weißen Trauerschuhe gewahrend , nach dem Grunde frug und dann die üblichen Trauerworte sprach . Von jenem überschwänglichen Jubel , den die fremden Herren und die Priester beim Wiedersehen gezeigt , war zwischen diesen beiden Verwandten nichts zu merken . Sie hätten ihn aber auch beide völlig unziemlich gefunden . Kuang yins erstes Entzücken , gerettet zu sein , hatte auch offenbar schon Zeit gehabt , in allerhand neu entstandenen Sorgen zu ersticken . » Es ist in allem eine solche Verwirrung , « brummte er , » man weiß nicht , wo das Notwendigste zu bekommen , keinen Markt gibt es mehr , und dabei ist das Haus , sofern es überhaupt noch steht , voll von Offizieren - statt einem Herrn hat man jetzt Dutzende - und es kommen noch immer mehr hinzu ! Und natürlich können sie sich mit niemand verständigen . Da soll ich nun Boys besorgen , die fremde Sprachen verstehen . Für die Stelle bei dem einen Offizier , der in den nächsten Tagen erwartet wird und der in einem besonderen Yamen wohnen soll , habe ich übrigens gleich an Dich gedacht . « Tschun hatte gar keine Lust , in den Dienst dieses unbekannten Ausländers zu treten . Er konstatierte dies zu seinem eigenen Erstaunen . Früher würde es ihn gerade gelockt haben , auch einen fremden Militärmandarinen mal näher kennen zu lernen . Aber jetzt hatte er eigentlich auf nichts Lust . Hätte nur gern geschlafen und die Vergangenheit der letzten Wochen und mit ihr auch die Gegenwart ganz aus seinem Bewußtsein ausgeschaltet . Aber das wohlwollende Anerbieten des Onkels auszuschlagen , wäre unehrerbietig gewesen , und er hätte auch nicht mal genau gewußt , welchen Grund dagegen anzuführen . Es war nur ein allgemeiner Widerwille , mit all diesen Menschen , mit diesen ganzen Ereignissen zu tun zu haben . So ging er denn dankend auf den Vorschlag ein . Dann erkundigte er sich , ob Kuang yin etwa von den übrigen Verwandten gehört habe . Doch der wußte nur , daß Lin te i und Yang hung mit den Seinen seit dem großen Brande verschwunden waren , und auch von Sin schen und Wang pao hatte er seit dem Entsatz Pekings noch nichts vernommen . Wie mochte es wohl den Großen der Erde gehen , dachte Tschun , während so viele der Kleinen gedarbt hatten oder ganz verschollen waren ! Und er frug : » Was haben die Fremden denn mit der Kaiserin getan ? Halten sie sie sehr streng gefangen ? « Kuang yin lachte . » Streng gefangen ? Bewahre ! Sie haben sie ja ganz ungestört entweichen lassen ! « » Na , « meinte Tschun , » wenn sie nur unschädlich ist , mag sie meinethalben leben , wo sie will . Nun werden die Fremden wohl den Kaiser Kwang Hsü wieder in seine Rechte einsetzen ? « » Aber nein doch ! « rief Kuang yin , » den hat Tzü Hsi auf ihre Flucht ja mitgenommen ! « Tschun sah ihn ungläubig an . » Das haben die Fremden zugelassen ? Aber er war doch der einzige , der zu ihnen gehalten hat , der einzige auch , von dem sie hoffen konnten , daß er die Aufgeklärtesten des Landes um sich sammeln würde , um Ordnung herzustellen . Es mußte ihnen doch alles dran liegen , daß er die Regierung wieder in die Hände bekäme ? « » Ach , ich glaube , so weit hat niemand gedacht , « sagte Kuang yin . » Weißt Du , die fremden Truppen sind ja in unbeschreiblicher Verwirrung hier angekommen . Offenbar ohne eigentlichen Plan , und ohne daß einer dagewesen wäre , der allen hätte befehlen können . Jeder wollte nur überhaupt als erster ankommen . Wie in einem Rennen . Was dann hier geschehen solle , würde sich ja finden . Vielleicht dachten manche , es gäbe eine allgemeine große Plünderung . Als sie dann wirklich anlangten , wußte keiner , wo der andere war . In der Unordnung haben sogar die einen auf die anderen geschossen . Einmal war schon begonnen worden , gegen die verbotene Stadt vorzugehen - dann wäre auch vielleicht das ganze Nest wirklich ausgehoben worden - , aber da kam plötzlich Gegenbefehl . Na und während all der Unschlüssigkeit und Uneinigkeit hat eben Tzü Hsi , die ja nie viel zaudert , Zeit gehabt zu entkommen . Einen Tag erst nach dem Einzug der fremden Truppen ist sie fort . « » Dann kann sie ja aber noch gar nicht weit weg sein , « sagte Tschun . » Denken die Ta-jens denn nicht daran , ihr die vielen Soldaten nachzuschicken , um sie festzuhalten und den Kaiser zurückzubringen ? « » Aber Tschun , « sagte Kuang yin , » hast Du denn die Art der Ta-jens schon völlig vergessen ? Ehe die einen gemeinsamen Entschluß fassen ! ... Das kennt man doch ... in der höchsten eigenen Lebensgefahr allenfalls ... und eigentlich auch dann kaum . « » Warum tut es dann nicht ein einzelner mit seinen Truppen ? « fragte Tschun . » Dazu hat sich einer der fremden Offiziere auch schon erboten , « antwortete Kuang yin . » Aber sein Ta-jen soll ihm geantwortet haben , für diesen Fall besäße er von zu Hause keine Instruktionen , und es sei eine zu arge Verantwortung , so etwas allein zu unternehmen . - Zu alledem kommt aber , glaube ich , noch etwas anderes , « setzte Kuang yin dann hinzu . Tschun sah ihn fragend an . Und Kuang yin fuhr fort : » Ja , so viel hab ich nämlich schon gemerkt , daß zwischen den Ta-jens und ihren vielen militärischen Rettern keine sonderliche Liebe besteht . Die Ta-jens sind ja gewiß froh , durch sie befreit zu sein , aber es wäre ihnen doch sehr erwünscht , wenn die Truppen nun nicht mehr zu neuen besonderen Dingen noch notwendig würden .