wurde sie wieder zufrieden und heiter ; seit sehr langer Zeit war sie nicht in solcher Verfassung gewesen . Nach einer Weile stand er auf , um das Zimmer zu verlassen ; groß und stattlich war er vor ihr , und sie blickte in ein ungetrübtes und lachendes Gesicht . Da überkam sie eine besondere Zärtlichkeit und gab ihm einen Wink , daß er sich über sie beugen mußte , und sie selbst hob ihren Kopf und drückte ihm einen Kuß auf die Stirn ; dabei überflog Röte ihr ganzes Gesicht , und ihre Augen glänzten . Wie er zum Vater zurückkehrte , fand er den in einer Ecke seines großen Lehnstuhls , da sah er ganz verfallen und grau aus ; schweigend wies er dem Sohn einen Platz an . Die Furcht vor dem Gespräch lastete auf beiden , und um die Stille zu brechen , sagte der junge Mann endlich gleichgültige Sätze über die Ernte . Der Vater nickte nur , denn ihm verschloß die Angst den Mund noch fester wie dem Sohne , zuletzt aber fragte er doch nach dem Grund des Besuches , unvermittelt . Da schwieg der junge Offizier zuerst lange , und endlich erzählte er , daß er Abschied von den Eltern nehmen wolle , weil er am andern Tage einen Zweikampf habe , in dem er fallen werde . Nichts weiter sagte er , aber der Vater merkte , daß sein Sohn sich schämen mußte über die Ursache , und daß alles unabwendbar war , und saß da mit entsetztem Ausdruck und offenem Munde , und den Sohn überkam ein Ekel vor dem gedunsenen und schlaffen Schlemmergesicht ; deshalb fügte er in härterer Sprache hinzu , daß er seine Schulden und andre Verpflichtungen aufgeschrieben habe und ihm das Verzeichnis geben wolle , damit der Vater später alles begleiche . Da war es , als sei dem Alten das Wichtigste gar nicht klar geworden , und nur das Geringere berührte ihn , und fing an , mit heftigen Worten auf den Sohn zu schelten , daß der Schulden gemacht habe , und in seiner Verstörtheit gebrauchte er ganz gemeine Ausdrücke . Hierdurch geriet der Junge in eine feindliche Erregung und sprang ungestüm von seinem Stuhl auf und erwiderte die Vorwürfe und sagte dem Vater , daß er keine Eltern gehabt habe , und auch sein Bruder habe keine Eltern gehabt und auch seine Schwester nicht ; niemand habe sich um sie gekümmert wie bezahlte Leute , denn den Eltern waren sie zur Last , weil die andre Dinge vorhatten ; nur wurden sie zuweilen der Mutter vorgeführt in geputzten Kleidern und mit einstudierten Reden ; nie haben die Eltern ein Herz gehabt für die Kinder , deshalb seien die nie mit einer Bitte zu ihnen gekommen ; ein einziges Mal habe er erlebt , daß die Schwester gebeten , sie möchte gern Kaninchen haben , da sei ihr von der Mutter geantwortet , daß kein Raum vorhanden sei . Viele Vorwürfe habe er sich selbst schon gemacht über sein verkehrtes Leben , das nun jetzt in jungen Jahren zu Ende sei , und er wisse wohl , daß er selbst schuld habe , denn trotz allem hätte er ein andrer Mensch werden können ; aber außer ihm selbst seien die Verursacher seines Unterganges sein Vater und seine Mutter . Und nicht lange könne es dauern , dann werde sein Bruder Ivo nach Hause kommen in derselben Weise wie jetzt er . Damit warf er das Verzeichnis der Schulden auf den Tisch und sagte , sein Erbteil müsse hinreichend groß sein , daß diese Summen nur eine Kleinigkeit dagegen ausmachten , und dann ging er aus der Tür ; erleichterten Herzens , denn er war ein schwacher und schlechter Mensch und war nun beruhigt in seinem Gewissen , weil er sein Unrecht einem andern aufgeladen hatte . Wie nun die Nachricht kam von dem Tode des jungen Herrn , da ereignete sich das Sonderbare , daß die alte Gräfin plötzlich von ihrem Lager aufstand , auf dem sie fünfzehn Jahre lang verharrt , und war , als sei sie nie krank gewesen . Sie ließ sich die Kleider kommen , die sie damals zuletzt getragen , als sie sich gelegt , und wählte sich ein dunkelfarbiges Gewand aus ; es schien aber , als sei sie größer geworden , und ihre Figur hatte sich verschmälert , so daß das Kleid in sonderbarer Weise auf ihr hing , und indem es gleichzeitig unmodern geworden war und für einen jugendlicheren Menschen gearbeitet , machte sie einen seltsam unheimlichen Eindruck in ihrem Aufzug . Mit Leichtigkeit stieg sie die Treppen und besuchte alle Räume und Winkel und betrachtete Vorräte und Einrichtungen und fand alles ganz anders , wie sie es sich auf ihrem Lager gedacht , und geriet in heftige Erregung über die Dienstboten ; und so schalt sie im Hause herum und zankte mit Bosheit , während die Leiche des Erstgeborenen gebracht wurde und der alte Herr verstört in seinem verschlossenen und verriegelten Zimmer saß . Nach dem Herkommen wurde der Tote in einem großen Saal aufgebahrt , der mit Tannengrün geschmückt war ; in dem Saal hatten seit vielen hundert Jahren die Toten des Geschlechtes gelegen , von Lichten auf alten Leuchtern ihre wachsfarbenen Gesichter beschienen . Die Leute aus der Gegend und die Bedienten und die Arbeiter von den Gütern kamen , die Leiche anzusehen ; sie kamen mit ihren Frauen und den schüchternen Kindern und hatten ihre Sonntagskleider angezogen . Da sahen sie die Gräfin in wunderlicher Kleidung , die über die Leiche des Sohnes ausgestreckt lag und schluchzte , daß ihre Gestalt erschüttert wurde . Viele Stunden lag sie so , und wie sie sich erhob , begann sie wieder ihr mißtöniges Schelten mit den erschreckten Leuten und eilte aufgeregt durch alle Räume , Kommodenschubladen aufziehend , in denen sie vor fünfzehn Jahren alte Flicken aufgehoben , in Schränken wühlend und nach längst vertragenen Kleidern forschend , das Porzellan und Glas betrachtend ,