um glücklich zu machen . Das kannst du nur selbst nicht fühlen - damals wolltest du es auch nicht glauben , und sind wir dann nicht doch glücklich gewesen , so ganz selten glücklich ? « » Ja , aber vielleicht könnte ich es auch einmal wollen , unglücklicher zu sein , wie alle andern . « Sie sah ihn lange an , dann warf sie sich in seine Arme und atmete förmlich auf - es war ja noch Zeit , noch mußte es nicht sein . » Ach , jetzt wollen wir nicht mehr von solchen Sachen reden , Reinhard . « Noch eine letzte große Fußtour wollten sie machen und dann , ehe Reinhards Urlaub zu Ende ging , auf ein paar Tage zu seiner Mutter , die auch im Gebirge war . Ellen fing an die Stunden und Tage zu zählen - noch siebenmal Morgen und Abend - bei jedem Schritt ging es jetzt neben ihr her - noch einen Tag , noch einen - noch war er jeden Morgen da , wenn sie aufwachte , und dann wanderten sie zusammen in die sonnenglühende Bergwelt hinein , übernachteten wieder in einem andern stillen Dorf . Noch vier Tage - - . Eines Nachmittags stiegen sie über einen Paß . Ellen machte einen ungeschickten Tritt und glitt ein paar Stufen hinunter - die Berge schwammen um sie her , drehten sich , sie fühlte einen heftigen , inneren Schmerz , dann sank sie in die Knie , und ihr wurde schwarz vor den Augen . Reinhard war gleich neben ihr und half ihr auf : » Was hast du denn , Ellen ? « » Ich weiß nicht « , sagte sie , » aber ich glaube , ich kann nicht weiter gehen . « Dann versuchte sie ein paar Schritte . » Nein , es geht schon wieder . « Sie ruhten eine Weile aus und gingen dann weiter , durch Täler im Sonnenuntergang , auf Höhen hinauf und wieder hinunter . Ellen ging hinter Reinhard her , um ihn nicht sehen zu lassen , wie schwer es ihr wurde . Der Schmerz von vorhin kam immer wieder , nur im Kopf war ihr so seltsam leicht und klar - das andere war nur noch wie eine fremde , brennende Masse , die ihr folgen mußte , weil sie es wollte . Es lag eine Art Wollust darin , sich so Herr über seinen Körper zu fühlen . Sie wollte jetzt nicht krank werden , nicht zusammenbrechen - nur jetzt nicht - , dazu war später noch Zeit . Spät abends , als es lange dunkel war , fanden sie endlich ein Nachtquartier in einem entlegenen Dorf . Ellen lag die ganze Nacht wach und hörte auf seine Atemzüge . Ihr schien , als ob bei dem langen Stilliegen alle Kraft sie verließe . Wenn sie nun nicht wieder aufstehen konnte ? Wenn sie hier liegen bleiben mußte in dem niedrigen , moderigen Zimmer , - es nahm ihr den Atem , daran zu denken . » Können wir nicht fahren ? « fragte sie am Morgen . » Es geht von hier aus keine Post , aber wir könnten ein paar Tage bleiben und uns ausruhen . Du sollst dich nicht überanstrengen , fühlst du dich krank ? Vier Stunden müßten wir noch gehen bis zur Bahn und dann nach Bozen fahren . « Er ging hinunter , um den Kaffee zu bestellen , und als er wiederkam , war Ellen schon bereit . » Nein , wir wollen doch lieber gehen . « Abends waren sie in Bozen und standen zusammen auf dem Balkon , der nach dem Hotelgarten hinausging . Unten lag ein großes Beet mit Monatsrosen . Reinhard und Ellen sahen hinaus in die Dämmerung und sprachen , plötzlich fuhren sie beide unwillkürlich zusammen . Von der Seite , aus dem Gebüsch her , kam ein hinkender , verwachsener Mensch mit seltsam spitzigem Kopf - wie ein Gnom sah er aus - der sich scheu nach allen Seiten umblickte , dann rasch den Beeten zuschlüpfte und ein paar Blumen abriß . Dann war er wieder im Gebüsch verschwunden . Reinhard und Ellen sahen sich an . » Bist du erschrocken ? « » Was war das ? « sagte sie . » Das war kein wirklicher Mensch , und was wollte er ? - Er hat uns so angesehen . « Reinhard lachte , um sie zu beruhigen , aber er hatte ebenso wie sie einen unerklärlichen Schauder gefühlt . » Kannst du wieder nicht schlafen , Ellen ? « » Nein - wenn du nicht müde bist , komm noch etwas her und sprich mit mir . « Er kam und setzte sich auf ihr Bett : » Wenn sich doch etwas gegen diese Schlaflosigkeit tun ließe - was ist nur mit dir , Ellen ? « » Ja , es ist schon manchmal arg - , aber ich möchte doch nicht wieder mit den Schlafmitteln anfangen wie letzten Winter . - Und man denkt so viel dumme Sachen , wenn man immer so daliegt . « » Woran dachtest du denn jetzt ? « » Ach , daß ich doch vielleicht krank bin , daran denke ich oft . - Und dann geht mir gerade heute eine Geschichte im Kopf herum , die mir die Dalwendt erzählte , als wir zusammen auf dem Land waren - wir haben viel darüber gesprochen und ich möchte eigentlich wissen , wie du darüber denken würdest . « » Was für eine Geschichte ? - Dann erzähl ' sie mir doch . « Ellen lag im Dunkeln , er konnte ihr Gesicht nicht sehen , und sie erzählte ihm ihre Geschichte . Ihr ganzes Fühlen war in einer übermenschlichen Spannung - bei jedem Wort fürchtete sie laut aufzuschreien , aber ihre Stimme klang ganz ruhig und monoton . Reinhard hörte nachdenklich zu : » Liebte er sie denn nicht ? - Ich meine der ,