nur ein elender Mensch , zu bleich und zu schwach und zu krank , und arm und ein Nichts ! - - - Aber im Himmel , « lagte sie dann fest und arglos froh , » ist besser seben . « Und Einhart fühlte es , daß ihre Seele der seinen sehr nahe kam , fast wie wenn sie als Windeshauch seine Wange strich . Und man konnte in Einharts Auge sehen , daß er Henny mit einer unbegreiflichen Frage ansah , in der Trauer und Staunen und reiner Glanz der Liebe von ferne gingen und nicht Halt fanden . Oh , es gingen noch immer nicht die Glutfarben aus Henny . Immer neu mußte sie schüchtern Glück und Lachen ganz leise überwinden . 3 Im Moore feierte man ein Volksfest . Es waren helle Zelte gebaut nahe einem Kiefernhügel , der gegen den blauen Aethergrund der weiten Nacht ragte . Und der erstrahlende , irrlichtelierende Freudentaumel der Karussells schwang sich unter dröhnender Musik um . Die Lampen und Lichter glitzerten in bunten Scheinen und schwirrten vorüber inmitten der drängenden Menge erheiterter junger Gesichter . Alt und jung strömte um Wurst- und Kuchenbuden und hin in das von grünen Reisern durchduftete Zelt , worin die jungen Paare tanzten . Leute aus den jetzt unter der Sternennacht schlafenden , weiten Mooren saßen an den Tischen , zum Teil wie sie sind , ernst und ungesprächig , auch ein wenig feierlich erstaunt von dem Lichterglanze und der Musik die Frauen , und die Männer dann und wann geradehin , flüchtig von Witz und ohne groß Anmut . Um einen Tisch saßen junge Maler . Einige freie , geistige Mädchengesichter glänzten in Röte , die mitten durch Staub und Wirbel sich mit schwebender Frische in die schwerfällige , walzende Menge mischten . Die jungen Malerköpfe waren voll Leben . Die Augen aller sahen voll Spannung in die bunte Welt des nächtlichen Reigens . Heiter und unbedacht streifte der träumende Blick dieser staunenden Jungwelt den Duft der Dinge dieser Festnacht und schwang sich lachend inmitten des bäuerlichen Gestampfes immer wieder neu hinein , nicht nur zu schauen , auch dabei zu sein . Einhart war spät in das Tanzzelt getreten , hatte ein paar seiner Kameraden mit flüchtigem Nicken angesehen und war unschlüssig unter die Gruppe Bauern am Eingang zurückgegangen . Man kannte ihn auch hier allenthalben , weil er noch immer fremdartig genug aussah . Nicht mehr verwahrlost , sehr schlank und mager . Aber die Augenbrauen immer mehr wie breite Bänder , die Augen aus Tiefdunkel blinzelnd oder auch mit der Güte und Einfalt und dem verlorenen Lächeln eines Kindes , oder plötzlich der Blick mit Funken wie der eines harten , andalusischen Räubers . So war er allen , auch den Bauern , immer ein wenig ungeheuer . Die jungen Malerinnen waren halb moquant , halb hingezogen , obwohl Einhart in dieser Zeit für niemand recht zu gebrauchen war . Auch an diesem Abend war Einhart sehr gleichgültig . Es sich von Festen und bunten Aeußerlichkeiten ablesen , hatte er völlig verlernt . » Die Natur meiner Augen und Sinne hat es so schön eingerichtet , daß die Welt ohne Mühe hineinspringt . Und was hineinspringt , ist mir sicher , « sagte er . » Wenn sich meine Stunde nach etwas sehnt , was verloren ist , kommt es aus der Brunnentiefe aufgestiegen wie der Nix im Märchen und lacht oder weint mit mir . « So lebte er die Dinge ohne Anspruch . Auch alle die leuchtenden oder beschatteten Gesichter rings . Aber er sah manchen Bauern doch scharf an , und manches blonde Mädchen , das vorbeihuschte , ihn zu grüßen , und den derben Burschen , der Hut oder Mütze vor ihm lupfte . Er hatte immer etwas Prüfendes im Blick . Es war gar nicht Methode . Es war gewohntes Leben jetzt . Und Einhart mischte sich dann doch unter die Tanzenden , tanzte mit einer wunderlichen Schönheit , die vom Moore in bunten Damenflittern gekommen war , nachdem sie Jahre jenseits des Meeres gewesen und rechtes Geld mit heimgebracht . Alle Moorleute staunten die überlegen Prunkende an , die sie früher als einfaches Heidekind gekannt , wie sie mit ihren Seidenbehängen und der Schleppe jetzt im Arme Einharts hinflog , mit sicherer Grazie alles flatternde Lose ihres Gewandes zusammenhaltend und umschwingend , wie es keine der derben , gesunden Moortöchter in ihrer behaglich runden Umdrehung vermochte . Aber wie auch alle die lustigen , jungen Blicke rings , je mehr die Zeit hinging , lockten und bedrängten , wie auch Einhart dann noch einmal lange stumm am Tische unter den Malern gesessen , in die flackernde Regsamkeit des halbhellen Tanztaumels hineinstarrend , wie er auch dann unentschlossen einem blonden Mädchenkopfe sich nachgestohlen , der ihm ein paarmal mit heimlichen Blicken zugeblinkt , wie ihn auch dann die lustige , schmiegsame Heide , jung und derb und verliebt , mit heißen Erhitzungen jetzt in der Festnacht hinausgelockt in die Waldschatten und sich an ihn gehangen mit weichen Armen , die aus den offenen Aermeln wie Nixenarme im Sternenschein glänzten , Einhart konnte in dieser Nacht nirgend Ruhe finden . Er hatte es noch immer aus dem Wandervolke , die treibenden Süchte , die wie Krankheiten ihn manchmal plötzlich überfielen und versehrten . So geschah es auch heute , daß in die drängenden Flüstertöne dieser Nacht , in das Gesumme und Geräusche in den Baumwipfeln oben und das Silberlicht der Sterne , unter die scharfen Schatten im Waldgrunde und in die stammelnde Sehnsucht des blinkenden Mädchenmundes ein Bild plötzlich tiefer Erschrockenheit hineinsprang . Daß Einhart seinen Namen aus den Weiten der Nacht herhalten hörte , und hinstarrte - und hinlauschte - gierig . Und es zum andern und zum dritten Male vernehmlich einsog : » Einhart ! - Einhart ! - Einhart ! « von einer leiblichen Stimme silberhell durch die Nacht gerufen . Daß ihm die übrige Welt rings darnach wie in Totenruhe verstummt erschien