ich sie kenne ; sie ist schlimmer als ein Teufel . Sie wird Dich elend machen , wie meine arme Lisett , die sie auf dem Gewissen hat , und ich mein ’ , daß mein Gewissen auch nicht rein wäre , wenn das Unglück doch geschieht und ich hätte Dich nicht gewarnt jetzt , wo es noch Zeit ist und wonach Niemand von Eurer Lieb ’ was weiß , als Ihr Zwei und ich . Sei still ! “ – wehrte sie , als Lieschen sie zu unterbrechen versuchte – „ thu ’ der alten Muhme und Dir selber den Gefallen ! Was ich Dir erzählen will , das schmeckt bitter , aber es ist eine Arzenei und Gott geb ’ s , daß sie Dir eingeht und hilft ! Es ist die Geschichte der Lisett , die ich Dir erzählen muß – gelt , Du weißt noch , daß ich sie Dir erzählen wollt ’ im Frühjahr , weil ich Deine Liebe kommen sah , aber ich brachte es damals nicht über die Lippen – hätte ich es nur gethan ! “ Das junge Mädchen kauerte sich wortlos zu ihren Füßen ; kein Laut von ihren Lippen verrieth , wie ihr junges kaum erblühtes Mädchenglück im Herzen schauerte , als sei plötzlich ein Strom von Eisluft in den lachenden Frühling gebrochen . „ Also der Baron Fritz , “ begann die alte Frau mit tiefer Stimme , der Bruder des Großvaters von Nelly und Army , war der Lisett ihr Bräutigam ; sie hatten sich heimlich versprochen ; Niemand wußte es außer mir . Der Baron Fritz , wollte erst , wenn er mündig sei , mit seiner Werbung vor Lisett ’ s Eltern treten und mit seinem Bruder sprechen , und dann wollten sie sich ein Gut kaufen ; es war ein glückliches Paar , Liesel , und ein schönes dazu , und sie hatten sich so sehr lieb , es war eine Lust sie zusammen zu sehen dort unten in der alten Laube am Wasser . Baron Fritz stand nicht weit von hier als schmucker Husarenofficier in einer kleinen Stadt ; er kam oft herüber , und wenn es um die Zeit war , daß er eintreffen mußte , dann stand Lisett droben in ihrem Stübchen am Fenster und sah zu dem Thurm hinüber , und dann flammte wohl bald ein Licht dort oben auf ; das war das Zeichen , daß er zu ihr kam . Dann jauchzte sie vor Freude und schlug die Hände zusammen und lief ihm ein Stückchen in den Wald entgegen . Und dann – an einem Sommerabend – hielt des Bruders junges schönes Weib , Nelly ’ s Großmutter , ihren Einzug in das alte Schloß . Die Lisett und ich waren hingelaufen sie zu sehen ; das ganze Schloß war erleuchtet und die Diener warteten mit Fackeln an der großen Freitreppe , auch Baron Fritz stand da mit seiner alten Mutter , und dann kam das junge Paar gefahren . Das mußte wahr sein : schön war die junge Frau , aber es lag Stolz in ihrer Haltung , Stolz auf dem blassen Gesicht , und Stolz blitzte aus ihren großen schwarzen Augen . Die Lisett war ganz bleich geworden als sie ihr nachschaute . ‚ Die wird meine Freundin nicht , Marie , ‘ sagte sie zu mir . Und sie hat Recht gehabt . Gott weiß , wo die stolze junge Frau erfahren hat , daß der Baron Fritz der Lisett gut sei , und wer ihr dem teuflischen Plan eingab , die Beiden zu trennen . Ich weiß nur das Eine , daß es ihr gelang . Und wie – ja wie ist es ihr gelungen ! Es war im Herbst , und das Schloß voller Jagdgäste ; man konnte deutlich das Halali aus den Wäldern hören , und allabendlich flammten die Fenster des Schlosses in hellem Lichte auf ; das tolle Leben begann da oben , das die Schloßherrin so liebte und mit dem sie ihre Familie beinahe an den Bettelstab gebracht hat . Baron Fritz aber nahm Abschied von der Lisett ; er konnte längere Zeit nicht wieder kommen , und sie schenkte ihm ein kleines goldenes Herzchen , das sie immer auf der Brust trug ; ich hörte noch , wie sie sagte : ‚ Da Schatz , thue die Locke von mir hinein und denk an mich ! ‘ Sieh , Lieschen , dies goldene Herz , das war der Lisett ihr Tod . Doch höre weiter ! Der Baron Fritz reiste ab , und es vergingen so vierzehn Tage ; schreiben konnten sich die Liebesleute nicht , denn sonst wär ’ Alles offenbar geworden ; damals war man auch noch nicht so gar arg auf ’ s Schreiben , wie heut zu Tage , aber denken thaten sie desto mehr an einander , und das mag jetzt manchmal umgekehrt sein . Nun also , der Fritz war abgereist , und die Lisett stand allabendlich aus alter Gewohnheit am Fenster und guckte noch dem Thurmstübchen hinüber , denn dort wohnte Baron Fritz stets , wenn er hier war . Aber es blieb jeden Abend dunkel , und es war ja auch nicht anders möglich , denn vor vier Wochen konnte er nicht wieder hier sein , und jetzt waren erst vierzehn Tage verflossen . Da , eines Abends , schreit die Lisett hell auf und rennt auf mich zu , die ich eben mit dem Strickstrumpf ein wenig zu ihr schwatzen komme . ‚ Jesus ! ‘ ruft sie , ‚ er ist da ; es ist Licht im Thurm , ‘ und richtig , da schimmert das erleuchtete Bogenfenster herüber . Sie nahm nicht einmal ein Tuch um , als sie aus dem Hause flog . Nach einer Weile kehrte sie zurück . ‚ Er kam nicht , ‘ sagte sie , ‚ was soll das nur bedeuten ? ‘ Ich schüttelte den Kopf . Na , wart Lisettchen ! Ich