kümmern . « Willy haschte ihren Arm und gab ihn nicht mehr frei - Lieserl sträubte sich auch nicht allzusehr . » Und vor mir wirst du doch keine Angst haben ? Wir sind doch schon im vergangenen Sommer gute Freunde geworden . Ja , Lieserl , ich habe viel und oft an dich gedacht . Und heute bei meiner Ankunft in Hubertus war die Frage nach dir das erste Wort , das ich mit Moser gesprochen habe . « Lieserl blinzelte ungläubig . » Ist das auch wahr , Herr Graf ? « » Natürlich ! « versicherte er und drückte ihren runden Arm an seine Brust . » Ich kann dir gar nicht sagen , wie sehr ich mich freue , daß ich dir begegnet bin , gleich am ersten Abend ! « » Ja , das ist wirklich merkwürdig , ein solcher Zufall ! « Kichernd versteckte sie das Gesicht . » Und du , Lieserl , ehrlich , hast du auch manchmal an mich gedacht ? « Die Antwort ließ auf sich warten . Endlich sagte Lieserl diplomatisch : » Das ist aber ein bißl viel gefragt , Herr Graf . Man muß nicht alles wissen ! « Willy wurde warm . » Wirst du gleich antworten , du Schnabel , du niedlicher ! « Mit flinkem Griff umschlang er ihre Hüfte . » Heraus mit der Sprache : Hast du an mich gedacht oder nicht ? « Er preßte das Mädel fest an sich . Nun war es mit Lieserls Hochdeutsch zu Ende . » Aber ich bitt , Herr Graf , sind S ' doch gscheit ! « » Heraus mit der Sprache ! « Da klang vom Zaunerhäuschen der Ruf einer Männerstimme : » Lieserl ! Lieserl ! « » Jesus Maria , der Vater ! « stotterte das Mädel und versuchte sich loszureißen . Willy hielt mit dem rechten Arm fest , fing mit der linken Hand das hübsche Köpfl ein und verschloß das Stottermäulchen mit einem Kuß , der nicht unerwidert blieb . » Aber Sie sind einer ! « schmollte Lieserl , als sie nach längerer Dauer ihre Freiheit gewann ; und hurtig surrte sie davon , während Willy lachend den Straßengraben übersprang und sich in die Buchenbüsche drückte . Von Hubertus klang mit bimmelndem Hall die Tischglocke . Dem Fußweg neben der Straße folgend , begann Willy zu laufen , immer schneller . Fast atemlos erreichte er das Parktor und rannte durch die dunkle Ulmenallee . Als er den freien Platz vor dem Schloß erreichte , befiel ihn plötzlich ein krampfhafter Hustenreiz . Taumelnd stützte er sich an einen Baum und drückte das Taschentuch auf den Mund . Als der Anfall vorüber war , trat er langsam auf den offenen Platz hinaus , über den die erleuchteten Fenster ihre Helle warfen . Vor der Veranda blieb er stehen , streifte mit dem Zeigefinger über die Lippen und untersuchte das Taschentuch . » Ach Unsinn ! « murmelte er und nahm mit einem Sprung die drei Stufen der Veranda . Im Speisezimmer fand er Kitty , Gundi Kleesberg und Robert bereits beim Souper . Tassilos Platz war noch leer . Als Willy eintrat , fragte die Schwester : » Hast du sie gefunden ? « Der Doppelsinn dieser Frage machte ihn lachen . » Natürlich ! Das hat keine große Mühe gekostet . « Er nahm seinen Platz ein und rieb vergnügt die Hände . Während des Soupers trug er die Kosten der Unterhaltung , kramte alle Neuigkeiten der Residenz aus und sprach mit bedenklichem Eifer dem Glase zu . Das bemerkte Robert und räumte schließlich dem Bruder unter einem mahnenden Blick die Weinflasche aus dem Bereich der Hände . Willy schien die Bedeutung dieses Blickes zu verstehen ; wohl zuckte er ärgerlich die Schultern , doch ließ er sich die Sache schweigend gefallen . Für ein paar Minuten war seine Laune gedämpft ; dann sprudelten seine Worte wieder wie ein munteres Brünnlein . Der Erfolg , den er damit hatte , war allerdings ein zweifelhafter . Robert aß nervös und schien nicht zu hören , Kitty blieb zerstreut , und Gundi Kleesberg hüllte sich in die schweigende Würde der Beleidigten . Bei der fliegenden Revue , die Willy über die Sensationen der letzten Wochen hielt , kam auch der Theaterklatsch an die Reihe . Trotz Tante Gundis räuspernder Unruhe erzählte er von einer Duellaffäre , in die der Name der ersten Solotänzerin verwickelt wäre . Und dann wandte er sich an die Schwester . » Weißt du auch schon das Allerneueste ? Das muß dich besonders interessieren . Du schwärmst ja für die Herwegh . « Erschrocken blickte Kitty auf und fühlte die brennende Röte , die in ihre Wangen stieg . » Denke dir , die Herwegh geht von der Bühne ab . Das ist ein großer Verlust . Sie hat doch eine ganz phänomenale Stimme und ist eine Künstlerin ersten Ranges . « » Ja , das ist sie ! « fiel Kitty streithaft ein . » Und ich verehre sie sosehr - ich dulde unter keinen Umständen , daß in meiner Gegenwart auch nur ein einziges unfreundliches Wort über Anna Herwegh gesprochen wird . « » Aber Mäuschen , was hast du denn ? « lachte Willy . » Ich sage doch nur das Beste von ihr . Eine wirkliche Künstlerin ! Dazu noch jung und schön . Dagegen hab ' ich doch wahrhaftig nichts einzuwenden . Ich wollte nur sagen , daß dieser plötzliche Abschied eine sehr rätselhafte Sache ist . Niemand weiß - « » Fräulein Herwegh wird ihre triftigen Gründe haben . « » Höre , Maus , da hast du eine kolossale Weisheit ausgesprochen ! Aber auf diese Gründe ist man eben neugierig ! Gestern brachten die Zeitungen ellenlange Artikel , begeisterte Würdigungen der scheidenden Künstlerin , Lamentationen über den unersetzlichen Verlust . Natürlich vermutet man , daß sie heiraten wird . Aber wen ? Eine Zeitung hat auf den Träger eines