mir in den Ohren . Ziemlich unvermittelt verabschiedete ich mich . Der Nebel war durchsichtiger geworden , sprühte feine Eisnadeln auf mich , war aber immer noch so dicht , daß ich die Straßentafeln nicht lesen konnte und von meinem Heimweg um ein geringes abkam . Ich war in eine andere Gasse geraten und wollte eben umkehren , da hörte ich meinen Namen rufen : » Herr Pernath ! Herr Pernath ! « Ich blickte um mich , in die Höhe : Niemand ! Ein offenes Haustor , darüber diskret eine kleine , rote Laterne , gähnte neben mir auf , und eine helle Gestalt - schien mir - stand tief im Flur darin . Wieder : » Herr Pernath ! Herr Pernath ! « Im Flüsterton . Ich trat erstaunt in den Gang , - da schlangen sich warme Frauenarme um meinen Hals , und ich sah bei dem Lichtstrahl , der aus einem sich langsam öffnenden Türspalt fiel , daß es Rosina war , die sich heiß an mich preßte . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - List Ein grauer , blinder Tag . Bis tief in den Morgen hinein hatte ich geschlafen , traumlos , bewußtlos , wie ein Scheintoter . Meine alte Bedienerin war ausgeblieben oder hatte vergessen einzuheizen . Kalte Asche lag im Ofen . Staub auf den Möbeln . Der Fußboden nicht gekehrt . Fröstelnd ging ich auf und ab . Widerwärtiger Geruch nach ausgeatmetem Fusel lag im Zimmer . Mein Mantel , meine Kleider stanken nach altem Tabakrauch . Ich riß das Fenster auf , schloß es wieder : - der kalte , schmutzige Hauch von der Straße war unerträglich . Spatzen mit durchnäßtem Gefieder hockten regungslos draußen auf den Dachrinnen . Wohin ich blickte , mißfarbene Verdrossenheit . Alles in mir war zerrissen , zerfetzt . Das Sitzpolster auf dem Lehnstuhl - wie fadenscheinig es war ! Die Roßhaare quollen hervor aus den Rändern . Man mußte es zum Tapezierer schicken - - ach was , sollte es so bleiben - noch ein ödes Menschenleben hindurch , bis alles zu Gerümpel zerfiel ! Und dort , welch geschmackloser , zweckwidriger Plunder , diese Zwirnlappen an den Fenstern ! Warum drehte ich sie nicht zu einem Strick und erhenkte mich daran ? ! Dann brauchte ich diese augenverletzenden Dinge wenigstens nie mehr zu sehen , und der ganze graue , zermürbende Jammer war vorüber - ein für allemal . Ja ! Das war das Gescheiteste ! Ein Ende machen . Heute noch . Jetzt noch - vormittags . Gar nicht erst zum Essen gehen . - Ein ekelhafter Gedanke , mit vollem Magen sich aus der Welt zu schaffen ! In der nassen Erde liegen und unverdaute , verfaulende Speisen in sich zu haben . Wenn nur nie wieder die Sonne scheinen wollte und ihre freche Lüge von der Freude des Daseins einem ins Herz funkeln wollte ! Nein ! ich ließ mich nicht mehr narren , wollte nicht länger der Spielball sein eines täppischen , zwecklosen Schicksals , das mich emporhob und dann wieder in Pfützen stieß , bloß damit ich die Vergänglichkeit alles Irdischen einsehen sollte , etwas , was ich längst wußte , was jedes Kind weiß , jeder Hund auf der Straße weiß . Arme , arme Mirjam ! Wenn ich ihr wenigstens helfen könnte . Es hieß , einen Entschluß fassen , einen ernsten , unabänderlichen Beschluß , bevor der verfluchte Trieb zum Dasein wieder in mir erwachen konnte und mir neue Trugbilder vorgaukeln . Wozu hatten sie mir denn gedient : alle diese Botschaften aus dem Reich des Unverweslichen ? Zu nichts , zu gar gar nichts . Nur dazu vielleicht , daß ich im Kreis herumgetaumelt war und jetzt die Erde als unmögliche Qual empfand . Da gab es nur noch eins . Ich rechnete im Kopf zusammen , wieviel Geld ich auf der Bank liegen hatte . Ja , nur so ging es . Das war noch das Einzige , Winzige , was von meinen nichtigen Taten im Leben irgendeinen Wert haben konnte ! Alles , was ich besaß - die paar Edelsteine in der Schublade dazu , - zusammenschnüren in ein Paket und es Mirjam schicken . Ein paar Jahre wenigstens würde es die Sorge ums tägliche Leben von ihr nehmen . Und einen Brief an Hillel schreiben , in dem ich ihm sagte , wie es um sie stand mit dem » Wunder « . Er allein konnte ihr helfen . Ich fühlte : ja , er würde Rat wissen für sie . Ich suchte die Steine zusammen , steckte sie ein , sah auf die Uhr : wenn ich jetzt auf die Bank ging - in einer Stunde konnte alles in Ordnung gebracht sein . Und dann noch einen Strauß roter Rosen kaufen für Angelina ! - - - - es schrie auf in mir vor Weh und wilder Sehnsucht . - Nur noch einen Tag , einen einzigen Tag möchte ich leben ! Um dann abermals dieselbe würgende Verzweiflung mitmachen zu müssen ? Nein , nicht eine einzige Minute mehr warten ! Es kam wie Befriedigung über mich , daß ich mir nicht nachgegeben hatte . Ich blickte umher . Blieb mir noch etwas zu tun ? Richtig : die Feile dort . Ich steckte sie in die Tasche , - wollte sie fortwerfen irgendwo auf der Gasse , wie ich es mir neulich schon vorgenommen . Ich haßte die Feile ! Wieviel hatte gefehlt , und ich wäre zum Mörder geworden durch sie . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wer kam mich denn da wieder stören ? Es war der Trödler . » Nur en Augenblick , Herr von Pernath « , bat er fassungslos