Wille ? Bei Christo , welcher sprach : » Wer von euch ohne Sünde ist , der werfe den ersten Stein auf ihn ? « Oder bei diesen hochangesehenen christlichen Priestern und Laien , die mit den Gottesleugnern im engsten Operationsbunde den begeisterten Bekenner der Lehre von der Nächstenliebe aus der » Gemeinschaft der Gläubigen « hinauszuwerfen trachteten ? Es kann ja doch gewiß nur eines von beiden wahr und richtig sein ! Entweder hat der Heiland sich geirrt , indem er etwas forderte , was ganz unmöglich war , oder diese Herren treten mit Widerwillen vor dem allerchristlichsten seiner Gebote zurück , weil ihnen die Selbstüberwindung fehlt , es zu erfüllen ! Wenn solche Fragen im Ustad nach klarer Antwort und nach Lösung trieben , so mußte alles , was in ihm festgestaltet gewesen war , ins Wanken kommen , tief erschüttert werden . Daher sein Bestreben , mich zu sich heran in das Gespräch zu ziehen und so lange festzuhalten , bis er deutlich sehe , wo eigentlich das wahre Christentum zu finden sei , bei ihm oder bei diesen Anderen . Wo es zu suchen sei , das wußte ich genau , durfte es ihm aber nicht in deutlichen Worten sagen , weil die Klarheit in seinem eigenen Innern aufzutauchen hatte . Daher mein dilatorisches Verhalten , die Dehnung unsres Stoffes und dann aber auch unsere gemeinschaftliche Freude , als die Antwort endlich , endlich aus dem Alabasterzelte herabgestiegen kam . Nun war es hell und licht geworden , sogar während meines Schlafes . Ich weiß , ich träumte nicht , und dennoch war es mir , als ob ich träume . Wer war ich wohl , und wo befand ich mich ? Ich atmete nicht , und doch war alles Odem ! Ich bewegte mich nicht , und doch wallten tausend und abertausend Wogen unendlichen Glückes in mir . Meine Augen waren geschlossen , und dennoch sah ich Herrlichkeiten rings um mich her , die unbegreiflich sind . Und plötzlich hatte ich Flügel . Ich flog . Wohin ? Durch Ewigkeiten ! Bis ich müde wurde und nach einem Punkte suchte , an dem ich ruhen könne . Und ich fand ihn , fand ihn wieder , diesen meinen irdischen Ruhepunkt im Reiche der Ewigkeiten . Und wo lag er ? Im Schlafe , im tiefen , tiefen Schlafe . Ich neigte mich trotzdem zu ihm nieder und - - schlug die Augen auf . Da stand die Sonne schon in des Vormittags Mitte , und um mich her war alles licht und warm . Das Geräusch des Tages drang zu mir herauf . Ich fühlte mich gekräftigt und so frisch , wie schon seit langer Zeit nicht mehr . Ich stand also auf und ging auf das freie Dach hinaus . Im Hofe unten wurden die Kamele des Ustad gesattelt . Ihn selbst sah ich nicht . Links drüben grasten unsere Pferde auf der bergigen Weide , welche an den Komplex der Ruinen grenzte . Der See glänzte azurblau zu mir herauf . Die Bewohner des Duar waren in lebhafter Bewegung , natürlich der Reise ihres Ustad wegen . Von meinem Vorplatze führten Stufen hinüber nach dem Glockenwege , welcher , von oben herabkommend , sich bis zur Gartenhöhe niedersenkte , wo die Quelle sprudelte , neben welcher sich der Herr des hohen Hauses eine rundum eingefaßte Badestelle abgeschlossen hatte . Ein solches Bad erschien mir sehr von Nutzen . Darum stieg ich da außen langsam am Berg hinab und fand die Tür zum Wasser geöffnet . Wie das erfrischte , dem Körper doppelte Kraft zu geben schien ! Als ich fertig war , spazierte ich auf dem weichen Grase zu unsern Pferden hin . Welche Freude , als sie mich erkannten ! Als ich mich dann wieder entfernte , wollten sie partout mitgehen , und ich hatte sie sehr eindringlich zu bedeuten , daß ich dies für jetzt nicht wünsche . Nun durch den Garten nach dem Hofe gehend , kam ich an der Küche vorüber . Diese stand offen . Die » Festjungfrau « sah mich , kam heraus , schlug vor Verwunderung die Hände zusammen , daß es nur so klatschte , und rief : » Maschallah , du schläfst nicht mehr , Effendi ! Das ganze Haus durfte sich nicht laut bewegen , um dich ja nicht zu wecken . Wie hat unser Ustad dich doch gar so lieb ! « » Wo befindet er sich jetzt ? « erkundete ich mich . » In seiner Stube . « » Und Agha Sibil ? « » Der sitzt mit seinem Sohne in der Halle . Ich habe die halbe Nacht hindurch gebacken und gebraten , um Proviant für die Reise nach Isphahan zu machen . Für dich aber habe ich trotzdem immer Zeit . Weißt du , Effendi , um was ich den Ustad gebeten habe , was er mir aus der Hauptstadt mitbringen soll ? « » Nun ? « » Eine Kasawaika ! « 21 Bei diesem Worte strahlte ihr Gesicht in einer auffälligen , mir krankhaft scheinenden Wonne . » Eine Kasawaika ? « fragte ich , » woher kennst du das ? So etwas wird doch hier gar nicht getragen ! « » Ich habe es gesehen , als ich noch beim Schah-in-Schah mit kochte . Die russischen Madama hatten es . Ich muß so eine haben ! Rot und blau , grün und gelb . Das sieht so schön im Fackellicht . « » Fackellicht ? Hm ! Ich denke , du gehst stets weiß ? « Da kam sie die Stufen vollends herab , trat nahe zu mir heran , legte das fette Händchen auf meinen Arm und sagte in ehrfurchtsvoller Duzbrüderlichkeit : » Ja , immer weiß ! Zuweilen aber auch bunt , ganz bunt ! Das steht mir besser , viel , viel besser ! Der Aschyk22 sagt das auch ! « » Du hast einen Geliebten , Pekala ? « Da errötete