunkelblonden Wimpern lagen tief auf ihren Wangen ; ohne es gewollt zu haben , sagte sie dem Manne dort eine häßliche Wahrheit in das Gesicht ; er mußte sich schämen , und sie errötete mit ihm . Er trat dicht an sie heran . » Du hast vollkommen recht mit deinem Urteil , « sagte er scheinbar beherrscht ; » ich bin ja nicht blind gegen diese meine große Schwäche – und wenn ich mir jetzt denke , daß du mit deinem fein unterscheidenden Ohr , mit deiner scharfen Kritik eine so plumpe Aeußerung von mir gehört hast , so – steigt mir das Blut ins Gesicht ... Aber nun , du gestrenge Richterin , mache dich dir auch einen Vorwurf – ich war eitel ; du aber warst falsch , als du – Verachtung im Herzen – die Lippen schlossest und mit mir gingst – « » Lies noch einige Zeilen , « unterbrach sie ihn bittend , ohne aufzusehen . Er ging nach dem Fenster zurück – es dämmerte stark . – » › Ich wußte , daß ich nach einem solchen Ausspruche aus seinem Munde nie und nimmer in Versuchung kommen würde , auch nur einen Funken von Sympathie für ihn zu empfinden , ‹ « las er mehr für sich – » › und daß ich dennoch mit ihm ging und zum zweitenmal das heilige Ja am Altare entwürdigte , das machte mich zum Mitschuldigen bei einem ungeheuren Frevel – und dafür gibt es keine Beschönigung , denn ich hatte