. Es war ihm eines zugestoßen ; sie sah es dann aus der tiefen Verstörung seiner bleichen Miene , nur daß er trotz ihres flehentlichen Bittens nicht sagen wollte , welches . Er werde ihr später alles erklären ; für jetzt möge sie ihm nur die eine Liebe thun und ihn in Ruhe lassen . Gehorsam , wortlos , thränenlos war sie zu den Kindern gegangen , in der Thür noch einmal die schreckenstarren Augen mit stummer Frage und Klage auf ihn wendend . Und heute morgen hatte er sie wieder auf später vertrösten müssen . Dann hatte sie nicht mehr gefragt , nicht mehr geklagt . Setzte sie doch ein unbedingtes Vertrauen in seine Redlichkeit , seine Ehrenhaftigkeit ! Auch nicht der leiseste Schatten des Verdachtes , daß hier eine Frau im Spiel sein müsse , stieg in ihrer reinen Seele auf . Zweifellos hatte Albrecht mit dem Direktor , der ihm auch sonst wenig gewogen war , einen bösen Streit gehabt ; und seine Stellung an der Schule war in Gefahr , vielleicht verloren , wenn auch zweifellos das Recht auf seiner Seite stand . Er würde seine gute Sache mannhaft durchfechten , dessen war sie gewiß ; und wenn für den Augenblick das Amtsgeheimnis ihm die Zunge band , so mußte sie sich in Geduld fassen , durfte ihm die Ruhe und Sammlung , die er sicher jetzt hochnötig brauchte , nicht nach Weiberart durch Ein- und Dreinreden stören und rauben . Ihre Vermutung wurde zur Gewißheit , als im Laufe des Vormittags der Schuldiener » ein amtliches Schreiben von dem Herrn Direktor « brachte , und kurz darauf ein sehr eleganter Herr , wie Auguste sagte , seine Karte hereinschickte - ein Herr Rat , sagte Auguste , mit einem » von « vor dem Namen - jedenfalls ein Beamter aus dem Kultusministerium , der mit Albrecht die Sache besprechen sollte , in dem für Albrecht günstigsten Sinne natürlich . Der Herr Direktor mochte sich vorsehen ! Albrecht hatte da oben hohe Gönner , die mit einem Herrn Gymnasialdirektor nicht viel Federlesens machten ! Das waren gewiß keine leeren Worte gewesen , die der Herr Minister neulich abends zu Albrecht gesprochen hatte : er hoffe bald Gelegenheit zu haben , ihm seine Dankbarkeit für den gehabten Genuß durch die That zu beweisen ! Hier war nun die Gelegenheit ! Der Herr Direktor würde sich wundern ! Der Herr aus dem Kultusministerium war nur kurze Zeit geblieben ; aber die Unterredung mußte von der größten Wichtigkeit gewesen sein : er und Albrecht hatten so leise gesprochen ; kaum ein Laut , geschweige denn ein verständliches Wort war durch die Thür , die doch schlecht genug schloß , aus seinem Arbeitszimmer in das Berliner Zimmer gedrungen ! Dann war Albrecht ausgegangen , um nach einer Stunde wiederzukommen . Abermals nach einer Stunde hatte sich sein Freund , Doktor Rodeck von der Universität , melden lassen zu einer Besprechung , die sehr lange währte , und bei der er ebenso geheimnisvoll zuging , wie bei der mit dem Herrn vom Kultus . Diesmal handelte es sich fraglos um die Berufung Albrechts zum Universitätslehrer . Es war nur noch nicht entschieden , ob außerordentlicher , oder ordentlicher . Wenn Albrecht sich nur nicht zu billig verkaufte ! Er war in solchen Fällen so lächerlich bescheiden ! hatte gar keine Ahnung davon , wie weit er die andern Leute überragte ! Hätte sie doch nur bei den Verhandlungen zugegen sein dürfen ! Galt es für Albrecht zu sprechen , hatte es ihr im Leben noch nicht an den rechten Worten gefehlt ! Aber das ging doch nun nicht . Und Albrecht würde , wenn nicht an sich , doch an Frau und Kinder denken und seine Bedingungen nicht zu niedrig stellen . So ein kluger , klarer Kopf , sobald er sich einmal die Mühe gab , etwas ordentlich zu überlegen ! Dann traf er ja immer das Richtige ! Das alles stimmte Klara so heiter , wie sie sich seit langer Zeit , sie meinte , nie gefühlt . Sie mußte beinahe lachen , wenn sie an ihre Angst gestern abend dachte und an die gewiß ganz verrückte Miene , mit der sie ihren armen geplagten Albrecht empfangen hatte . Natürlich kam Doktor Rodeck noch einmal : irgend ein wichtiger Punkt war vergessen worden . Ja , verehrter Herr Doktor , unter dem Ordentlichen thun wir es nicht ! Und da beißt kein Mäuslein ein Fädlein ab ! Auguste traute ihren Ohren nicht , als sie Frau Professor in der Kinderstube lachen und tollen und zuletzt gar singen hörte . Sie war nun schon fünf Jahre bei Professors . Das war ihr noch nicht passiert . Über all dem Kommen und Gehen war es drei Stunden später als sonst mit dem Mittagstisch geworden . Das hätte unter normalen Umständen Klaras Geduld auf eine harte Probe gestellt . Heute fand sie es ganz in der Ordnung . Helenchen , die jetzt wieder ganz munter auf den kleinen Füßen durch alle Zimmer lief , und Fritzchen hatten vorher essen müssen ; aber der Papa verlangte nach ihnen , und so durften sie mit bei Tisch sitzen und bekamen jedes eine halbe Birne und einen Schluck aus Papas Glase . Der arme Papa hatte es sich gestern und heute so sauer werden lassen ; da mußte eine von den sechs Flaschen , die sie für die nächste Gesellschaft in der Speiseklammer verwahrt hielt , » springen « . Und die Kinder waren glücklich , und sie war glückselig ; und Albrecht , obgleich er von all den Anstrengungen und Aufregungen noch ein wenig bleich aussah , war so freundlich , so liebevoll zu ihr und den Kindern , erzählte nach Tisch den Kleinen so reizende Geschichtchen , die er sich immer selbst ausdachte ; sprach mit ihr so herzlich - obgleich von der großen Angelegenheit natürlich nicht die Rede war . Und als es spät geworden und er sagte , er sei zwar