den Füßen und sprach : » Dieweilen Er seine Sache also gut ausgerichtet , mag Er bleiben , wozu Er unterwegs avanciert ist . Ein Dragoner soll er sein und gleich morgen in der Schwadron des Rittmeisters Pfeifer exerzieren . « So war ich ein Reitersmann worden und auf der Staffel des Emporkommens eine Stufe höher gerücket . Denn ein Reitersmann übertraf nicht bloß an Solde den Fußknecht , sondern auch an Ansehen und hatte mehr Aussicht , Offizier zu werden . Als ich mich zu meinem Quartier begab , sahe ich ein Fenster der Falkenbergschen Wohnung erleuchtet , und mir kam der Gedanke , dort möchte vielleicht Thekla wachen . Dann wieder gestund ich mir , es werde wohl des Obersten Kammerdiener sein , so seines Herrn harre . Ich pochte an die Tür meines Quartierhauses , durch dessen Schlüsselloch ich Licht bemerkte . Gleich darauf ward aufgetan , und die alte Schmidtin , eine Laterne in der Hand , begrüßte mich mit Freuden : » Gott sei gelobt , der Ihn von dem schlimmen Ritte wohlbehalten heimgeführt hat . « » Dank Euch , Witwe Schmidtin ! Aber woher wußtet Ihr denn von meinem Ritte ? « Flüsternd gab die Alte zur Antwort : » Ei , von der Jungfer Gräfin ! Am späten Abend ist sie zu mir herübergehuscht und hat mir vertrauet , wie Ihn der Oberste zu gefährlichem Werke ausgesandt habe . Gebanget hat sich das Fräulein - hat gesagt , sie könne nicht schlafen und wolle über der Bibel wachen . Habe ihr versprechen gemußt , gleich nach seiner Heimkehr durch Händeklatschen anzuzeigen , daß alles gut gegangen . « Und sie ging hinaus und klatschte in die Hände . Gleich darauf klirrete oben das Fenster . Ich drückte der guten Alten die Hand und begab mich zur Ruhe . Nach kurzem Schlafe ward ich von meinem Korporal geweckt und aufgefordert , seine Waffen zu putzen . Als ich dies Werk verrichtet und auch meine Kleidung gesäubert hatte , wobei ich dem Korporal mein nächtlich Abenteuer erzählete , wollte ich mich zum Exerzierplatze begeben . Vor die Haustür tretend , gewahrte ich einen Trupp Kurrendejungen , der vor des Obersten Quartier Aufstellung nahm . Der Sitte gemäß sang die Kurrende zur Adventszeit vor den Häusern fromme Lieder und heischete Gaben . Um die Laterne des Kantors geschart , intoniereten die Knaben : » Allein Gott in der Höh sei Ehr ! « Andächtiglich schaute ich gen Himmel , und die Sterne sprachen mit ihrem friedlichen Schimmer : » Wir waren dabei , haben geleuchtet , als seine Gnade dich beschirmte diese Nacht . Und Dank für seine Gnade ! « Da tat sich die Haustür des Falkenbergschen Quartiers auf , und zwo Mägde brachten eine dampfende Schüssel nebst Tassen und anderen Trinkgefäßen auf die Straße . Eine Mehlsuppe ward den jubelnden Knaben verabreicht . Derweilen sie sich erquickten , erschien droben am Fenster Jungfer Thekla . Triumphierend schwenkte ich den erbeuteten Federhut . Und es sang die Kurrende : » Vom Himmel hoch , da komm ich her . « Glückseligen Herzens begab ich mich nach dem Stadtmarsch zu den Dragonern . Das Reiterwesen fiel mir gar nicht schwer . Im Sattel saß ich wie ein altgedienter Reiter . Brauchte nur noch Säbelschlagen und Schwadron-Exercitium zu üben . Alles ging mir so gut vonstatten , daß ich nach sechs Wochen ein Gefreiter war und allbereits Korporaldienste tun durfte . Gern verwendete mich der Oberste als Courier und Ordinanz . Im Februario des Jahres 1631 bekam die Stadt , von den Pappenheimern inzwischen immer schärfer blockiert , auf einmal Luft . General Tilly war auf die Nachricht vom übeln Zustande seiner Kriegsvölker an der Warthe und Oder mit drei Regimentern dorthin geeilt und alsdann ins Mechelnburgische gezogen , wo er den klüglich ausweichenden Schwedenkönig endlich zu fassen gedachte . Um aber zur Entscheidungsschlacht möglichst gerüstet zu sein , hatte Tilly von den Magdeburgischen Belagerungstruppen weggezogen , was irgend abkömmlich erschien . Also ward die Stadt derart von Feinden entblößet , daß es aussah , als solle das Donnerwetter ziemlich unschädlich vorüberziehen . Südlich war der Feind bis Barby zurückgewichen . Seine Stellung zu erkunden , ritten wir am rechten Elbufer stromauf bis zu einer bewaldeten Insel , die Kreuzhorst geheißen , wo sich Pappenheimer eingenistet hatten . Indessen die Vorbereitungen zum Überfall des Feindes getroffen wurden , zog ich nebst vier anderen Dragonern auf Kundschaft über die Stadt Barby hinaus , in der Richtung auf Calbe . Die Feuerrohre schußfertig , scharf die vereinzelten Ufergebüsche durchspähend , trabten wir längs des Saaleflusses . Unter milden Sonnenstrahlen war das Eis geschmolzen , die letzten Schollen trieben den gelben Fluß hinab ; schon zierten sich die Weidenruten mit Silberkätzchen , und aus dem winterlichen Rasen lugten güldene Huflattichsternlein . Auf einmal in der Ferne Pferdegewieher . Allsogleich hieß ich meine Kriegsgenossen absitzen und die Pferde im Gebüsch verborgen halten , während ich geduckt vorwärts in der Richtung des Schalles schlich . Bald nahm ich eines bewaffneten Reiters wahr , der mir entgegenkam . Ich barg mich hinter einer alten Eiche , die der Feind passieren mußte . Den Karbiner über die Schulter gehängt , kam er gerade auf meine Eiche losgetrottet . Schon wollte ich zum Schusse anlegen , als mir beifiel , der Knall möchte uns andere Feinde auf den Hals locken . Lauerte also mit gezogenem Säbel . Da nun der ahnungslose Pappenheimer dicht an mir vorbeiritt , tat ich einen Sprung und hieb seinem Pferde ins Hinterbein , daß es zusammenbrach und den Reiter in den Sand warf . Ich wie ein Wolf über ihn her und packe seine Gurgel , während er mich bange anglotzt und mit gequetschter Stimme um Pardon bittet . Ich frage , ob er fortan der Stadt Magdeburg diene wolle , worauf er ja sagt . Hierauf binde ich seine Hände mit Weidenruten auf den Rücken und zücke den Säbel : » Nun sag Er die Wahrheit : kommen