Bauer wird unterdrückt wie zuvor . Da wird dann Weltmachtspolitik getrieben , welche das Blut des Volkes und ungezählte Millionen kostet . Wenn man so fortfährt , mit Hilfe des Zentrums durch fehlerhafte Gesetze den Mittelstand zu untergraben , so wird baldigst aller Wohlstand entweichen . Die Erfahrung hat gelehrt , wo in einem Lande gut bemittelte Bauern leben , da leben auch vermögliche Geschäftsleute und Professionisten . Dagegen wo arme Bauern sind , da ist es ruhig und traurig , kein Geschäft , außerdem findet da der Gerichtsvollzieher reiche Ernte . Dem müssen wir entgegenarbeiten , wenn wir nicht wollen , daß unsere Kinder uns den Fluch nachsenden , weil wir nicht für sie gesorgt haben . Es ist höchste Zeit , daß der Bauer nicht länger mehr das Lasttier ist , dem man alle Bürden auflegen kann von Seite der Bureaukratie und des Klerus . « » O Herr , verzeihe ihm ! Er weiß nicht , was er tut , « rief der Dekan Metz . » Ich verbitte mir diese Zwischenrufe , « sagte Wanninger . » Wenn Sie glauben , daß Sie mich widerlegen können , so können Sie das Wort verlangen und nach mir besorgen . « » Sie reden ja wie Kraut und Rüben daher ! Das kann sich kein vernünftiger Mensch merken , « erwiderte Metz . » Es ist lauter Blödsinn , « schrie Kroiß . ( Mäu halt ' n da vorn ! Ruhe ! ) » Betreff die Äußerung , daß ich einen Blödsinn rede , habe ich schon erwidert , « sagte Wanninger . » Die Herren , welche glauben , daß sie gar so gescheit sind , sollen es einmal versuchen , ein mit Schulden belastetes Anwesen zu übernehmen und dann rentabel wirtschaften . Da werden sie vielleicht sehen , daß dazu mehr Verstand gehört als zur Bureaukratie . Überhaupt verbitte ich mir jede Beleidigung , auch wenn es vielleicht ein Beamter ist . « ( Recht hoscht , Wanninger ! Bravo ! Außi schmeißen soll ma ' n ! Ruhe ! ) Wanninger ergriff wieder das Wort . » Nach meiner Ansicht ist der allzu enge Anschluß an Preußen die Schuld am Niedergange des süddeutschen Mittelstandes . Das Zentrum legt bereitwillig Millionen auf den Altar des preußischen Kriegsgottes . Es fehlt nur noch , daß Eisenbahn und Post eingesackt werden , dann sind wir vollkommen preußisch . In den oberen Kreisen läßt man sich zu sehr von dem norddeutschen Leuchtturm blenden , da ist es also die Aufgabe des Bauernbundes , dafür zu sorgen , daß unsere weiß-blauen Pfähle keinen Farbenwechsel erleiden . Einigkeit macht stark , heißt das Sprichwort , welches sich noch immer bewährt hat . Die Erfahrung lehrt uns mit nur zu beredter Sprache , daß Bauern und Gewerbetreibende innig zusammenhalten müssen , um dem drohenden Abgrundrande zu entgehen . Wo sind heute noch die Bauern , welche den Lohn ihrer Arbeit genießen können ? Sie sind nicht mehr da ! Dafür sieht man heute die Männer dieser Stände in Existenzkämpfen ihre Tage in dumpfer Resignation dahin leben . Leider haben die Bauern bis jetzt in blinder Vertrauensduselei die Vertretung ihrer Lebensinteressen anderen Ständen überlassen , welche nur für das Blühen und Gedeihen der Millionärzucht und ihr eigenes Ich sorgten , für den Mittelstand , der alle Lasten zu tragen hat , aber nur leeres Stroh droschen . Und doch haben wir , gelinde gesprochen , die gleichen Rechte . « » Das ist nicht mehr zum Aushalten ! « schrie Kroiß . » Na gehst außi ! « » Ruhe ! « » In Preußen hat man nur Sinn für Großmannssucht , daher auch dort Großgrundbesitz , Großindustrie und Großkapital das Ruder führen und ihren unheilvollen Einfluß auf die Gesamtreichsgesetzgebung ausüben . Betrachten wir nur den Militarismus mit seinen Auswüchsen ! Was muß Land und Volk leisten , um das Pensionswesen zu bestreiten ! Und was reicht man dem Nährstand für alle seine Opfer ? Gesetze nach dem Willen der oberen Zehntausend , Polizeistock , aber brav Hurra schreien , im übrigen ' s Maul halten ! Dagegen hilft nur eines . Das feste Zusammenhalten des bayerischen Volkes ; vom Zentrum aber müssen wir uns losreißen , weil es die Einsackung Bayerns nicht verhindern will . In diesem Sinne müssen wir im Bezirke Nußbach eine Markgenossenschaft des Bauernbundes gründen . « Wanninger stieg von der Tribüne herunter und ging auf seinen Platz zurück . Das Wochenblatt berichtete , daß der Beifall ein äußerst warmer gewesen sei , und daß man allen Anwesenden angesehen habe , wie ihnen der Redner aus der Seele gesprochen hatte . Auch Wanninger selbst war zufrieden mit dem Erfolge , und er sagte späterhin zu seinen Freunden , daß man den Bauern großes Unrecht tue , wenn man ihnen politisches Verständnis abspreche . Es komme alles darauf an , daß man in populärer Manier mit ihnen rede . Nach ihm wurde dem päpstlichen Hausprälaten , Herrn Dekan Metz , Abgeordneten für Nußbach und Umgebung , das Wort erteilt . Er sagte gleich eingangs , daß sein Herz schmerzlich bewegt sei , und sein Gesicht drückte dieses Gefühl deutlich genug aus . Allein es stand ihm nicht wohl an ; ein Mann mit Doppelkinn und Hängebacken kann nie die Trauer eines ganzen Standes in seinen Mienen vorführen , und wer in jeder rundlichen Form seines Leibes den Beweis eines behaglichen Daseins vor Augen führt , befindet sich im Nachteil , wenn er von Druck und Verfolgung spricht . Diese Einsicht fehlte dem Dekan Metz . Er war in Selbsttäuschung befangen und glaubte , seine Nußbacher zu rühren , wenn er ihnen den Mann ihrer Wahl in schmerzlicher Verfassung zeigen würde . Er sah sich lange im Saale um , wie ein Vater , der seine Familie versammelt hat und jeden einzelnen ins Auge faßt . Und dann begann er . » Meine Lieben ! Erlaubet mir , daß ich euch noch so heiße , obwohl heute manches Wort gefallen