mir die Tasse aus der Hand nahm , rief Adele , welche den Augenblick vielleicht für geeignet hielt , eine Bitte zu meinen Gunsten auszusprechen : » N ' est-ce pas , Monsieur , qu ' il y a un cadeau pour Mademoiselle Eyre dans votre petit coffre ? « [ Fußnote ] » Wer redet von cadeaux ? « fragte er rauh . » Haben Sie ein Geschenk erwartet , Miß Eyre ? Lieben Sie vielleicht Geschenke ? « und forschend blickte er mir ins Gesicht mit Augen , in denen Zorn und Ärger blitzten . » Ich weiß es kaum , mein Herr ; ich habe in dieser Beziehung wenig Erfahrung . Aber im allgemeinen hält man sie doch für sehr angenehme Dinge . « » Im allgemeinen hält man sie dafür ! ! Aber was halten Sie davon ? « » Ich müßte mir wirklich Zeit nehmen , Sir , um zu überlegen , bis ich eine Antwort finden könnte , die Ihrer Annahme würdig wäre . Ein Geschenk hat viele Gesichter . Nicht wahr ? Und man sollte jedes einzelne betrachten , ehe man eine Meinung über seine Beschaffenheit ausspricht . « » Miß Eyre , Sie sind nicht so harmlos und einfach wie Adele ; sie verlangt laut ein cadeau , sobald sie meiner ansichtig wird . Sie hingegen klopfen auf den Busch . « » Weil ich weniger Vertrauen zu meinen Verdiensten habe , als Adele ; sie kann das Recht der Gewohnheit und die alte Bekanntschaft geltend machen , denn sie hat mir erzählt , daß Sie ihr stets Spielsachen zu schenken pflegten . Mir würde es aber die größte Schwierigkeit bereiten , wenn ich irgend einen berechtigten Anspruch an Sie erheben sollte , denn ich bin eine Fremde und habe nichts gethan , um eine Belohnung von Ihnen zu verdienen . « » O , bitte , verfallen Sie jetzt nicht in das Extrem zu großer Bescheidenheit ! Ich habe Adele examiniert und finde , daß Sie sich mit ihr große Mühe gegeben haben . Sie ist nicht besonders aufgeweckt ; sie hat kein großes Talent , und doch hat sie in kurzer Zeit große Fortschritte gemacht . « » Sir , jetzt haben Sie mir mein cadeau gegeben ; ich bin Ihnen außerordentlich dankbar ; nichts kann einem Lehrer größere Freude machen als Lob über die Fortschritte seiner Schüler . « » Bah ! « sagte Mr. Rochester und trank dann seinen Thee schweigend aus . » Kommen Sie hierher ans Feuer , « sagte der Hausherr , als das Theegeschirr abgetragen war und Mrs. Fairfax sich mit ihrem Strickzeug in einen Winkel setzte , und Adele mich an der Hand durch das ganze Zimmer führte , um mir all die prächtigen Bücher und Nippsachen auf Konsolen und Chiffonnièren zu zeigen . Wir gehorchten pflichtschuldigst . Adele wollte auf meinem Schoß Platz nehmen , aber es wurde ihr anbefohlen , sich mit Pilot zu amüsieren . » Sie halten sich jetzt schon drei Monate in meinem Hause auf ? « » Ja , Sir . « » Und Sie kamen aus – – – – – – ? « » Aus der Schule zu Lowood in .... shire . « » Ah ! eine Wohlthätigkeitsanstalt ! – Wie lange waren Sie dort ? « » Acht Jahre . « » Acht Jahre ! Sie müssen ein zähes Leben haben . Ich meinte , daß die Hälfte der Zeit genügen müsse , um jede Konstitution aufzureiben ! Kein Wunder , daß Sie beinahe aussehen , als kämen Sie aus einer anderen Welt . Ich habe mich schon ganz erstaunt gefragt , woher Sie ein solches Gesicht haben konnten . Als Sie mir gestern Abend in dem Heckenwege entgegen kamen , mußte ich unwillkürlich an Gespenstergeschichten denken und ich hatte schon die Absicht zu fragen , ob Sie mein Pferd behext hätten . Ganz sicher bin ich dessen auch jetzt noch nicht . Wer sind Ihre Eltern ? « » Ich habe keine . « » Und hatten vermutlich auch niemals welche ; erinnern Sie sich ihrer nicht ? « » Nein . « » Das dachte ich mir . So warteten Sie also auf Ihre Leute , als Sie dort am Zaun saßen . « » Auf wen , Sir ? « » Auf die Männchen in Grün . Es war gerade eine rechte Mondscheinnacht für sie . Habe ich vielleicht einen Ihrer Zauber gebrochen , daß Sie das verdammte Eis über den Fußsteig zogen ? « Ich schüttelte den Kopf . » Die Männer in Grün haben alle schon vor hundert Jahren England verlassen , « sagte ich und sprach ebenso ernst , wie er es gethan hatte . » Und nicht einmal im Heckengäßchen von Hay oder auf den umliegenden Feldern würden Sie jetzt noch eine Spur von ihnen finden . Ich glaube , daß weder Herbst- noch Sommer- noch Wintersonne jemals wieder auf ihre Feste herabscheinen wird . « Mrs. Fairfax hatte ihr Strickzeug auf den Schoß sinken lassen und mit emporgezogenen Augenbrauen hörte sie erstaunt auf unser Gespräch . » Nun , « fuhr Mr. Rochester fort , » wenn Sie nun auch Ihre Eltern verleugnen , so müssen Sie doch irgend welche Verwandte haben , Onkel oder Tanten ? « » Keine , die ich jemals gesehen . « » Und Ihr Heim ? « » Ich habe keins . « » Wo leben denn Ihre Brüder und Schwestern ? « » Ich habe weder Brüder noch Schwestern , « » Wer empfahl Ihnen denn hierher zu kommen ? « » Ich ließ eine Annonce in die Zeitung rücken , und Mrs. Fairfax beantwortete diese Annonce . « » Ja , « sagte die gute Dame , welche jetzt wußte , auf welchem Boden wir uns bewegten , » und täglich danke ich der Vorsehung für die Wahl , welche sie mich treffen ließ . Miß Eyre ist eine unschätzbare Gefährtin für mich , und eine gütige