glückhaften Tage im Weidhof , also daß ich gemach immer stiller wurd und im Innersten meines Herzens ein tiefes Weh nach jener Zeit und Weil verspürte . Da schickte es sich , daß wir eines Abends so um Kirchweih durch ein größeres Bauerndorf nahe bei Ebersberg zogen und daselbst um Speis und Nachtquartier herumbettelten , als ein großmächtiger Blachenwagen aus dem Schupfen eines Wirtshauses gezogen , mit allerhand Kisten , Körben und Säcken beladen und mit zwei starken Rössern bespannt wurde . Der Magister war sogleich zu dem Fuhrknecht hingegangen , sah ihm eine Weil zu und fragte ihn dann herablassend : » Wo aus noch mit der Fuhr , lieber Freund ? « Darauf der Bursch , ohne aufzuschauen , erwiderte : » Auf Münga . - Dös is ' s Botenfuhrwerk . « Nun stand der Magister noch eine Zeit , ohne ein Wort zu reden , sah dem andern beim Eingeschirren zu und wandte sich darnach an uns , die wir gleich ihm um das Fuhrwerk herumstanden . » Ihr wollt wohl auch nach München ? « fragte er uns scheinbar neugierig . » Freilich wohl ! « erwiderten wir frisch und machten , daß uns der Knecht plötzlich erstaunt und mißtrauisch ansah . » Nix da ! « sagte er unwirsch ; » da kunnt jeder kommen und mitfahren wollen ! - Habs nit mit solchen Gästen , wies ihr seids ! « » Das kann ich mir denken « , meinte der Magister halb lächelnd , halb mitleidig ; » Ihr wollt halt auch nicht grad umsonst jeden fahren , der kommt . - Jawohl . - Da habt Ihr auch nicht so unrecht , lieber Mann ! - Aber - wie wärs , wenn Ihr - natürlich gegen gutes Fahrgeld - mich mitnehmen würdet ? - Ich habe droben beim Herrn Pfarrer amtshalber zu tun gehabt und hab leider die Post versäumt . « Er tat , als sähe er auf seine Taschenuhr , dabei er doch nur eine Zwiebel an dem Band hängen hatte , und wiederholte : » Jawohl . - Leider . - Viel zu spät ! « Der Knecht geschirrte ruhig weiter , indes er ab und zu einen schnellen Blick auf den Magister warf und gleichmütig sagte : » So - beim Herr Pfarrer , sagts ! - Mhm . - Ja , - müaßts halt aufsitzen , wanns Euch nit z ' hart is . - Mhm . - Dees kost nachher nit viel für Euch ... Dees wißts ja selber ! ... « Da zog der Magister mit fürnehmer Gebärde einen Gulden , den letzten , den er noch hatte , aus dem Sack und hielt ihn dem Knecht hin . Der aber wollt von solchem reichen Fuhrlohn nichts wissen : » Naa , naa , gnädiger Herr ! « sagte er ; » a so tean ma nit ! Um dees fahr i ja den ganzen Pfarrhof bis auf Münga ! - Naa , so viel nimm i nit o ! - So viel scho überhaupts nit ! « Da blinzelte der Magister zu uns herüber und meinte gutherzig : » Ihr seid ein braver Kerl . - Aber ich will Euch was sagen : ich geb Euch den Gulden , und dafür erbarmt Ihr Euch über die armen Brüder da und nehmt sie um Gottswillen mit in die Stadt . - Ich werde nicht versäumen , dem Herrn Pfarrer von Eurer Gutherzigkeit zu schreiben ! ... « Da lag er drin - der Gimpel ! - » No ja « , sagte er wieder langsam und gleichmütig ; » nachher laß i s ' halt aufsitzen , die drei . - Aber i hoff , daß s ' Enk koan Unmuß nit machen ! « Und wandte sich an uns : » Also - nachher kinnts scho aufhocken ! « Gab ihm also der Magister den Gulden , - der Knecht bedankte sich untertänigst , - und wir stiegen fröhlich ein und freuten uns über die Keckheit des Magisters . Der aber ließ sich fein » Gnädiger Herr « titulieren , setzte sich auf die weiche Decke , die ihm der Knecht noch gegeben hatte , und wünschte sich und uns eine gute Reis , indes der ander draußen den Handgaul beim Zaum faßte , lustig mit der Geißel knallte und aus dem Dorf fuhr . Unterwegs , da die Pferde gemächlich in der einbrechenden Nacht dahinstapften und der Knecht pfeifend und singend nebenherschritt , lachten wir noch viel über diesen wohlgelungenen Streich und lobten die Schlauheit des Magisters . Der aber erwiderte schmunzelnd : » O , das ist noch gar nichts ! Da hab ich früher schon feinere Stückln geliefert ! « Und erzählte uns also die verschiedensten Streiche , die er als Studiosus , als Reisender und als Vagabund schon ausgeführt . So ging er einmal bei Sturm und Regen , ohne einen Knopf im Sack , hungrig und durstig der Stadt Wien zu und dachte darüber nach , wie er es anstellen möcht , daß er sich ohne größere Ausgaben einmal wieder ordentlich satt essen und seinen äußeren Menschen ein wenig vorteilhafter gestalten kunnt , als ihm etwas einfiel . Er lief also eilends zum Tor hinein , indem er dem Wächter eins jener huldvollen Handschreiben aus fürstlicher Feder unter die Nase hielt und sagte : » Es eilt , mein Lieber ! - Seine Durchlaucht wollen mich sprechen ! « War also glücklich drinnen in der Stadt und begab sich sogleich in einen Gasthof , daselbst er ein Zimmer begehrte , den Brief mit dem herzoglichen Siegel vorwies und sagte : » Wenn seine Durchlaucht nach mir senden sollte , dann meldet , daß ich momentan unpäßlich sei . Ich werde in zwei , drei Tagen kommen ! « Fragte auch gleich , wann die Wechselbank geöffnet sei , und befahl , man möchte sofort nach einem Schneider und zwei Schustern schicken ; denn er sei unterwegs in den Platzregen